Zum Trio geschrumpft und dennoch gewachsen: Naked Cameo veröffentlichen ihr zweites Album,
Zum Trio geschrumpft und dennoch gewachsen: Naked Cameo veröffentlichen ihr zweites Album, "Trespassing By", und touren durch das Land.
Leah Valentinah

Auf den Fotos, die anlässlich ihres Debütalbums veröffentlicht wurden, sah man vier aufgeräumt gekleidete junge Menschen. Sie hatten sich den Namen Naked Cameo gegeben, ihr Album hieß Of Two Minds und war über dem Durchschnitt gut. Das Hemd von Sänger Luek Maletzky mag ungebügelt gewesen sein, ansonsten hätten keine Erziehungsberechtigten links der ÖVP etwas zu bemängeln gehabt. Das war 2018.

Fünf Jahre später haben Naked Cameo auf dem Weg einen Mann verloren, die Jeans wirken wie dem Nirvana-Nachlass entnommen und das Klangbild hat sich auf dem nun erschienenen zweiten Album klar geändert. Gleichgeblieben ist: Die Musik der Wiener Band ist immer noch überm Durchschnitt gut.

Trespassing By heißt das Werk und belegt erneut das Gespür des nunmehrigen Trios für Hooklines, für eingängige Melodien. Im Gespräch vor ihrem Proberaum im Keller eines Eckhauses im zweiten Wiener Bezirk fallen Namen wie Beatles und Led Zeppelin als Einflüsse – wobei man Zweitgenannte nicht wirklich ausmachen kann.

Labelimplosion

Beim Debüt war alles noch anders. Da sprach Maletzky von R’n’B-Songs und Keyboarderin Maria Solberger davon, wie sie sich mit dem frisch angeschafften Synthesizer erst langsam vertraut machen musste. Das Resultat war eine originäre Popmusik, die international Wellen geschlagen hat. Es kam zu Nominierungen für die Music Moves Europe Talent Awards, die European Boarder Breaker Awards und die Austrian Music Export Awards "XA". Die Band reüssierte auf dem Hamburger Reeperbahnfestival, spielte auf dem Donauinselfest, dem Frequency und beim Eurosonic. Geholfen hat es – na ja – nicht so.

Naked Cameo - Up Is Down (Official Video)
Naked Cameo

Ihr Label implodierte nämlich, damit erstickte sämtliche Promotion, den Rest besorgte Corona. Die Band erzählt von Sitzkonzerten mit Abstandsregeln und einem Auftritt im leeren Posthof für ein Streamingkonzert als emotionale Tiefpunkte während der Pandemie. Da stellte sich durchaus die Sinnfrage. Tatsächlich war unklar, ob es mit Naked Cameo nach dieser Zeit weitergehen würde. Doch als sie das erste Mal wieder zusammen spielten, entstand ein Glücksmoment, wie Solberger und Schlagzeuger Patrick Pillichshammer sagen.

Livespielen hat das neue Album wesentlich beeinflusst. Sie erzählen, wie sich über die Feuertaufe in den Konzerten die Songs geformt haben, wie ein neuer und direkterer Sound entstanden ist, und von der Euphorie, die sich aus dieser Entwicklung während der Aufnahme des Albums einstellte. Maletzky: "Wir hatten ein paar Mal das Gefühl: Ja, jetzt haben wir es gefunden, und dann lief es wieder. Als Team, als Band."

Kopfüber

Mittlerweile spielten sie ein ausverkauftes Konzert im Wiener Konzerthaus, füllen Berliner Clubs und erzählen von Spotify-Playlisten als Promo-Tools, über die sich ihre Musik im Sinne eines Stille-Post-Spiels verbreite – wobei das stille Spiel in ihrem Fall ganz schön Lärm macht. Spotify zahle zwar beschissen, sagt Maletzky, auf diese Art funktioniere es aber erstaunlich gut.

An manchen Songs lässt sich die Entwicklung besonders deutlich ablesen: Shangri-La erinnert an die Songs des Debüts, doch dessen charmant zugeknöpfte Ästhetik übertragen sie nun in ein rockigeres Format. Maletzky singt zärtlich über Hard Feelings oder stürzt sich kopfüber in Up Is Down. Wobei sich das nie in plumpe Rockismen entlädt, sondern stets feinsinnig bleibt.

Naked Cameo - Shangri La (Official Video)
Naked Cameo

Einen Hinweis auf die Beatles müssen dogmatische Gralshüter natürlich ablehnen, tatsächlich schimmert deren Erbe öfter aus den Songs – ohne nach schlechter Kopie zu klingen. Wichtig war dem Trio das Albumformat. Es sollte nicht bloß eine beliebige Liedersammlung sein, sondern eine Chronologie haben, einen Erzählbogen. Die Übung darf als gelungen bezeichnet werden.

Ab sofort ist die Band mit Trespassing By auf Tour, das Konzert in der Wiener Arena ist ausverkauft.