Verlieren ist am Samstag keine Option für Österreichs Football-Nationalteam.
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Weihnachten ist zum Glück noch weit weg, aber wünschen darf man ja sich eigentlich immer etwas. Und wenn es nur mehr innere Ruhe ist. Christoph Seyrl wünscht sich gleich drei Dinge. Zum einen wäre das natürlich der erste Europameistertitel im Football für Österreich, zum anderen noch mehr begeisterte Kinder, die mit dem Footballspielen anfangen. Durch die Corona-Lockdowns hat man wie auch alle anderen Sportarten zwei Jahrgänge verloren. Und schließlich wünscht sich Seyrl eine EM-Endrunde im Turnierformat mit mehreren Mannschaften in Wien.

Der EM-Titel kann am Samstag Realität werden, wenn Österreich im Finale der Europameisterschaft in der NV-Arena in St. Pölten Finnland empfängt – Kickoff ist um 15 Uhr. Seyrl ist Generalsekretär des American Football Bund Österreich (AFBÖ), als solcher darf er stolz verkünden, dass die Hütte sehr gut besucht sein wird. 5.000 Karten sind bereits weg, 6.000 Zuschauer sollen es werden. "47 finnische Fans werden sich gegen uns stemmen, plus acht finnische VIPs. Wir haben diesen Event in sechs Wochen aus dem Boden gestampft, es wird Musik geben, eine Afterparty, das wird eine große Sache", sagt Seyrl zum STANDARD.

Liste an Erfolgen

American Football ist eine so US-amerikanische Kunst wie das Barbecue. In Europa betreibt den Kampf ums Eierlaberl kaum jemand ehrgeiziger als Österreich. Im Sommer wurde das U19-Team zum bereits sechsten Mal Europameister, die Vienna Vikings gewannen im Vorjahr die neu gegründete European League of Football (ELF). Mit dem Wiener Bernhard Raimann hat Österreich erstmals einen Feldspieler in der NFL im Einsatz. Das Herrennationalteam ist doppelter Vize-Europameister und will am Samstag endlich den ersten Titel holen.

Auf dem Weg ins Finale wurden Frankreich, Ungarn und Italien eliminiert. Gegen Finnland wird die Defensive im Mittelpunkt stehen, Österreichs Fokus liegt auf einem starken Laufspiel, über das sich aber auch gute Passsituationen ergeben sollen. Die Runningback-Achse bilden jeweils zwei Spieler der stärksten AFL-Teams, der Vienna Vikings und der Raiders Tirol. "Die Mannschaft ist aber der Star, persönliche Statistiken sind komplett Nebensache", sagt Max Sommer. Der 35-jährige Grazer hat den stärkstmöglichen Kader zusammengestellt, vor dem Finale wurde sogar ein Atemcoach verpflichtet, um die Spieler mental bestmöglich vorzubereiten. Die Finnen sind fünffacher Europameister, waren bisher bei jeder Endrunde dabei, "man kann bei ihnen keine Schwachstelle ausmachen", sagt Sommer. Die finnische Liga erlaubt vier US-Legionäre pro Team plus eine unbegrenzte Anzahl an Europäern. "Sie haben eine liberale Regelung und deshalb einen starken Wettkampf, und sie schicken weit mehr Legionäre als wir zu anderen ELF-Teams ins Ausland."

Der Star ist die Mannschaft.
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Während in der NFL noch der dritte Trainingszwerg von links Geld mit Football verdient, ist es in Europa ein Spiel der Idealisten. Der Kader umfasst 50 Spieler, Prämien gibt es nicht, Brotjobs müssen mit Spielterminen unter einen Hut gebracht werden. Die Finnen zahlen sich einen Teil der Reisekosten selbst. 19 Nationen in Europa praktizieren derzeit Football, Österreich hat im Schnitt drei bis vier Länderspiele pro Jahr. Auch deshalb wünscht sich Generalsekretär Seyrl ein Turnierformat für eine EM, sprich ein zweiwöchiges Footballfest. "Damit wir das noch größer aufziehen können."

Der AFBÖ hat ein Verbandsbudget von etwa 930.000 Euro. In Zukunft wird wohl mehr Geld zur Verfügung stehen, denn Flag Football, eine Variante des Spiels, bei der Körperkontakt nicht erlaubt ist, wird 2028 olympisch. Der Verband fährt bereits seit Jahren zweigleisig und hat mit Flag Football eine starke, zweite Sektion. Im November wird es Gespräche mit der Bundessport GmbH geben, ab 2025 dürfte es Bundesförderungen geben. "Wir haben schon jetzt Stützpunkte und Trainer aufgestellt, mit mehr Mitteln können wir in Camps und Nationalteams investieren. Es ist eine große Chance, mehr auf uns aufmerksam zu machen", sagt Seyrl.

Zum olympischen Qualifikationsmodus ist noch nichts bekannt. Aber so viel ist sicher: die NFL pusht Flag Football gewaltig, es ist kein Zufall, dass der Sport ausgerechnet bei den Spielen in Los Angeles seine Premiere feiert. Der frühere NFL-Superstar Rob Gronkowski, vierfacher Super-Bowl-Champion mit den New England Patriots und den Tampa Bay Buccaneers, hat bereits angekündigt, er möchte 2028 für die USA auf Medaillenjagd gehen. (Florian Vetter, 27.10.2023)