Salman Rushdie
Salman Rushdie am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche.
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Frankfurt am Main – Die Begriffe Frieden und Freiheit stellte Salman Rushdie am Sonntag ins Zentrum seiner Dankesrede zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels. "Frieden will mir im Augenblick wie ein dem Rauch der Opiumpfeife entsprungenes Hirn­gespinst vorkommen", sagte der Autor angesichts des in der Ukraine tobenden, "der Tyrannei eines einzelnen Mannes und seiner Gier nach Macht und Eroberung geschuldeten" Krieges und der Lage in Israel und Gaza, wo "ein bitterer Konflikt explodiert" sei.

"Friede ist schwer zu schaffen und schwer zu finden", attestierte er mit Blick auf die großen Zusammenhänge wie auch das private Leben. Sein Name Salman bedeute "friedlich", und er sei ein "stiller, braver, fleißiger Junge" gewesen, "der Ärger begann später", zog er den Bogen zu seinem 1988 erschienenen Roman Die satanischen Verse, der eine Fatwa und schließlich vor einem Jahr ein Messerattentat auf ihn nach sich zog. Die Unterstützung, die er danach erfahren habe, habe ihm gezeigt, wie verbreitet der Glaube an die Freiheit noch sei.

Druck von "Jungen wie Alten"

Dennoch würden wir in einer Zeit leben, von der er nicht geglaubt habe, sie erleben zu müssen, sagte Rushdie in der Paulskirche in Frankfurt: "Eine Zeit, in der die Freiheit – insbesondere die Meinungsfreiheit – auf allen Seiten von reaktionären, autoritären, populistischen, demagogischen, halb­gebildeten, narzisstischen und achtlosen Stimmen angegriffen wird." Auch Cancel Culture und Wokeness, also "eine Zensur, die sich den Anschein des Tugendhaften gibt und die viele, vor allem junge Menschen, auch für eine Tugend halten", nannte der 76-Jährige als Gefahr. Dass die Freiheit "von links und rechts" unter Druck gerate, "von den Jungen wie den Alten", habe es bisher nicht gegeben. Soziale Medien würden das verschärfen.

Ganz Erzähler, der Rushdie ist, reicherte er seine Rede mit Verweisen auf die Tierfabeln der altindischen Dichtung Panchatantra und einer Geschichte von einem Jahrmarkt an, auf dem es Fläschchen zu gewinnen gibt, die Schönheit, Freiheit, Güte oder Frieden verheißen. "Ich gestehe, es gab Zeiten, da hätte ich lieber das Friedenselixier getrunken und mein Leben damit zugebracht, glückselig lächelnd unter einem Baum zu sitzen, aber das war nun einmal nicht das Fläschchen, das mir der fahrende Händler gab." Umso wichtiger sei es angesichts von Gefahr aber, Freiheit zu verteidigen, "schlechte Rede mit besserer Rede kontern, falschen Narrativen bessere entgegensetzen". (wurm, 22.10.2023)