Die Politikwissenschafterin Partheymüller analysierte bei Stefan Lenglinger in der
Die Politikwissenschafterin Julia Partheymüller analysierte bei Stefan Lenglinger in der "ZiB 3" im ORF.
Screenshot ORF

Das Vertrauen in die Politik steigt unter der österreichischen Gesamtbevölkerung leicht, ergab eine Umfrage des Sora-Instituts. 39 Prozent der Befragten sind demnach davon überzeugt, dass das politische System gut funktioniert. Das sind ganze fünf Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr, das einen Tiefststand markierte. Darin eine Trendwende zu erkennen, sei eindeutig zu früh, sagte die Politikwissenschafterin Julia Partheymüller Dienstagnacht in der "ZiB 3". Die Talsohle sei "noch nicht durchschritten", sagte sie und zeichnete ein anschauliches Bild der Lage: "Wenn Sie von einem hohen Berg runtergekommen sind und über einen Maulwurfshügel drübersteigen, kann man ja auch noch nicht von einem Anstieg sprechen." Fakt ist, so Partheymüller: "Wir sind im Tal."

19 Prozent wünschen sich einen "starken Führer"

Und wie. Noch immer wünschen sich laut Umfrage 19 Prozent der Befragten einen "starken Führer, der sich nicht um Wahlen und Parlament kümmern muss." Speziell unter Menschen, die nicht so viel verdienen, ist die Zufriedenheit mit der Politik offenbar besonders niedrig. Ganz besonders unzufrieden sind Jugendliche mit der Politik.

Warum nur? In der "ZiB 3" wurden Krisen als Ursache angeführt, von denen junge Menschen besonders betroffen seien. Teuerung und die allgemeine Stimmung, dass die Politik durch Reiche und Mächtige beherrscht würde, seien allgemein für die Unzufriedenheit mit der Politik verantwortlich, sagte Patheymüller. Skandale und die Beschäftigung der Politik mit sich selbst taugen nicht als vertrauensbildende Maßnahmen.

"ZIB 3": Politikwissenschaftlerin zu Demokratie-Skepsis
ORF

Was kann man tun? Darum ging es in dem Gespräch nur am Rande. Die Empfehlung der Politikwissenschafterin, man müsse auf die Entwicklung "ein Auge haben, damit man nicht eine Generation Krise" bekomme, ist im Ansatz richtig, bleibt aber zu allgemein und deshalb wenig verbindlich. Das Auge allein wird nicht reichen, um Politikmüdigkeit zu vertreiben. Investitionen ins Bildungssystem, die nun dringend notwendig wären – Beispiel: mehr politische Bildung in Schulen –, werden seit Jahren gefordert. Darüber müsste man reden. Viel. (Doris Priesching, 29.11.2023)