Gerhard Struber muss seine Mannschaft wieder auf Schiene bringen.
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Wien/Klagenfurt - Mit einer späten Rettungstat hat Alexander Schlager Salzburgs dritte Saisonniederlage abgewendet. Wie schon davor gesehen, plagte sich der Meister beim 0:0 gegen die Austria wenige Tage nach einem Highlight-Spiel in der Champions League im "Tagesgeschäft" Bundesliga über den Rasen. Durch Salzburgs Strauchler schloss Sturm dank eines 3:0 in Klagenfurt wieder zum Serienchampion auf - und das, obwohl Christian Ilzer bei seiner Elf zuletzt ein "Energie-Thema" ausgemacht hatte.

"Nach dem Spielverlauf nehmen wir den Punkt mit, über den können wir uns freuen", sagte Salzburgs Retter nicht ohne Grund. Als Schlager in der 90. Minute einen Elfmeter seines ehemaligen Teamkollegen Alexander Schmidt parierte, durfte man sich im Lager der Gäste endgültig über einen glücklichen Zähler in Wien-Favoriten freuen. Die Austria schaffte es nicht, ihre Überlegenheit in ein Tor umzumünzen. Die personell ersatzgeschwächten Salzburger retteten sich vorerst in die Länderspielpause. Da will Gerhard Struber neue Energie tanken - sofern dies auch möglich ist.

"Ich würde mir wünschen, dass ein paar durchschnaufen können in dieser Zeit. Aber man muss erst sehen, inwiefern das zutreffen wird", meinte Salzburgs Chefcoach mit Blick auf die Einberufungsliste. Strahinja Pavlovic, Amar Dedic, Karim Konate oder der bereits am Sonntag abwesende Oscar Gloukh werden wieder bei ihren Nationalteams weilen. Für Österreich sind Schlager und Samson Baidoo nominiert. In zwei Wochen geht es für Salzburg jedenfalls wieder munter mit einer englischen Woche samt der Auswärtsreise nach San Sebastian zu Real Sociedad weiter.

Was Struber und auch Schlager in Wien erneut vermissten, war die geistige Frische. "Für 18-, 19-Jährige ist es nicht so einfach, nach einem großen Spiel unter der Woche das mentale Mindset zu finden, um in der Bundesliga wieder anzudocken. Da bleiben wir dran", beteuerte der Trainer. Sein Team sei eine junge Mannschaft, die noch viel zu lernen habe. Augenscheinlich bleibt, dass Salzburg nach den Großtaten in der Königsklasse immer wieder Probleme hat. Das 0:1 gegen Blau-Weiß Linz passierte ebenso nach einem Champions-League-Auftritt wie ein 2:2 bei Austria Klagenfurt und nun das schmeichelhafte Remis in Wien. Der Rekord von 23 Auswärtsspielen in der Liga ohne Niederlage, den sich Salzburg nun mit dem FC Tirol unter Trainer-Legende Ernst Happel teilt, war danach kein großes Thema.

Austria-Trainer Michael Wimmer: "Die Jungs haben alles draußen gelassen".
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Eines hielt Struber mit Blick auf die Meisterschaft jedenfalls fest: "Was die Performance angeht, müssen wir uns gewaltig steigern." Der Salzburger sprach von einem "Fight auf der Rasierklinge, was die Tabelle angeht". Aktuell hat der Titelverteidiger im Vergleich mit Sturm dank der deutlich besseren Tordifferenz die Nase vorne. Das erste direkte Duell hatte in Graz mit einem 2:2 geendet.

Hadern durfte die Austria. Eine Chancenflut wie an diesem Sonntagabend hatten die Violetten gegen Salzburg seit Jahren nicht mehr vorgefunden. "Die Jungs haben alles draußen gelassen, wenn ich 18 Torschüsse sehe und neun aufs Tor. Mehr kannst du gegen Salzburg nicht erarbeiten", betonte Michael Wimmer. Defensiv erneut eine Macht - 795 Minuten hält die Austria nun ohne Gegentor - fehle seinem Team im Angriff "ein wenig die Kaltschnäuzigkeit", gab der Austria-Trainer an. 14 Tore hat die Austria in 14 Runden erst erzielt. "Wir machen es sehr gut beim Verteidigen, jetzt sollten wir noch mehr Tore schießen", sagte Marvin Potzmann dazu.

Den Weg in die Meistergruppe könnte die aktuell siebentplatzierte Austria bis zur Winterpause gegen starke Gegner vorzeichnen. Nach der Länderspielpause geht es in Wolfsberg weiter. Danach wartet ein Heimspiel gegen den LASK, ehe zum Jahresabschluss die Auswärtsreise nach Klagenfurt ansteht. Die beiden Kärntner Clubs sind wie Rapid die härtesten Rivalen um den Platz in den Top sechs. Dass die Serie von davor fünf Siegen en suite gegen Salzburg zu Ende ging, soll kein Problem sein. "Wir haben einen Lauf und haben nicht vor, den zu unterbrechen", merkte Torhüter Christian Früchtl an.

In Klagenfurt war trotz Ilzers zuletzt geäußerter Bedenken bei Sturm kein Energie-Defizit festzustellen. Drei Tage nach dem kräftezehrenden 0:1 in der Europa League bei Atalanta Bergamo war bei den Grazern von Müdigkeit nicht die Rede. Laut Ilzer war der erste Sieg nach zuletzt zwei Meisterschafts-Niederlagen in Folge die Folge einer "souveränen, abgeklärten und reifen" Darbietung, der Coach zeigte sich vom Auftritt seiner Schützlinge sogar selbst überrascht. "Es war eine Leistung, die ich so eigentlich nicht erwartet hatte, denn die internationalen Spiele und der Cup haben uns schon Substanz gekostet. Aber die Truppe versteht es offenbar, alles herauszuholen."

Im Rennen um die Winterkrone spricht die um acht Treffer bessere Tordifferenz für Salzburg, doch die Auslosung für Sturm. Während es die Grazer noch mit Austria Lustenau (h), Blau-Weiß Linz (a), und Altach (h) zu tun bekommen, warten auf die "Bullen" Duelle mit Hartberg (h), dem WAC (h) und Rapid (a). In der ersten Liga-Runde im kommenden Jahr steigt dann Mitte Februar in Wals-Siezenheim das zweite Kräftemessen zwischen den beiden Titelrivalen. (APA; 13.11.2023)