Obwohl generell größer und 13 Zentimeter länger als der #1, kommt im #3 weitgehend dasselbe Technikpaket zum Einsatz wie dort. Die knallige Version zeigt das Brabus-Topmodell, mit Allradantrieb.
Foto: Smart Europe

In der Autowelt ist Umstrukturieren angesagt, und bei kaum einer Marke trifft das eher zu als bei Smart. Seit 2019 ist die Marke zur Hälfte im Besitz von Geely, und seitdem wurden zwei neue Autos entwickelt, Hashtag eins und drei, die wir bald in Österreich begrüßen dürfen und deren Ähnlichkeit mit dem klassischen Smart Fortwo vergebens gesucht wird.

Wie schon die Nummer eins, baut die Raute drei auf Geelys SEA-Plattform, ähnlich dem Volvo EX30, der uns auch bald beglücken wird. Ja, es kommen gute Zeiten auf uns zu, wenn man auf kleine Stadt-EVs steht, vorausgesetzt, es stört einen nicht, dass die Definition von "klein" starker Inflation ausgesetzt wurde.

Der Innenraum vermittelt vorne Kokon-Gefühl und heißt einen willkommen in der digitalen Welt – so verspielt, wie speziell das chinesische Publikum das gerne hat. Das Maskottchen ist hier ein Gepard.
Foto: Smart Europe

Verglichen mit dem #1 liegt er niedriger und hat eine geringere Stirnfläche, was die Verbesserung der Reichweite erklärt. Er ist auch 13 Zentimeter in der Länge gewachsen, aber was ist schon eine Handbreite unter Freunden? Dafür gibt’s 50 Liter extra im Kofferraum und eine etwas gewöhnlichere Silhouette, wohl oder übel. Zugang dazu verschafft man sich über die Heckklappe, die sich öffnet, wenn man beim Schriftzug "smart" den Finger in die Punze vom "a" drückt, so nennen Typografen die Buchstabenlöcher.

Hier noch mal der Arbeitsplatz im Brabus – das Panoramaglasdach bewirkt ein angenehm luftiges Raumgefühl.
Foto: Smart Europe

Auch die Trims und deren Motorisierungen sind großteils die gleichen geblieben, mit einer Einstiegsversion namens Pro, die mit einer kleineren Batterie auf einen Verkaufspreis von 37.300 Euro kommt, einen Blauen mehr als das Pendant vom #1. Mit den 49 Kilowattstunden kommt man auf 325 Kilometer und das recht flott dank des 200-kW-Heckantriebs. Beheizte Sitze und 360-Grad-Kamera sind auch standardmäßig dabei.

Die Heckansicht setzt die Formensprache konsequent fort. Mit 4,40 m Länge ist dies dann übrigens der größte Smart aller Zeiten.
Foto: Smart Europe

Die Pro+-Version für 45.300 Euro hat dann schon die größere 66-kWh-Batterie, die auch in den anderen Modellen verbaut wird. Damit sind wir schon auf 435 km Reichweite. Dazu kommt noch der Selbstfahrassistent, Codename: Smartpilot. Guter Name, gutes System, jedoch nicht hervorragend. Innerstädtisch kaum zu gebrauchen, aber ich schätze, deswegen gibt’s ihn erst ab Überlandtrim. Man fühlt sich mäßig wohl, aber engere Autobahnkurven treiben ihn immer weiter nach außen. Dafür hat das Lenkrad einen Touchsensor, das heißt, es wird nicht von einem erwartet, alle paar Sekunden am Lenkrad zu rütteln.

25 Jahre Smart

Weiter geht’s mit Premium und der limitierten Jubiläumsedition, die mehr oder weniger ident sind. Auf der 25-Jahre-Anniversary-Edition steht Anniversary Edition drauf, kostet 500 mehr. Auf der technischen Seite holen hochwertige Mosfet-Wechselrichter und eine Wärmepumpe noch 20 weitere Kilometer aus der Batterie. Endlich (weil ab dieser Ausstattungslinie) macht mein heißgeliebtes HUD sein Debüt, das Soundsystem kriegt ein Upgrade, und der Parkassistent ist nett, aber nicht unbedingt notwendig.

370 bis 1160 Liter fasst der Kofferraum, vorne der Frunk bietet noch zusätzliche 15.
Foto: Smart Europe

Und zu guter Letzt der Brabus. Der geht mit der Reichweite 20 km in die andere Richtung und hat nur 415. Hauptsächlich, weil der Heckmotor noch einen 115-kW-Kollegen an der Vorderachse bekommen hat, mit dem eine Gesamtleistung von 315 kW zustande kommt. Das ist ein bisschen mehr als der originale Countach, bevor Lamborghini ihm den Turbo verpasst hat. Der Smart wiegt allerdings um die 300 Kilo mehr.

