Clemens Trischler wollte schon als Knabe reich und berühmt und schön sein. Das betont er gerne – sei es in einem Interview mit der "Krone" oder in Wortspenden bei den "Seitenblicken" oder bei "Heinzl und die VIPs". In diesen Sendungen taucht der Inhaber einer Full-Service-Agentur (Public Relations, Künstlermanagement, Events und Marketing) immer wieder auf. Nach österreichischen Maßstäben hat er damit zumindest eine seiner drei Kinderwunschziele erreicht, Status: Society-Darling. Meist erscheint er in genannten TV-Formaten als Beiwagerl von Gerda Rogers. Die bekannteste Astrologin Österreichs scheint Trischler als ihren Ziehsohn adoptiert zu haben.

Der Autor und der Michael Ludwig vor dem Lieblingsplatz des Bürgermeisters: dem Rathaus.
Der Autor und Michael Ludwig vor dem Lieblingsplatz des Bürgermeisters: dem Rathaus.
Monika Fellner

Vor kurzem präsentierte er sein neuestes Werk "I love Vienna – Die 111 Lieblingsplätze der Stars". Darin versammelt sind jene Orte, an denen sich prominente, mindestens aber bekannte TV-Gesichter in Wien gerne aufhalten. Oder wenigstens sagen, dass sie sich dort gerne aufhalten. Trischler könne sehr lästig sein, gab einer dieser Promis auf die Frage zu Protokoll, warum sie bei diesem Projekt mitgemacht habe. Der Autor selbst gibt an, dass er locker drei Bände hätte füllen können.

Gerda Rogers, Clemens Trischler und Klaudia Tanner bei der Buchpräsentation.
Gerda Rogers, Clemens Trischler und Ministerin Klaudia Tanner bei der Buchpräsentation.
Jürgen Hammerschmid

Frau Rogers (Lieblingsplatz: Stock-im-Eisen im ersten Bezirk) jedenfalls dürfte er nicht lange haben bitten müssen. Sie lieferte, was sie am besten kann: ein Horoskop. So erfährt man, dass Wien eine Waage-Stadt sei. Sie macht dies an dem urkundlich festgehaltenen Geburtstag der Stadt fest, dem 18. Oktober 1221, dem Tag, als Wien das Stadtrecht verliehen wurde. Damit lasse sich einiges erklären. Denn was diese Stadt zu bieten habe und wofür sie in aller Welt gerühmt werde, sei aus astrologischer Sicht kein Zufall, schreibe die Astrologie diese Eigenschaften doch auch dem Sternzeichen Waage zu: Bequemlichkeit, Schönheitssinn, Harmoniebedürfnis ... "Für mich ist es kein Wunder, dass Wien in den letzten Jahren immer wieder als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet wurde", bekundet sie.

Originell unoriginell

Herausgekommen ist neben diesem Abstecher in die etwas unscharfe "Wissenschaft" der Astrologie letztendlich ein 130 Seiten umfassendes Büchlein mit großen Porträtfotos und ein bisserl Text. Persönlichkeiten aus allen möglichen Bereichen – von A wie Mariella Ahrens bis Z wie Marie-Claire Zimmermann – lassen sich zu ihren bevorzugten Stadtorten zitieren. Das ist manchmal interessant, manchmal eher unoriginell. So wie die Auswahl des jeweiligen Lieblingsplatzes. Etwa wenn Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ihren Arbeitsplatz, die Rossauer Kaserne, ganz toll findet. Oder Bürgermeister Michael Ludwig das Rathaus. Oder Rapid-Präsident Alexander Wrabetz das Allianz-Stadion. Dass man Herrn und Frau Rosam im Edelitaliener Fabios antreffen kann, ist ebenso naheliegend wie das, was man schon immer vermutet hat: Richard Lugner ist gerne in der nach ihm benannten City. Und wer hätte gedacht, dass Dompfarrer Toni Faber den Stephansdom als seinen Lieblingsort kürt?

Clemens Trischler und Lilian Klebow vor dem Kraftwerk Freudenau, dem Lieblingsplatz der Schauspielerin.
Clemens Trischler und Lilian Klebow vor dem Kraftwerk Freudenau, dem Lieblingsplatz der Schauspielerin.
Monika Fellner

Irgendwie originell ist, dass sich Alfons Haider gerne in einem Fitnessstudio aufhält. Namentlich im John Harris im DC Tower, wo er sich "immer wie zu Hause" fühle. Im John Harris am Schillerplatz im ersten Bezirk wiederum kann es gut sein, dass man Arabella Kiesbauer über den Weg läuft.

Chmelar fehlen die Worte

Exotisch wirkt da hingegen der Lieblingsplatz von Lilian Klebow: Sie zieht es immer wieder ans Kraftwerk Freudenau im zweiten Bezirk. Den Erste-Campus im zehnten Bezirk haben vermutlich auch nicht viele auf dem Radar. Moderatorin Nina Kraft hält sich dort jedenfalls gerne auf, wegen des "multikulturellen Vibes". ORF-Moderator Tarek Leitner wiederum lobt die "urbanste Dorfstraße, die es gibt", die Neubaugasse im siebenten Bezirk. Reisebuchautor Michael Schottenberg hat sich die Liliputbahn im Prater ausgesucht. Wo sich Clemens Trischler gerne herumtreibt, das verrät er leider nicht. Vermutlich dort, wo auch die anderen Reichen und Schönen und Prominenten sind.

Würden Sie dieses Buch kaufen? Eine Frage, die Dominik Heinzl auch Dieter Chmelar bei der Präsentation des Werks stellte. Chmelar (Lieblingsplatz: Wilhelminenberg, 16. Bezirk), sonst um keine Wortspende vor der Kamera verlegen, konnte darauf keine Antwort geben. (max, 30.11.2023)