Der Medienwatchblog "Kobuk.at" hat die Berichterstattung von "Krone" und "Heute" in den sechs Wochen vor der Nationalratswahl 2017 untersucht und kommt zu dem Befund: Vor allem die "Kronen Zeitung" habe überaus freundlich über Sebastian Kurz berichtet. Bei "Heute" gebe es eine "weniger deutliche" Tendenz. "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand weist eine solche Tendenz gegenüber "Kobuk" entschieden zurück und droht laut Watchblog mit juristischen Schritten.

Krone-Headlines über Sebastian Kurz im Wahlkampf 2017, zusammengestellt und analysiert von Kobuk.at.
Krone-Headlines über Sebastian Kurz im Wahlkampf 2017, zusammengestellt und analysiert von Kobuk.at.
Kronen Zeitung / Faksimile Kobuk

"Kobuk" veröffentlichte die Analyse am Dienstag, einen Tag vor dem Beginn des ersten Prozesses gegen Sebastian Kurz, in dem es allerdings um den Vorwurf der Falschaussage im Ibiza-Untersuchungsausschuss geht. Öffentliche Inseratenbuchungen und der Vorwurf von "Inseratenkorruption" sind ein anderer Teil der Ermittlungen.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft untersucht, ob sich ein Zusammenhang zwischen der Berichterstattung über den damaligen Spitzenkandidaten Sebastian Kurz und Inseratenbuchungen etwa des ÖVP-geführten Finanzministeriums dokumentieren lässt. Im März gab es deshalb eine Hausdurchsuchung im Verlag von "Heute". Eva Dichand wies alle Vorwürfe in dem Zusammenhang auch öffentlich entschieden als falsch zurück. Ihr Mann, "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand, wies diese intern gegenüber der Belegschaft ebenso entschieden zurück.

"Auffallend wohlwollend"

"Kobuk" hat nach eigenen Angaben alle 45 Ausgaben der "Kronen Zeitung" und 31 Ausgaben von "Heute" aus den sechs Wochen vor der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 analysiert. Ausgewertet wurden 1.100 Texte der beiden Zeitungen unter dem Blickwinkel: "Über wen wird positiv berichtet? Über wen negativ? Wer kommt wie oft vor, und ist die Berichterstattung insgesamt fair – oder eben doch sehr Kurz-freundlich?" Zudem hat "Kobuk" in dem Zeitraum 350 Werbebuchungen gezählt.

Befund laut "Kobuk": "In der 'Krone' gab man Sebastian Kurz mit Persönlichkeitstests, Leserbriefen, Kolumnen, Bildern und Ansagen auffallend mehr wohlwollenden Raum als den politischen Mitbewerbern." Der Watchblog verweist auf Headlines, prominente Platzierungen, von Kurz begeisterte Kolumnisten wie insbesondere Michael Jeannée und auf ein großes, überaus freundliches Porträt von Kurz (Titel: "Ziegen, Katzen, Kanzleramt") in der "Krone bunt" am Sonntag vier Wochen vor der Wahl.

Es war das zweite Porträt derselben Autorin in diesem Jahr. Im Mai 2017 porträtierte die "Krone bunt" Kurz schon unter dem Titel ""Sebastian ante portas" – als "Kurz-Geschichte eines Wunderwuzzis", und es war das einzige eines Spitzenkandidaten so knapp vor der Wahl. Peter Pilz (Liste Pilz / Jetzt) war in der "Krone bunt" am 16. Juli dieses Jahres dran, Christian Kern (SPÖ) im Juni. Der damalige SPÖ-Chef und Kanzler und die SPÖ kamen laut "Kobuk"-Analyse – vorsichtig formuliert – nicht gut weg. Etwa wegen Wahlkampfhelfer Tal Silberstein und eines Urlaubs als ÖBB-Chef mit einem ORF-Moderator, auch der Abbruch des "Krone"-Spitzenkandidatentests durch Kern lieferte Material.

Auch "Heute" habe im Untersuchungszeitraum sechs Wochen vor der Nationalratswahl am häufigsten über Kurz berichtet, konstatiert "Kobuk". Es lasse sich aber nicht eindeutig sagen, ob über den jungen ÖVP-Chef auch besonders positiv berichtet wurde, räumt der Watchblog ein: "Das Ausmaß tendenziell freundlicher Berichte über Kurz ist mit der 'Krone' nicht vergleichbar, es gibt aber subtile Hinweise."

Eva Dichand: "Nie überproportional zugunsten Kurz"

Positive Berichte hätten tendenziell Kurz genannt, negative wie Kritik des damaligen Wiener Bürgermeisters Michael Häupl (SPÖ) wurden mit ÖVP getitelt, führt "Kobuk" ins Treffen. Aber, so der Watchblog: "Insgesamt war die Berichterstattung hier ausgewogener." "Kobuk" verweist auch auf Aussagen des damaligen "Heute"-Chefredakteurs Christian Nusser, es habe keine Interventionen Eva Dichands zur Berichterstattung gegeben.

Eva Dichand zitiert "Kobuk" mit: "In 'Heute' gab es niemals eine überproportionale Berichterstattung zugunsten ÖVP oder Kurz. Ganz im Gegenteil kam die SPÖ und BK Kern überproportional viel und positiv in 'Heute' vor/ im Vergleich mit allen! anderen Österreichischen Tageszeitungen im selben Zeitraum. Was 'Heute' betrifft, ist Ihre Behauptung einfach falsch und, sollten Sie diese so veröffentlichen, kreditschädigend. Wir werden dies auch rechtlich verfolgen." Eine Studie im Auftrag von "Heute" bestätige das, "Kobuk" wurde sie auf Anfrage nicht zur Verfügung gestellt.

DER STANDARD bat "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand und "Krone"-Chefredakteur Klaus Herrmann um Stellungnahme zu den Befunden von "Kobuk", dem Watchblog antwortete Christoph Dichand nach dessen Angaben nicht. Wir ergänzen Stellungnahmen bei Vorliegen.

"Kobuk" zählte zehn Inseratenseiten des Finanzministeriums in "Heute", sieben in der "Krone" in dem Zeitraum. Die der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft vorliegenden Chats zwischen Eva Dichand und Thomas Schmid betreffen insbesondere Schmids Zeit als Generalsekretär des Finanzministeriums, dort sind Inseratenbuchungen wesentliches Thema. "Kobuk" errechnete mithilfe der Seite "medien-transparenz.at" der FH Joanneum, dass 70 Prozent der gemeldeten Werbebuchungen des Finanzministeriums von März bis September 2017 an "Krone", "Heute" und "Österreich/Oe24" gingen, später erhöhte das Finanzministerium auch die Buchungen bei anderen Medien. (fid, 17.10.2023)