Kid Congo Powers
Kid Congo Powers (Mitte) und The Pink Monkey Birds werden wohl auch Klassiker wie "Goo Goo Muck", "She's Like Heroin to Me" oder "Some New Kind of Kick" zum Besten geben.
Luz Gallardo

Wir schreiben das Jahr 1980. In der Alten Welt und vor allem in Großbritannien treibt der sogenannte Post Punk wundersame Blüten. Er kündet von einer im gleißend hellen Neonlicht strahlenden, oft auch synthetisch erzeugten Zukunftsmusik. Sie wird nicht länger in den Fesseln des Rock und Rock 'n' Roll gehalten, sondern sagt (wenn auch oft zynisch und dystopisch gemeint) Ja! zur modernen Welt. Im Gegensatz dazu geht es auf der anderen Seite der Weltscheibe, im sonnengefluteten Kalifornien, in die entgegengesetzte Richtung. Südlich des Himmels stürzt man sich dort mit steinalten Blues-Riffs und Texten, die weniger die Menschmaschine als den Höllenteufel beschwören, in den dunklen Abgrund der ewigen Verdammnis.

Gemeinsam mit Jeffrey Lee Pierce gründete der 1959 als Brian Tristan geborene Kalifornier Kid Congo Powers damals die Band Creeping Ritual. Aus der ging bald The Gun Club hervor. Der Gun Club stürzte sich mit großer Intensität, Vehemenz und irrem Wanderpredigergehabe in eine wilde, selbstzerfleischende Mischung aus Blues, Rockabilly und Punk. Das Debütalbum Fire of Love von 1981 mit Titeln wie Sex Beat, She's Like Heroin to Me oder der Bearbeitung des Robert-Johnson-Songs Preaching the Blues gilt längst als Klassiker.

Too Much Rock

Kid Congo Powers war nach seinen Vorarbeiten dafür zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr dabei. Er hatte, wohl auch aus finanziellen Gründen zu den geistesverwandten, allerdings weit erfolgreicheren New Yorker Irren The Cramps gewechselt. Mit ihnen veröffentlichte er die Alben Psychedelic Jungle oder Smell of Female. Er ging schließlich wieder zum Gun Club zurück und stellte seine offen gestimmte (Slide-)Gitarre erneut in den Dienst des multitoxischen Bandchefs und Problembären Jeffrey Lee Pierce, etwa für The Las Vegas Story (1984) oder Mother Juno (1987). Parallel dazu war er bis 1990 bei Nick Cave and The Bad Seeds auf Kicking Against The Pricks, Tender Prey oder The Good Son und vor allem auch live auf zermürbenden Touren beschäftigt.

Vor allem auch drogentechnisch wurde schließlich von Kid Congo ein harter Schnitt vollzogen. Er hat ihm wohl das Leben gerettet. Nachlesen kann man das alles in seiner im Vorjahr bei 50 Omnibus Press erschienenen Autobiografie Some New Kind of Kick, die nach einem Cramps-Signature-Song betitelt ist.

KId Congo Powers

Seither ist es etwas unübersichtlich geworden. Neben diversen Kollaborationen ist Kid Congo Powers seit Ende der Nullerjahre hauptsächlich mit seiner Band The Pink Monkey Birds unterwegs. Auf Arbeiten wie Dracula Boots oder Gorilla Rose oder der halbwegs aktuellen Single Frankenstein bricht bei allen Ausflügen in psychedelische Lounge- und Surf-Gefilde aber immer noch die urwüchsige Kraft des Blues, Punk, Rock 'n' Roll und Garage Rock durch, wie man sie seit den Anfangstagen des genialen Dilettanten schätzt und liebt.

Bei seinem ersten Wien-Konzert seit langer Zeit wird Kid Congo Powers wohl einen Querschnitt durch all seine Schaffensphasen bieten. Eine Weihestunde für Best-Ager in der zeitlos-knallenden Farbkombination Schwarz und Schwarz. Leute, packt die alten Voodoo- und Hühnerknochen-Ketten aus. (Christian Schachinger, 7.11.2023)

Kid Congo Powers & The Pink Monkey Birds live:

Mittwoch, 8. 11., im Wiener Volkstheater, Rote Bar, 20:00