Salzburg – Der Bau des ersten Abschnitts der Salzburger Stadtregionalbahn S-Link könnte die Tourismusbetriebe entlang der Trasse in wirtschaftliche Schwierigkeiten stürzen: Einer Studie zufolge drohen allein der ortsansässigen Hotellerie während der dreijährigen Bauzeit bis zu 800.000 Nächtigungen weniger und ein Umsatzrückgang von 110 Millionen Euro.

S-Link
Computeranimation der Salzburger Stadtregionalbahn S-Link.
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Georg Imlauer ist Obmann und Sprecher der Sparte Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS). Und er hat selbst vier Betriebe entlang des rund 850 Meter langen ersten unterirdischen Bauabschnitts des S-Link zwischen Hauptbahnhof und Mirabellplatz. "Wir rechnen während des Baus mit massiven Umsatzeinbrüchen. Bei so großen Verlusten werden die Betriebe nicht mehr wirtschaftlich zu führen sein. Die Unternehmen gehören so entschädigt, dass sie ihre Existenz nicht verlieren", betonte er in einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Dazu schlug Imlauer eine pauschale Entschädigung in der Höhe von 30 Prozent des tatsächlichen Umsatzverlustes vor – gemessen an den Umsätzen des heurigen und kommenden Jahres und ohne Höchstbetrag. "Stadt und Land Salzburg sollen einen Entschädigungsfonds auflegen, der mit zwei bis drei Prozent der Bausumme für das Gesamtprojekt dotiert ist", so Imlauer. Zur Orientierung: Bei kolportierten Kosten von bis zu 2,8 Milliarden Euro für die im Endausbau 17 Kilometer lange Strecke wären das 84 Millionen Euro. Zugleich hätte der Unternehmer für die Mitarbeiter gerne ein Modell mit Kurzarbeit wie während der Corona-Pandemie.

Studie der Prodinger Tourismusberatung GmbH

Seine Forderung untermauerte der Wirtschaftskämmerer mit einer aktuellen Studie der Prodinger Tourismusberatung GmbH, die von der Fachgruppe Tourismus und Freizeit in der WKS in Auftrag gegeben worden ist. Untersucht wurden die Effekte des Baus (2025 bis 2027) auf die Tourismusbetriebe entlang der Trasse, aber auch für die Ööfentliche Hand und die touristische Wertschöpfung. Befragt wurden 20 Hotelbetriebe und 45 Gastronomiebetriebe die – eingeteilt in drei Zonen – direkt an der Großbaustelle, in Quer- und Parallelstraßen oder etwas weiter entfernt Beeinträchtigungen erleiden. Als Referenzwerte dienten den Autoren Ergebnisse einer Untersuchung während des Baus der U2 und U5 in Wien. Berücksichtigt wurde auch, dass sich das Minus bei Auslastung, Umsatz und Mitarbeiterzahl mit Fortschritt der Bauarbeiten verringert.

"Die Betriebe können in dieser Zeit nicht profitabel agieren, es wird auch zu einem massiven Mitarbeiterabbau kommen", fasste Studienautor Thomas Reisenzahn die Ergebnisse zusammen. Bis zu 104 Männer und Frauen könnten in den Hotels ihren Job verlieren, bis zu 135 in der Gastronomie. Den Umsatzverlust in der Gastronomie – meist Klein- und Kleinstbetriebe – bezifferte er mit 33 bis 50 Millionen Euro. "Die Laufkundschaft wird wegfallen, weil nicht einmal ein Geh- und Fahrradweg vor jedem Lokal gewährleistet ist", sagte auch Imlauer. "Die Baustelle rückt so eng an die Gebäude, dass sie zum Teil nicht mehr von vorne zu begehen sind." Tourismusexperte Reisenzahn schätzte, dass während der Bauzeit bis zu 80 Prozent der Lokale verschwinden könnten.

Vom Baustellenbetrieb betroffen ist auch der Salzburg Congress. Auch wenn man annehme, dass ein Teil der Veranstaltungen ins Messezentrum verlagert werde, sei mit einem Umsatzrückgang von 8,6 Millionen Euro zu rechnen – auch weil Tagespauschalen für Verpflegung und Catering wegfallen. Das Minus bei den Gästeausgaben und die Sekundäreffekte für lokale Zulieferer seien laut Studie mit einem Wertschöpfungsverlust in der Höhe von 51,5 Millionen Euro zu beziffern. Und selbst wenn ein Teil der Salzburg-Besucher auf andere Hotels in der Stadt ausweiche: Durch Einbußen bei Nächtigungsabgabe, Kommunalsteuer, Abfallwirtschaftsgebühr, Kanalbenützungsgebühren und Parkgebühren würden der Stadt Einnahmen von 2,6 Millionen Euro entgehen.

Hotelier kritisiert Politik

Hotelier Imlauer kritisierte auch die S-Link-Planungsgesellschaft und die Politik hart. Die öffentliche UVP- und Bauverhandlung für den ersten Bauabschnitt finde bereits kommende Woche statt. "Vonseiten der Stadt und des Landes ist aber noch keiner auf die Betriebe zugekommen und hat gefragt, wie lösen wir das Problem. Und vonseiten der S-Link-Planer wird die Baustelle mit einer Kanalbaustelle verglichen."

Es sei zudem völlig unverständlich, warum nur das erste Teilstück vom Hauptbahnhof bis zum Mirabellplatz zur UVP eingereicht worden ist – ohne zu wissen, wie die Trasse weiter verlaufen wird. "Es darf erst gebaut werden, wenn die positive Baugenehmigung für die gesamte Strecke da ist, nicht nur für den ersten Abschnitt", sagte Imlauer. Er selbst werde während des Baus wohl zwei oder drei seiner vier Betriebe zusperren müssen. "Das ist ja auch eine Sicherheitsfrage, es muss ja auch die Feuerwehrzufahrt gewährleistet sein." (APA, red, 6.12.2023)