„Vor mehr als 100 Jahren war dies ein Mieder- und Korsagengeschäft, die Pulte und die Regale sind alle noch original. Dann wurde es in zwei Lokale geteilt, in diesem hier zog ein Handschuhgeschäft ein. Die vielen Schachteln, in denen die Handschuhe lagern, ließ meine Mutter dann vor 40 Jahren anfertigen, als sie das Geschäft übernommen hat. Die waren damals schon teuer mit den Messingbeschlägen.

Insgesamt sind es über 200 Schachteln – das ist mein kleines Memory, zu wissen, was ist in jeder Schachtel ist, aber natürlich gibt es ein System. Es gibt zum Beispiel Strickhandschuhe, Autohandschuhe, mit Lammfell gefütterte und ungefütterte. Aber auch Satinhandschuhe für Bälle und Galaempfänge – die waren in der Corona-Zeit nicht verkäuflich. Umso schöner, dass die Tanzschulen nun auch wieder geöffnet haben und die Jungdamen und -herren kommen, um für die Balleröffnung einzukaufen. Wir haben aber auch Kundinnen, die anlässlich der Feiern des Kaisergeburtstags in Bad Ischl bei uns Spitzenhandschuhe passend zu ihren selbstgenähten Kleidern erwerben.

Eine Frau steht vor Schachteln mit Handschuhen.
Gabriele Budweiser in ihrem Handschuhgeschäft am Neubau.
Foto: Petra Eder

Entscheidungen

Dass ich das Geschäft hier führe, war absolut nicht geplant. Als ich 40 Jahre alt war, starb mein Freund, und dann war da ein großes Loch. Ich ging den Jakobsweg und blieb dann vorerst in Spanien, um danach eine Zeitlang in Österreich in der Gastronomie zu arbeiten. Dann musste sich meine Mutter mehreren Operationen unterziehen, und ich sprang für sie ein. Nach drei Jahren dachte ich: 'Wie komme ich aus dieser Nummer raus?', während meine Mutter fragte: 'Na, kannst du es dir denn nicht vorstellen?' Ich meinte: 'Mama, ich will nicht wie du mit Lungenentzündung im Geschäft stehen müssen. Und ich kann nie wieder Ski fahren gehen, denn im Winter ist nun einmal Hauptsaison im Handschuhgeschäft.'

Diese Zeit war für mich emotional sehr anstrengend, ich war auch wütend, weil ich mich als Tochter verpflichtet fühlte, statt mein eigenes Leben zu führen. Nach fünf Jahren wachte ich auf und dachte: 'Es wäre so schade darum. Zusperren kann ich noch immer.' Außerdem hatte meine Mutter ja immer brav nachbestellt, die Ware ging also nicht aus. 2016 löste ich dann den Gewerbeschein, und meine Mutter zog sich bald zurück. Seitdem bin ich ein Ein-Frau-Betrieb, nur in der Vorweihnachtszeit habe ich Unterstützung, und im Frühling sperre ich am Montag zu, weil irgendwann muss ich auch Arzttermine usw. erledigen. Dafür haben nicht alle Kundinnen Verständnis, meist jene, die in Pension sind und zeitlich flexibel wären. Doch zu mir kommen Leute jeden Alters und vor allem auch immer mehr junge Leute.

Handschuhe gibt es in vielerlei Ledersorten und -farben.
Foto: Petra Eder

Mit der Tatsache, dass ich Handschuhe aus Leder verkaufe, habe ich länger gehadert, schließlich bin ich seit 30 Jahren Vegetarierin. Aber solange Fleisch gegessen wird, bleibt Leder übrig. Es ist mir allerdings sehr wichtig zu wissen, wie gegerbt und gefertigt wird. Ein Teil unserer eigenen Handschuhe wird in Ungarn bei einem Familienbetrieb produziert, mit dem wir seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Wir kennen uns schon so lange und haben unsere privaten Höhen und Tiefen miterlebt. Die Etiketten lasse ich in einer Weberei im 14. Bezirk fertigen und schicke sie dann zum Einnähen nach Ungarn oder Portugal, wo ich ebenfalls einen Familienbetrieb als Lieferanten habe. Ich habe auch vegane Handschuhe im Sortiment, aber die Nachfrage ist nicht so groß, obwohl wir hier im 7. Bezirk sind. Doch sie wärmen einfach nicht so gut.

