Manfred Honeck Wiener Symphoniker
Honeck stimmt die Instrumentengruppen ähnlich sorgsam aufeinander ab wie ein Tonmeister seine Regler: Helle Holz-, satte Blechbläserfarben und ein flirrender Streichersound runden sich zum fülligen Prachtklang.
imago images/CTK Photo

"Wofür stehen die Wiener Symphoniker für Sie?", will eine Publikumsbefragung derzeit im Netz wissen. Wer die jüngste Orchestermatinee im Ohr hat, dürfte zur positivsten Antwortmöglichkeit neigen, nämlich "musikalische Exzellenz": Bruckners kolossale 8. Symphonie von 1890 vermittelte am Sonntag eine Erbauungskraft, wie man sie an diesem Wochentag eher von einem Festgottesdienst erwarten würde.

Manfred Honeck stimmt die Instrumentengruppen ähnlich sorgsam aufeinander ab wie ein Tonmeister seine Regler: Helle Holz-, satte Blechbläserfarben und ein flirrender Streichersound runden sich zum fülligen Prachtklang – zu Spannungsgipfeln gern mit Lust an der Lautstärke. Es fehlt aber nicht am Sinn für Nuance.

Der ersterbende Schluss des Kopfsatzes: ein fahler Streicherspuk vor dem erdigen Scherzo. Eine Insel der Seligkeit: die Harfen-umfunkelte, ätherische Passage im Adagio mit den epischen Überraschungsharmonien. Dass Honeck zu einer zügigen Gangart neigt, lässt Bruckners Mammutsätze vergleichsweise kompakt wirken und bringt den Furor des Finales gebührend (und ohne Grobheiten) zur Geltung: Jubel. (Christoph Irrgeher, 6.11.2023)