Die Seebühne ist komplett überdacht, bei Wind können auch noch Seitenplanen angebracht werden.
Wolf Betriebs-gGmbH

Bregenz hat eine, Mörbisch ebenso, und nun bekommt auch das Salzkammergut eine eigene Seebühne. Im Frühjahr wird sie am Ufer des Ferienhorts, der im St. Gilgener Ortsteil Ried vor der Kulisse der Falkensteinwand am Wolfgangsee steht, aufgebaut. Zur Einweihung der neuen Seebühne wird im Mai und Juni das Musiktheaterstück Wolf uraufgeführt.

Das Libretto von Wolf – das Mystical stammt von Schriftsteller und Bachmannpreis-Träger Franzobel, der das Stück als "die österreichische Antwort auf Jesus Christ Superstar, die Mythologie Wagners und eine Spur Monty Python" bezeichnet. Die Musik hat der Südtiroler Gerd Hermann Ortler komponiert. "Das Mystical ist das verwegene Ansinnen, eine neue Form des Musiktheaters zu etablieren", stapelt der Komponist nicht gerade tief. "Franzobel lieferte einen großartigen Text, der mich sofort inspiriert hat", sagt Ortler. Auf der Bühne werden 18 Darstellerinnen und Darsteller stehen, das 13-köpfige Orchester aus Bläsern und Streichern wird um eine Rockband ergänzt und auf einer Orchesterkanzel Platz nehmen.

Wolf(gang) reizte den Teufel

Das Singspiel dreht sich um Mythen, die sich um den Heiligen Wolfgang ranken. So soll sich der Bischof von Regensburg im Jahr 976 eine Auszeit im Kloster Mondsee genommen haben. Er suchte die Einsamkeit und zog sich in die Berge am Abersee, dem alten Namen des Wolfgangsees, zurück. Am Felsen des Falkensteins soll er eine Axt geworfen haben, um den richtigen Ort für den Bau einer Kirche zu finden. Der Legende nach landete die Hacke erst fünf Kilometer weiter am Seeufer, wo später St. Wolfgang entstand. Allein sei der Bau der Kirche jedoch nicht zu schaffen gewesen, weshalb der Bischof einen Pakt mit dem Teufel einging. Die Bedingung war, dass die erste Seele, die die Kirche betrete, ihm gehören sollte. Am Tag vor der Fertigstellung trieb Wolfgang einen Wolf hinein in das Gotteshaus. Vor lauter Wut zerriss der Teufel das Tier in der Luft.

Autor Franzobel (links) schreibt das Libretto für dasStück "Wolf" und Komponist Gerd Hermann Ortler die Musik.
IMAGO/Rudi Gigler

Diesen skurrilen Stoff wird es ab 23. Mai am Wolfgangsee zu sehen geben. Es solle aber nicht nur die märchenhafte Heiligengeschichte erzählt werden, sondern auch die Verbindung ins Heute geschafft werden, sagte Franzobel bei der Präsentation. In den zwei Monaten Spielzeit werden 8000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Nach der letzten Aufführung am 22. Juni wird die Bühne wieder abgebaut, in Container gepackt und in den Bauhöfen der Gemeinden verstaut.

Das mobile, temporäre und modulare Theaterhaus wurde von Architekt Eduard Neversal entworfen. Bühne samt Zuschauerraum messen 26 mal 40 Meter, mit einem Bühnenfenster von 12 mal 18 Meter. Insgesamt finden 800 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. Die gesamte Spielstätte ist überdacht, somit sind die Aufführungen auch wetterunabhängig. "Für den Wind wird es auch Seitenplanen geben", versichert der Architekt.

Attraktion für Vorsaison

Der Grundgedanke bei der Bühne sei, sie nicht nur für den Wolfgangsee zu verwenden, sondern auch an anderen Ufern im Salzkammergut aufstellen zu können. "Wir können an jede Topografie auf jeden See gehen", betont Neversal. Die Bühnenelemente können auch auf andere Veranstaltungen angepasst werden. Am Wolfgangsee ist das neue Angebot des Musicals als Tourismusattraktion geplant, die auch in der Vorsaison bereits Gäste ins Salzkammergut locken soll.

Betreiber der neuen Salzkammergut-Seebühne ist die eigens gegründete Wolfgang Betriebs GmbH, die Christian Meyer als kaufmännischer und Neversal als künstlerischer Geschäftsführer leiten. 2,65 Millionen Euro werden in die Bühne und das Musiktheater gesteckt. Je 500.000 Euro bezahlen die beiden Länder Oberösterreich und Salzburg. Weitere Förderungen kommen von den Wolfgangsee-Gemeinden, der Kirche, vom Wolfgangsee-Tourismus sowie Sponsoren und Karteneinnahmen.

Mit dem Schiff zur Vorstellung

Der Vorverkauf ist bereits gestartet, Tickets sind ab 42 Euro erhältlich. Die Besucherinnen und Besucher werden mit Schiffen der Wolfgangsee-Flotte aus den Seegemeinden an den Spielort gebracht. Der Fahrpreis ist im Ticketpreis inkludiert.

Anlass für den Bau und die Realisierung der Seebühne ist das Jubiläum 1100 Jahre Heiliger Wolfgang, das noch hinzukommt in den ohnehin sehr dichten Kultur- beziehungsweise Tourismuskalender im kommenden Jahr. Denn Oberösterreich feiert auch 200 Jahre Anton Bruckner – und Bad Ischl ist gemeinsam mit dem Salzkammergut 2024 Europäische Kulturhauptstadt. Nun ist das von Touristinnen und Touristen sowieso gut besuchte Salzkammergut um eine Attraktion reicher. (Stefanie Ruep, 27.11.2023)