Aber ich verkaufe ja nicht nur Handschuhe, sondern auch qualitativ hochwertige Regenschirme, die man reparieren lassen kann, Hauben sowie Spazierstöcke. Hosenträger sind ebenfalls ein großes Thema, ich habe welche von einer Waldviertler Traditionsfirma und von einem deutschen Unternehmen. Die sind gerade für Hochzeiten sehr gefragt und ich arbeite auch mit einem Betrieb aus dem Grätzel zusammen, mit dem Maßanzugproduzenten Rotknopf, der seine Bräutigame dann zu mir schickt. Und irgendwann kam mir die Idee, dass ich Socken ins Sortiment aufnehme. Sie sind ein Ganzjahresprodukt, das funktioniert sehr gut.

Hosenträger, Hauben
Hosenträger sind nach wie vor gefragt.
Foto: Petra Eder

War es früher besser?

Ob es früher besser war? Nun, es war anders. Handschuhe waren ein schickliches Accessoire, ohne das man nicht aus dem Haus ging. Es war die "goldene Handschuhzeit" und es gab viele Produzenten. Man merkt einfach, dass insgesamt kontinuierlich etwas an Qualität wegbricht – dieses hauchdünne Nappaleder, das gibt es nicht mehr. In der Produktion sparen die Betriebe, man spaltet das Leder einfach zweimal weniger und denkt, das fällt nicht auf. Österreichische Hersteller gibt es kaum mehr. Sobald jemand in Pension geht, findet sich kein Nachfolger und damit fällt wieder jemand weg. Vor kurzem betraf das eine Strickerei in der Steiermark, die Wollhandschuhe fertigte.

Diese Entwicklung merke ich natürlich, wenn es um das Thema Service geht. Meine Mutter hatte noch eine Handschuhmacherin angestellt, die die Handschuhe reparierte – das kann ich nicht mehr anbieten. Zum Glück arbeite ich mit einem wunderbaren Lederschneider zusammen, dort kann ich Handschuhe nachfüttern lassen. Solche Dinge erledige ich in der Mittagspause: Ich gehe mit meinem Hund Lily Gassi und bringe Sachen zum Schneider oder Schuster.

Einen Onlineshop habe ich bewusst nicht, das würde ich nicht zusätzlich schaffen. Ja, es gibt Leute, die probieren und ein Foto machen und nach der Artikelnummer fragen. Da weiß ich schon, in welche Richtung es geht. Aber ich tröste mich dann, dass in diesem Fall nichts zurückgeschickt wird, weil die Person die Handschuhe schon probiert hat, quasi mein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Was sich jedenfalls geändert hat, ist die Handschlagqualität, was die Produzenten angeht. Früher bestellte man, prüfte die Ware und zahlte dann. Jetzt muss ich ein hohes Akonto zahlen und warte dann womöglich trotzdem bis Dezember auf die Ware. Letztes Jahr arbeitete ich drei Tage vor Weihnachten bis drei Uhr nachts die Handschuhlieferung einer deutschen Strickerei auf, weil ich wusste, dass in der Früh die Kundschaft wartet.

Aber die Arbeit macht mir nach wie vor so viel Spaß, wir haben einfach so liebe Kundinnen und Kunden, die Begegnungen machen mich glücklich. Ich könnte in dreieinhalb Jahren in Pension gehen, aber daran denke ich nicht. Es ist einfach ein Hobby, eine Leidenschaft geworden und solange es mir Freude macht, werde ich im Geschäft stehen.“ (Petra Eder, 3.12.2023)