Basierend auf dem HinweisgeberInnenschutzgesetz (HSchG) wird es mit 17. Dezember dieses Jahres für alle Unternehmen, die 50 oder mehr Arbeitnehmende beschäftigen, verpflichtend, ein HinweisgeberInnenschutzsystem einzurichten und dafür zu sorgen, dass dieses Meldesystem allen gesetzlichen Anforderungen entspricht. Das System soll Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, vom HSchG umfasste Missstände anzuzeigen.

Erfasste Bereiche stellen unter anderem Finanzprodukte und Finanzmärkte sowie Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, Produktsicherheit und -konformität, Umweltschutz, Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, Schutz der Privatsphäre und personenbezogener Daten sowie Sicherheit von Netz- und Informationssystemen und Verhinderung und Ahndung von Straftaten nach den §§ 302 bis 309 StGB (Amtsmissbrauch und Korruption) dar.

viele weiße und grau Köpfe und dazwischen ein roter Kopf mit Trillerpfeife
Das HinweisgeberInnenschutzgesetz trägt auch zur Förderung der Unternehmenskultur bei.
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Während manche Unternehmen diese Meldestellen lediglich einrichten, um dem HSchG zu entsprechen und gesetzeskonform zu agieren, sehen wir ein aktives Zutun zur Förderung der Unternehmenskultur im Vordergrund. Mitarbeitende sollen die Chance haben, anonym und gutgläubig Hinweise zu beobachteten potenziellen Missständen zu geben, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Diese können für das Management bedeutende Indizien für (noch) unbekannte interne Probleme darstellen, welche gelöst werden können, bevor die Reputation des Unternehmens einen beachtlichen Schaden nimmt. Vorausgesetzt, das Management erfährt davon, bevor es an die Öffentlichkeit gerät.

Gezielte Bearbeitung von Missständen

Besonders in der digitalisierten (Arbeits-)Welt werden Erfahrungsberichte gerne mit anderen aus der Branche geteilt und finden auch online ihre Eintragungen. Das "WiWi-TReFF-Forum" als eines von zahlreichen Beispielen dient als Austauschplattform unter Studierenden und Arbeitseinsteigenden, um einen Einblick in die Unternehmenskultur von namhaften Banken, Private-Equity-Fonds, Unternehmensberatern und anderen Branchen zu erhalten, und ermöglicht das Teilen von persönlichen Erfahrungen. Für Unternehmen, die durch mehrere solcher online für jeden zugänglicher negativer Erfahrungsberichte – zu deren Arbeitsklima zum Beispiel – belastet werden, ist es schwierig, sich einen Ruf als fairer und nachhaltiger Arbeitsort wiederaufzubauen.

Durch die gezielte Bearbeitung von eingegangen Hinweisen zu Missständen können interne Probleme untersucht, analysiert und gelöst werden, bevor sich Mitarbeitende dazu gezwungen fühlen, ihre Unzufriedenheit nach außen zu tragen. Dazu gehört auch der Gang zur Behörde. Die österreichische Finanzmarktaufsicht hat zum Beispiel bereits 2014 eine telefonische "Whistleblower-Hotline" freigeschaltet. Personen können anonym und nicht rückverfolgbar Hinweise geben, wenn gegen ein der FMA zur Aufsicht übertragenes Gesetz verstoßen wird.

Bedeutung für die Unternehmenskultur

Besonders in den letzten Jahren haben Begriffe wie "Work-Life-Balance" und "Arbeitsklima" immer mehr an Bedeutung gewonnen und werden von den Generationen Y und Z weitaus mehr geschätzt als von den Generationen vor ihnen. Dazu gehört auch das Wissen, ernst genommen zu werden und eine Stimme bei der Fort- und Weiterentwicklung des Unternehmens zu haben. Gerade auch in einer Zeit, in der Arbeitnehmende wesentlich kürzer bei einem Unternehmen angestellt sind und häufiger wechseln, ist es wichtig, als Unternehmen für seine Werte einzustehen und Mitarbeitenden zu verdeutlichen, dass eine intakte Unternehmenskultur mindestens genauso bedeutend ist wie andere Corporate Benefits. (Peter Wagesreiter, 23.11.2023)