Der Applaus für den Plan der Regierung, mit finanziellen Anreizen Pensionsberechtigte zu animieren weiterzuarbeiten, ist enden wollend. Bis zu einer Zuverdienstgrenze von rund 1.000 Euro sollen Pensionistinnen und Pensionisten demnach künftig keine Beiträge zur Pensionsversicherung mehr zahlen müssen. Laut ÖVP-Berechnungen würden sich Pensionisten so 1.200 Euro pro Jahr ersparen.

Zusätzlich wird der Bonus für jene, die nach dem Erreichen der Ruhestandsgrenze die Pension nicht antreten, sondern weiterarbeiten wollen, erhöht. Für jedes Jahr, in dem weitergearbeitet wird, sollen rund fünf Prozent draufgelegt werden. Die Opposition begrüßt zwar die höheren Boni, ist aber insgesamt skeptisch. SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch etwa hält das Aussetzen der Pensionsbeiträge für Weiterarbeitende für "unverständlich". Da drohe eine Zweiklassengesellschaft, zumal der Staat die Beiträge übernehme und die Älteren damit gegenüber den Jüngeren bevorteile.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch befürchtet, dass der Regierungsplan für arbeitende Pensionisten zu einer "Zweiklassengesellschaft" führe.
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Höhere Lohnsteuer fürs Weiterarbeiten

Überaus skeptisch zeigt sich die Pensionsexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Christine Mayrhofer. Es sei zwar wichtig, "dass man das Potenzial und Wissen älterer Erwerbstätiger hebt, das ist schon aus ökonomischen und betriebswirtschaftlichen Gründen sehr sinnvoll", sagte sie im Ö1-"Morgenjournal" am Mittwoch. Die vorgestellten Maßnahmen würden diesem Ziel aber nicht wirklich gerecht.

Video: Arbeiten in der Pension soll attraktiver werden.
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Momentan arbeiten inklusive Beamte rund 60.000 Österreicher und Österreicherinnen zusätzliche zur bezogenen Alterspension parallel als Erwerbstätige mit einem Verdienst über der Geringfügigkeitsgrenze (aktuell 500 Euro). Die Abschaffung der Pensionsversicherungsbeiträge würde nach Ansicht Mayerhofers nicht automatisch zu einem höheren Nettoeinkommen führen. "Wir haben ein progressives Steuersystem, und bei der Kombination von Pensionseinkommen und Erwerbseinkommen werden beide Einkommen zusammengerechnet. Dann werden die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen, und das, was übrig bleibt, ist die Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuer. Hier greift ein progressiver Steuertarif", sagt Mayrhofer. Was letztlich bedeute, dass Pensions- und Erwerbseinkommen zusammengerechnet werden und man automatisch in eine höhere Steuerklasse falle.

Wenn also der Pensionsbeitrag falle, erhöhe sich schließlich die Lohnsteuer, argumentiert Mayerhofer. Das von der ÖVP vorgestellte Modell sei zwar "zu begrüßen, ich fürchte aber, ein großer Effekt wird es nicht sein", sagt Mayerhofer. Finanzielle Anreize seien wichtig, aber es gehe auch um die Arbeitsbedingungen – von der Arbeitszeit bis zum Arbeitsplatz. (Walter Müller, 8.11.2023)