Die Lufthansa Group, zu der unter anderem auch Austrian Airlines gehört, macht ab Anfang kommenden Jahres Ernst und krempelt ihr Vielfliegerprogramm Miles & More um: Meilensammeln war einmal, jetzt geht es um Punkte. Angekündigt wurde das bereits vor rund einem Jahr.

Na und?, werden sich da manche fragen. Ist doch egal, ob ich Meilen oder Punkte sammle. Nur so einfach war die Sache anscheinend nicht, denn für viele, die sich nicht intensiv mit der Materie befasst hatten, war nicht immer nachvollziehbar, wie das Belohnungssystem funktioniert. Oder was genau der Unterschied zwischen Prämienmeilen und Statusmeilen ist. Die Sache war, salopp formuliert, etwas intransparent.

Eigentlich wollte die Lufthansa-Gruppe ihr Vielfliegerprogramm schon Anfang 2021 neu aufstellen. Doch dann kam die Pandemie dazwischen. Anfang 2024 ist es jetzt soweit. Die Neuerungen versprechen eine bessere Transparenz.
Eigentlich wollte die Lufthansa-Gruppe ihr Vielfliegerprogramm schon Anfang 2021 neu aufstellen. Doch dann kam die Pandemie. Anfang 2024 ist es jetzt so weit. Die Neuerungen versprechen eine bessere Transparenz.
REUTERS/BENOIT TESSIER

Vor allem, was den zu erlangenden Status anbelangte. Bei Miles & More sind das die Stufen Frequent Traveller, Senator und Hon Circle. Mit Statusmeilen, die aktuell aus einer Kombination von Buchungsklasse und Flugdistanz berechnet werden, konnte man seinen Status innerhalb eines Vielfliegerprogramms "verdienen". Sie sind nicht mit Prämienmeilen zu verwechseln. "Wie man einen Status mittels Statusmeilen erlangt, war nicht für jeden immer gut nachvollziehbar und transparent", räumt eine Sprecherin des mit 36 Millionen Mitgliedern größten Vielfliegerprogramms Europas gegenüber der Schweizer Tageszeitung "Blick" ein.

Simplere Logik

Das will man nun ändern: "Sie sehen zukünftig auf einen Blick, was nötig ist, um einen Status zu erreichen, und langjährige Loyalität wird besonders belohnt", heißt es jetzt auf der Miles-&-More-Website. Deshalb gibt es künftig ausschließlich "Punkte" anstelle der unterschiedlichen Meilenarten. Die heißen dann Points, Qualifying Points und Hon Circle Points. Sie werden basierend auf einer simpleren Logik vergeben, wie es heißt. Wie viele Points bei einem Flug gesammelt werden, wird nur noch von zwei Kriterien abhängen: von der Reiseklasse und ob es sich um einen kontinentalen oder interkontinentalen Flug handelt. Points können, wie bisher Statusmeilen, bei allen Airlines gesammelt werden. Um im neuen Programm einen Vielfliegerstatus zu erreichen, muss man aber mindestens zur Hälfte mit Airlines der Lufthansa-Gruppe unterwegs sein.

Bei Erreichen der nötigen Points erhalten Mitglieder für mindestens ein Jahr (statt bisher für zwei Jahre) den entsprechenden Status, der mit gewissen Prämien und Vorzügen einhergeht. Zum Beispiel Lounge-Zugang oder privilegiertes Check-in. Nicht angetastet wird die Vergabe der Miles-&-More-Prämienmeilen. Ein Beispiel: Mit 650 Points und 325 Qualifying Points in einem Kalenderjahr erhält man den Frequent-Traveller-Status und mit 2000 Points und 1000 Qualifying Points den Senator Status.

Gewinner und Verlierer

Das neue System sei transparenter und einfacher, meint Alexander Koenig. Der Gründer der Vielfliegerberatung First Class & More hält in seiner Kolumne im Fachmagazin "Aerotelegraph" fest, dass die Umstellung Vor- und Nachteile mit sich bringe: "Gewinner sind hier primär Kunden mit günstigen Tickets, die viel fliegen, während es für Kunden auf relativ für die Reiseklasse gesehen teureren Tickets schwieriger wird, sich für einen Status zu qualifizieren. Die Reduzierung der Statusgültigkeit auf ein Jahr trifft alle Kundengruppen, aber benachteiligt insbesondere Reisende mit einem weniger konstanten Flugprofil."

Zu den klaren Gewinnern zählt er unter anderem Vielflieger: Im alten System sei es für Kunden, die jede Woche in den günstigsten Economy-Tarifen zum Beispiel in Deutschland hin- und hergeflogen sind, nicht möglich gewesen, einen Senator-Status zu erreichen. "In Zukunft reichen zum Beispiel 100 günstigste Flugsegmente im Jahr mit Lufthansa-Group-Airlines, um Senator zu werden", schreibt er. Auch Economy-Class-Reisende würden zu den Gewinnern zählen. Die hätten im alten System kaum eine Chance gehabt, auf die notwendige Meilenausbeute zu kommen. "Mit den Änderungen ab 2024 benötigt man zwar weiterhin recht viele Economy-Class-Flüge zur Statusqualifikation, doch auch hier wird die Qualifikation relativ gesehen einfacher", meint Koenig.

Einfach und transparent – das neue Statusprogramm ab 2024
Miles & More

Verlierer seien unter anderem Premium-Economy-Class-Reisende: Bisher konnte man mit einem Premium-Economy-Class-Ticket recht einfach Statusmeilen sammeln. Denn selbst die günstigsten Tickets hätten dieselbe Meilenausbeute gebracht wie das günstigste Business-Class-Ticket, rechnet der Experte vor. "Mit dem neuen System wird sich dies ändern. Ab dann sammeln Reisende der Premium Economy nur noch ein Drittel mehr Statuspunkte als ein günstiges Economy-Ticket." Weniger gut kommen demnach auch Geschäftsreisende weg, die den Vollpreis für ihr Business-Class-Ticket zahlen. Eine klare Verschlechterung stelle das neue System für Mitglieder dar, die überwiegend auf Partner-Airlines wie United oder Turkish Airlines fliegen, da man jetzt wie beschrieben 50 Prozent der erforderlichen Punkte mit Airlines der Lufthansa-Gruppe sammeln muss.

Andere Experten sehen in den Neuerungen jedenfalls keinen großen Wurf. Andere Airlines wie British Airways oder Air France-KLM arbeiten längst mit Statuspunkten. Innerhalb des Airline-Verbundes Star Alliance, zu dem die Lufthansa-Gruppe gehört, sei die Status-Erreichung bei Miles & More zudem die unattraktivste. (max, 28.11.2023)