Selbst gebauter Kindle-Bilderrahmen in einem Bücherregal.
Äußerlich kann der digitale Kindle-Bilderrahmen nach Bedarf gestaltet werden, in unserem Fall wurden einfach Zweige aufgeklebt und ein Tablet-Ständer aus dem 3D-Drucker genutzt. Die Darstellung der Fotos erfolgt freilich in der typischen Monochrom-Stilistik.
Der Standard/Stefan Mey

Mit dem anstehenden Black Friday, spätestens aber mit Weihnachten wird so mancher neuer E-Reader ältere Geräte ersetzen. Doch was geschieht dann mit dem Vorgänger? Zum Wegschmeißen sind die Geräte meist noch zu gut, verschenken möchte man sie aufgrund der Gebrauchsspuren durch diverse Reisen auch nicht, weshalb sie meist im Schrank verstauben. Aber das muss nicht sein, zumal sich gerade alten Amazon Kindles – dem Marktführer unter den E-Readern – mit Geschick ein zweites Leben einhauchen lässt.

Eines dieser Bastelprojekte machte bereits vor ein paar Jahren die Runden: eine digitale Uhr auf dem E-Ink-Display, welche die aktuelle Uhrzeit stets anhand eines literarischen Zitats anzeigt. So beeindruckend das auch ist: Die Umsetzung eines solchen Projekt erfordert ein entsprechendes technisches Vorwissen, so muss unter anderem ein "Jailbreak" – also ein Freischalten vom System des Herstellers – vorgenommen werden. In dieser Anleitung soll hingegen gezeigt werden, wie man einen alten Kindle in einen digitalen Bilderrahmen verwandelt. Und zwar gänzlich ohne Jailbreak oder sonstige Notwendigkeit komplexer technischer Vorkenntnisse.

Erste Möglichkeit: Coverbild als Bildschirmschoner

Wer keinen preislich ermäßigten Kindle mit Werbung als Bildschirmschoner gekauft hat, der wird bemerkt haben, dass sich nach ein paar Minuten der Inaktivität der Bildschirm sperrt, um ein nettes Platzhalterbild anzuzeigen. Mit dieser Funktion kann der Kindle in einen digitalen Bilderrahmen verwandelt werden, indem man sich anstatt des Platzhalters das Coverbild des aktuellen Buchs als Bildschirmschoner anzeigen lässt. Dies funktioniert bei den meisten Geräten, indem man in den Einstellungen zunächst den Menüpunkt "Geräteoptionen" auswählt und dann die Funktion "Cover anzeigen" aktiviert.

Menü des Kindle Touch.
Die beschriebene Funktion findet sich gleich oben in den Geräteoptionen.
Der Standard/Stefan Mey

Nun wird das Cover des aktuellen Buchs auf dem Sperrbildschirm angezeigt. Nett. Da die meisten von uns aber lieber ein Urlaubsfoto als das Titelbild eines Romans in ihrem Bilderrahmen sehen wollen, müssen eigene Inhalte auf den Kindle gespielt werden. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine ist, die entsprechende Datei an die E-Mail-Adresse des Kindles zu schicken. Sie ist unter dem Menüpunkt "Mein Konto" hinterlegt. Sobald der Kindle online ist, ruft er die Inhalte dann ab. Wird eine PDF-Datei an die besagte Mailadresse geschickt und schreibt man in den Betreff der E-Mail das Wort "convert", so wird das PDF von Amazon in ein Format umgewandelt, das der Kindle lesen kann.

Kindle Touch
Bücher wie dieses mögen unterhaltsam sein, als Foto für den Bilderrahmen taugen sie jedoch weniger.
Der Standard/Stefan Mey

Eine zweite Möglichkeit ist, den Kindle per Kabel an den PC anzuschließen und die Dateien von dort auf den E-Reader zu spielen. Wie so oft im Kontext von E-Readern sei auch hier auf die bewährte und kostenlose Software Calibre verwiesen, die man sich zu diesem Zweck auf den PC spielen sollte. Sie ermöglicht das Verwalten von E-Books und vor allem das Umwandeln in verschiedene Dateiformate: Hier können also händisch aus Bildern die vom Kindle bevorzugten Dateien im .mobi-Format erstellt und dann auf den E-Reader übertragen werden, um dann deren Coverbild als Sperrbildschirm-Bild zu verwenden.

Zweite Möglichkeit: Bilder im Buch

Was aber, wenn die besagte Coverbild-Funktion nicht verfügbar ist? Dies kann mitunter bei älteren Modellen der Fall sein. Hier wird Abhilfe geschaffen, indem in einem Textverarbeitungsprogramm wie Microsoft Word ein Buch mit den gewünschten Bildern erstellt, dieses anschließend in Calibre in ein Kindle-taugliches Format umgewandelt und schließlich auf den Kindle gespielt wird. Öffnet man nun im Kindle das neue Dokument und tippt länger auf das gewünschte Bild, so kann dieses im Vollbild angezeigt werden.

Um Ränder an den Seiten zu vermeiden, sollte in diesem Kontext darauf geachtet werden, dass das Bildformat den Proportionen des Kindle-Bildschirms entspricht. Eine entsprechende Übersicht für die einzelnen Kindle-Modelle gibt es unter anderem unter diesem Link in der Spalte namens "Aspect Ratio". Für einen Kindle Touch zum Beispiel sollten die Bilder das Bildverhältnis 8:6 aufweisen. Zuschneiden kann man diese am Smartphone oder am PC, in professionellen Programmen wie Photoshop ebenso wie in der bereits in Windows vorinstallierten Bildanzeige.

Und noch ein Punkt, den es bei diesem Lösungsweg zu beachten gilt: Standardmäßig wird die Vollbildanzeige von Bildern auch hier von einem Sperrbildschirm unterbrochen. Dies lässt sich bei vielen Kindle-Modellen unterbinden, indem man den Befehl "~ds" (ohne Anführungszeichen) eintippt.

Rahmen und Ständer

Sind diese Schritte einmal erledigt, so bleibt nur noch, den alten Kindle in ein Bilderrahmen-würdiges Umfeld zu stellen. Hier bietet sich etwa an, den E-Reader auf einen der Handy-Ständer zu stellen, wie sie im Elektrofachmarkt und Online-Handel angeboten werden. Wer einen 3D-Drucker hat, der kann in Betracht ziehen, sich einen entsprechenden Ständer selbst auszudrucken: Vorlagen dafür gibt es unter anderem auf Thingiverse.com.

How To Make A Tablet Stand From a Book
Peter Brown

Man kann sich aber auch an anderen Anleitungen aus dem Netz orientieren und sich etwa einen Ständer aus Zement bauen oder einem alten Buch aus Papier eine neue Rolle verleihen. Im Grunde sind die Möglichkeiten hier nur durch die eigene Fantasie und das handwerkliche Geschick begrenzt. Ein wichtiger Hinweis sei in dieser Hinsicht noch gegeben: Wer eine besonders lange Akkulaufzeit erreichen möchte, der sollte auch das WLAN auf dem Kindle deaktivieren – oder bei der Planung des Ständers auch gleich ein Ladekabel mit einplanen. (Stefan Mey, 11.11.2023)