Das Mindset seiner Figuren beschreibt ganz gut eine Geschichte, die lapidar Och nö heißt und nur drei Seiten lang währt. Da geht René (28) mit seinem Listenhund spazieren, auf dem Kinderspielplatz, wo sonst? Kommt der Kevin auf seinem Rad vorbei – schlechtes Timing, ganz schlechtes. Der Hund verbeißt sich in das Kind, doch der betrunkene René nölt nur "Och nö". Das gibt wieder was.

Heinz Strunk, "Der gelbe Elefant". € 23,50 / 208 Seiten. Rowohlt, Hamburg 2023
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Der deutsche Bestsellerautor, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk hat heuer die Geschichtensammlung Der gelbe Elefant veröffentlicht. 30 Texte, von der Miniatur bis zur ansehnlich dimensionierten Short Story. Viele seiner Figuren taumeln wie ohnmächtig durch ihre Leben, geraten in Situationen, aus denen sie aufgrund ihrer Beschränktheit nicht schadlos rauskommen. Nicht verfügbare Kroketten beim Griechen, bei dem man im "Jogginganzug aufschlagen" kann, lassen den Abend eines Paares mit einer Urlaubsbekanntschaft kippen und zum Debakel geraten. Kleingeister am Rande des Nervenzusammenbruchs, zusammengehalten von ihren Gürteln, Fressgier und lieblosen Beziehungen.

Strunk (61), Brille und Akne, ist ein Meister solcher Psychogramme. Er formt sie über Nebensächlichkeiten wie den Umgang mit der Speisekarte und erschafft daraus Geschichten des heiteren Grauens. Und man kennt solche Figuren nicht nur, nein, man erkennt sich selbst anhand der niedergeschriebenen Gedanken über diese Wesen wieder.

Das ergibt eine Art Mittäterschaft seitens des Publikums, das sich an den Dilemmata des Unterdurchschnittlichen ergötzt. An Geizhälsen, sich selbst zu Tode bringenden Fitnessfreaks, an versoffenen Fans und den Textnachrichten, die sie an den "Lieben Heinz" übermitteln.

Während seine Romane sehr wohl Zärtlichkeiten für seine Figuren zeigen, spart Strunk sie in diesen Storys eher aus. Das lässt einige hart wirken, andere witzig, viele sind beides. Vorausgesetzt, man liest gern von ramponierten Seelen mit dünnen Bärten und dicken Bäuchen. Unhappy Ends gibt's gratis dazu. (Karl Fluch, 5.12.2023)