Und auch wenn er sich nicht fährt wie ein Sportwagen, macht es schon Spaß, ihn durch die mallorquinischen Berge zu jagen, mit erheblichem Geschwindigkeitsverlust in den Kurven natürlich. Sobald es aber wieder geradeaus geht, macht er diese Verzögerungen schnell wett. Besonders im Brabus-Modus ist die Gasannahme (Stromannahme?) sehr empfindlich ausgefallen, was zu einer ruckeligen Fahrt führt. Mein Fahrstil wurde bezichtigt, Übelkeit zu erregen.

Ang’steckt is: Der Smart #3 Brabus hat eine maximale Ladeleistung von 150 kW, die 10-80-Ladung erfolgt in einer halben Stunde. Kaffee langsam trinken!
Foto: Smart Europe

Aber smart ist ja eher eine Lifestyle-Marke als Rennwagenhersteller, und da gibt es ein bisschen was zu bemängeln. Die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig; sehr touchlastig, und bei den Knöpfen am Lenkrad verdrückt man sich leicht. Hier hatte Schönheit wohl Priorität, und das sieht man auch in der Software. Das Hauptmenü großteils mit Artwork zu füllen war eine mutige Entscheidung, und das Maskottchen, das sich am Rande präsentiert, jetzt ein Gepard statt des Fuchses, ist ein kleiner Trost, wenn ich einfach nur die Landkarte sehen will. Dass man unabhängig von der Geschwindigkeitsbegrenzung angepiepst wird, jedes Mal, wenn man 80 km/h überschreitet, war auch nicht nötig.

Sonst ist eigentlich alles tippi-top, Stauraum gibt’s ohne Ende, und die Qualität fühlt sich Mercedes genug an. Außerdem kommen alle Hashtags mit einem Panoramadach, das besonders in kleineren Fahrzeugen ein viel besseres Raumgefühl schafft.

Zu den Plänen und Erwartungen in unserem Lande habe ich dann anlässlich der Fahrpräsentation Österreich-Geschäftsführerin Sarah Lamboj noch ein paar Fragen gestellt. Wie viele #1 bisher verkauft wurden und wie es mit der Verfügbarkeit aussieht zum Beispiel. Lamboj: "Der Verkauf des #1 startet im Dezember, die ersten Auslieferungen werden noch in diesem Jahr erfolgen. Wir greifen dabei auf ein europäisches Lager zurück, wodurch wir eine gute Verfügbarkeit und schnelle Lieferung gewährleisten können." Und das Händlernetz respektive dessen Ausbau? "In Österreich haben wir neun Vertriebspartner, einen in jedem Bundesland. Wir werden nach dem Marktstart den Bedarf eines Ausbaues des Vertriebsnetzes regelmäßig evaluieren."

Smart-Österreich-Geschäftsführerin Sarah Lamboj (vor dem #1) sieht großes Absatzpotenzial in beiden #-Smarts.
Foto: Smart Europe / Felix Schilhan

#1 und #3 kann man ja online oder klassisch beim Händler kaufen. Erwartungshaltung zum Kaufverhalten? "Das können wir noch nicht sagen. Mit unserem Online-Vertriebsmodell gehen wir absolut mit der Zeit – gleichzeitig ist uns wichtig, dass sich alle Interessierten und Smart-Kunden und -Kundinnen auch persönlich vor Ort beraten lassen können. Wir gehen davon aus, dass sich Kunden im Kaufprozess auf beiden Ebenen bewegen werden."

Auch bei den Absatzerwartungen bei #3 im kommenden Jahr mag Lamboj sich noch nicht richtig festlegen: "Das positive Feedback rund um den #3 untermauert unsere Erwartung, dass er in Österreich großen Anklang finden wird."

Nur zur Erinnerung: Von da kommt Smart her. EQ Fortwo Cabrio, wird nächstes Jahr eingestellt. Mit 2,70 m Länge von erlesener Stadttauglichkeit. Der erste Smart von 1998 hatte überhaupt das Mikrogardemaß 1,5 mal 1,5 mal 2,5 Meter.
Foto: Mercedes-Benz AG

Zurück zum Fahrzeug. Alles in allem mag ich den Smart #3, ich bin mir nur nicht sicher, ob ich mag, was er für die Marke repräsentiert. Smart war schon immer der Fortwo, klar gab’s ein paar Ausreißer mit dem Roadster und dem Forfour, aber der ganze Sinn der Firma war es, winzige Stadtautos zu bauen. Der #3 wiegt zweieinhalbmal so viel wie der erste Smart, und das Ende des EQ Fortwo wurde schon für nächstes Jahr angekündigt. Der #3 ist echt ein toller Kompakt-SUV. Aber nur einer von vielen.