Thierry Henry verlässt Ried als Verlierer.
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Ried im Innkreis - Österreichs U21-Fußball-Nationalteam hat sich im Kampf um ein EM-Ticket eindrucksvoll zurückgemeldet. Die ÖFB-Auswahl feierte am Freitagabend in der Innviertel Arena in Ried gegen den großen Quali-Gruppe-H-Favoriten Frankreich einen 2:0-Sieg und hält nach vier Partien als Dritter bei sieben Punkten. Der Rückstand auf die zuvor makellos gewesenen Franzosen und auch den Zweiten Slowenien konnte dank eines Doppelpacks von Paul Koller (25., 75.) auf zwei Zähler verkürzt werden.

Fortgesetzt wird die Qualifikation erst am 26. März 2024 mit einem Heimspiel gegen das sieglose Schlusslicht Zypern. Für die mit 16 Mannschaften ausgetragene Endrunde im Sommer 2025 qualifizieren sich die Sieger der neun Gruppen und die drei besten Gruppenzweiten. Die restlichen sechs Zweiten ermitteln in einem Play-off drei weitere EM-Teilnehmer. Der Erfolg gegen Frankreich war hochverdient, gleich viermal verhinderte das Aluminiumgehäuse weitere Tore. Zum Jahresabschluss geht es am Dienstag (18.00 Uhr/live ORF Sport +) noch in einem Testspiel in Ried gegen Nordmazedonien.

Chancenplus

Die Franzosen wirkten vor 2.655 Zuschauern nur in der Anfangsphase besser, ÖFB-Verteidiger Koller fing sich bereits nach eineinhalb Minuten bei einem taktischen Foul eine Gelbe Karte ein. Nach dem Ausfall des wohl schwer am Knie verletzten Johann Lepenant war von den Gästen aber nicht mehr viel zu sehen. Mit dem eingewechselten Salzburg-Spieler Lucas Gourna-Douath fehlten in der Offensive jegliche Ideen. Die Hausherren dominierten überraschend das Geschehen und erarbeiteten sich auch ein klares Schuss- sowie Chancenplus.

Guillaume Restes konnte einen Ballo-Abschluss mit einer Fußabwehr zunichte machen (21.). Nach dem verhängten Corner setzte der unbedrängte WAC-Offensivspieler einen Volley daneben. Ein weiterer Eckball führte kurze Zeit später zum Erfolg. Eine lange Hereingabe von Yusuf Demir brachte Leo Querfeld per Kopf wieder in die Mitte, und dort köpfelte Koller ein. Das 2:0 lag in der Luft, Christoph Lang traf die Latte, den Abstauber setzte Demir am quasi leeren Tor vorbei an die Außenstange (30.). Nur ein einziges Mal kam die von Ex-Stürmerstar Thierry Henry gecoachte Truppe gefährlich in den Strafraum, da zielte Elye Wahi am Tor vorbei (36.).

Lebenszeichen

Gleich nach Wiederbeginn bewahrte Nikolas Polster die Heimischen mit einer Fußabwehr im Duell mit Rayan Cherki vor dem Ausgleich (47.). Quasi im Gegenzug schoss Nikolas Veratschnig nach einem Konter drüber. Koller verpasste einen Kopfball-Doppelpack (59.). Noch gefährlicher wurde es in der 70. Minute, wo Manuel Polster mit einem Schuss aus extrem spitzen Winkel die Stange traf. Die vergebenen Möglichkeiten rächten sich aber nicht, da Koller neuerlich nach einer Standardsituation erfolgreich war. Diesmal nach Demir-Ecke und Ballo-Fallrückzieher infolge einer Abwehr von Restes mit dem Fuß aus kurzer Distanz.

Danach geriet der Erfolg nicht mehr in Gefahr. Bernhard Zimmermann traf sogar noch ein weiteres Mal die Stange (95.). Nach dem Test-1:2 gegen Norwegen und dem bitteren Quali-0:1 in Slowenien gab es ein richtig kräftiges Lebenszeichen.

Querfeld: "Kleines Fußballwunder"

Abwehrchef Querfeld sprach nach dem Coup von einem "kleinen Fußballwunder". Teamchef Werner Gregoritsch betonte: "Das U21-Team darf man nie abschreiben". Es freue ihn "unheimlich für meine Spieler, weil uns überhaupt niemand etwas zugetraut hat und sie nach der Slowenien-Partie schwer in der Kritik standen. Heute haben wir ein Statement gesetzt."

Gelungen ist das gegen ein Team, das auf www.transfermarkt.at einen Wert von mehr als 360 Millionen Euro hat, während Österreich bei knapp mehr als 20 Millionen liegt. Frankreichs Ex-Stürmerstar und jetziger U21-Teamchef Thierry Henry war nach Schlusspfiff so verärgert, dass er dem ORF kein Interview geben wollte. Gregoritsch hingegen war sichtlich gelöst. "Heute ist ein wunderschöner Tag. Ein Spiel, das die Spieler in ihrem Leben nie vergessen werden. Wir haben einen klaren Plan gehabt, haben in der Trainingswoche fokussiert daran gearbeitet. Was aber besonders wichtig war, dass wir von der ersten Minute daran geglaubt haben, dass da etwas möglich ist", fasste der Steirer zusammen.

Den Schwung gilt es ins Neue Jahr mitzunehmen. Die nächste Quali-Aufgabe steht erst am 26. März zu Hause gegen Schlusslicht Zypern an. Vier Tage zuvor tritt Slowenien daheim gegen Bosnien-Herzegowina an. Alle anderen Partien folgen erst im Herbst 2024. (APA; red, 17.11.2023)

Fußball-Ergebnisse der Qualifikation zur U21-EM-Endrunde vom Freitag - Gruppe H:

Österreich - Frankreich 2:0 (1:0)
Ried, Innviertel Arena, 2.655 Zuschauer. Tore: Koller (25., 75.)

Österreich: N. Polster - Estrada (59. Riegler), Querfeld, Koller - Veratschnig, Braunöder (93. Oswald), Sattlberger, M. Polster - Ballo (93. S. Seidl), Demir (82. Huskovic), Lang (82. Zimmermann)

Frankreich: Restes - Yoro, Ogochukwu, Lukeba - Sildillia, Doukoure (64. Akliouche), Lepenant (13. Gourna-Douath), Belocian - Wahi (63. Rutter), Cherki (80. Barcola), Kalimuendo (64. Tel)

Gelbe Karten: Koller, Sattlberger, Veratschnig, Gregoritsch (Teamchef) bzw. Yoro, Belocian