Signa, Baustelle
Die Gläubiger der Signa bangen derzeit um dringend benötigte Kapitalspritzen der Investoren.
REUTERS/CHRISTINE UYANIK

Kommt noch Geld? Kommt kein Geld mehr? Das sind die Fragen, die Gläubigerinnen und Gläubiger der Signa derzeit wohl am meisten umtreibt. Bei den Gläubigerversammlungen der insolventen Signa Prime und Signa Development am Montag wurde das Thema, ob die Investoren zu weiteren Geldspritzen bereit sind, nur gestreift.

Der für das Sanierungsthema im Signa-Vorstand zuständige Erhard Grossnigg wollte von den bisherigen Investoren ja zunächst 350 Millionen Euro einsammeln, um die diversen Immo-Projektgesellschaften zu stützen. Dieses Vorhaben ist aber angesichts des damit verbundenen Risikos, dass letztlich auch dieses Kapital perdu sein könnte, gescheitert. Und nun soll es noch um 150 Millionen Euro gehen.

Am Handelsgericht Wien, wo die Gläubigerversammlungen stattfanden, soll am Montag noch Optimismus geherrscht haben, dass das Geld diese Woche noch zugesagt werden könnte – Grossniggs Aussagen im Abendjournal von Ö1 klangen dann aber weniger positiv. Gläubiger, die bei den ersten Tagsatzungen dabei waren, zeigten sich auf Anfrage wenig begeistert von dieser Art des Informationsflusses. Sollte den noch nicht insolventen Projektgesellschaften, zu denen etwa die derzeit ruhenden Baustellen für den Hamburger Elbtower oder das Lamarr an der Wiener Mariahilfer Straße gehören, das Geld ausgehen, müssten auch sie Insolvenz anmelden. Und dann könnte ein Dominostein nach dem anderen fallen – was der Anfang vom endgültigen Ende der Signa-Gruppe wäre. Der Signa Holding und ihren beiden wichtigen Töchtern Signa Prime und Development würde die Eigenverwaltung aberkannt werden, Notverkäufe wären die Folge.

Interessenten vor der Tür

Wobei sich die Interessenten für die Signa-Immobilien und Signa-Töchter längst formieren. In Deutschland bestätigte am Mittwoch der vorläufige Insolvenzverwalter der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhaus, dass es "mehr als zwei Interessenten" für die Gruppe gebe. Bild hatte zuvor berichtet, dass der frühere Chef des Parfum- und Kosmetikkonzerns Coty, Unternehmer Bernd Beetz, bereits Verhandlungen führe. Er wolle 60 der 92 Geschäfte übernehmen.

Auch in Österreich hören und schauen sich bereits internationale Investoren um, ist aus der Branche zu hören. Kein Wunder, gäbe es doch auch hierzulande viel zu holen. Der Signa Prime gehören ja beispielsweise das Wiener Hotel Park Hyatt oder die Postsparkasse und (mehrheitlich) das Goldene Quartier in der City. Der palazzoartige frühere Sitz der Österreichischen Creditanstalt für Handel und Gewerbe, in dem heute Verfassungsgerichtshof und Bank Austria Kunstforum eingemietet sind, gehören ebenso dazu wie der Büro- und Gewerbekomplex Austria Campus am Praterstern in der Wiener Leopoldstadt. Möglichst viele dieser Assets will die Signa per Sanierungsverfahren erhalten. Ob das klappen wird, das ist eben noch offen.

Allerdings soll es auch unter den Investoren, die schon bislang an Signa-Gesellschaften beteiligt sind, gewisse Spannungen geben. Sie alle zittern ja um eine richtige Menge Geld; Hans Peter Haselsteiner etwa ist über seine Familienstiftung mit 15 Prozent an der insolventen Signa Holding beteiligt. Sein langjähriger Geschäftsfreund Grossnigg hat dort im Vorstand das Sagen, freilich quasi unter Aufsicht des Sanierungsverwalters. Enge Bande, die nicht alle Investoren und Gläubiger erfreuen sollen, wie zu hören ist. (Renate Graber, 18.1.2024)