Dolores Schmidinger und ihr Buchtipp.
privat

Ihre Mutter war Deutschlehrerin und der Vater Opernsänger, als sie im zerstörten Wien der Nachkriegsjahre in der Kaiserstraße aufwuchs. Die Klosterschule nebenan in der Kenyongasse brach sie ab – "Des hod mi nimma interessiert!" –, lieber lernte sie Kosmetikerin. Und mit 18 stand sie dann eh schon beim Gerhard Bronner in der Walfischgasse auf der Bühne: "Ich war musisch-kreativ hochbegabt und habe bald diese Komik entwickelt, um Leute für mich einzunehmen. Wenn ich lustig bin, haben mich alle gern, das funktioniert!" Als ab Ende der 1950er-Jahre Schwarz-Weiß-Verfilmungen großer Literatur ins Fernsehen kamen, las sie deren Vorlagen: "Die Buddenbrooks und solche Kaliber!"

Später liebte sie Ruth Rendell alias Barbara Vine, "wo immer einer in sonderbare Umstände kommt, da ist viel Psychologie dabei, sie hat auch immer Tabuthemen aufgegriffen". Ihr Lebensbuch aber ist Viktor Frankls … trotzdem Ja zum Leben sagen, "weil ich ja die Generation bin, die mit ihren Mittelaltereltern abrechnen wollte, darum berührt mich dieses Thema besonders".

"Mittlerweile habe ich meine Kaufsucht auf Bücher reduziert", sagt sie, und apropos Sucht: Das ihrer Meinung nach lustigste Buch der letzten Jahre ist Norman Ohlers Der totale Rausch, "in dem er beschreibt, was die Nazis alle für Mittel genommen haben und womit der Hitler immer gespritzt worden ist – ganz seltsame Sachen, auf die er süchtig war, es ist so saukomisch! Das hat sicher zu seiner Verrücktheit beigetragen, wenn es nicht überhaupt ein Auslöser war" – die Eiernockerln allein können’s ja nicht gewesen sein. "Das Lustigste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe!", findet sie, während Die Zeit in dem Buch einen "Anekdoten-Karneval ohne fundierte Analyse" las.

Wie schaut’s bei ihr mit Drogen aus? "Ich hab ja so viel g’soffen und dazu Amphetamine genommen in den 70ern, und wie ich dann aufgehört hab zum Saufen, haben sie mir Opiate gegeben, das war alles legal damals, aber auch richtig heftig. Gott sei Dank hab ich die härteren Sachen nie probiert!" Außer Bücher halt. (Manfred Rebhandl, 4.11.2023)