Der Markt für reine Elektroautos ist in Österreich 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent gewachsen, rund 48.000 rein batteriebetriebene E-Autos (BEV) wurden hierzulande im Vorjahr verkauft. Das ist das Ergebnisse der Studie "Electric Vehicle Sales Review" des PWC-Tochterunternehmens Strategy&, für welche die Neuzulassungen in weltweit 20 ausgewählten Märkten ausgewertet wurden.

Damit wächst das Geschäft mit reinen E-Autos deutlich schneller als jenes mit Hybriden oder Plug-In-Hybriden. Mit einem erzielten Marktanteil von rund 20 Prozent könnten die E-Fahrzeuge schon in naher Zukunft den Vollhybrid (21 Prozent Marktanteil) von der Pole Position unter den E-Fahrzeugen verdrängen, heißt es seitens PWC.

Österreich im europäischen Vergleich

Weiters heißt es, dass Österreich im Europavergleich den fünftgrößten Zuwachs an BEV-Zulassungen verzeichne. Das größte Wachstum verzeichne das Nachzüglerland Spanien (plus 66 Prozent), gefolgt von den Niederlanden (plus 59 Prozent).

Der mit Abstand größte Markt bleibt nach wie vor Deutschland, gefolgt von Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien. Wegen des plötzlichen Endes der staatlichen Förderungen fiel das Wachstum von BEV-Neuzulassungen in Deutschland allerdings auf elf Prozent zurück.

"Wir beobachten derzeit, dass E-Fahrzeuge endgültig am Massenmarkt angekommen sind", kommentiert Johannes Schneider, Partner bei Strategy& Österreich, diese Entwicklung. Das starke Wachstum in Österreich zeige auch, wie wichtig die staatliche Förderung für die Entwicklung des Marktes sei: "Während die staatliche Förderung auch 2024 in Österreich fortgesetzt wird, streichen andere Regierungen – wie beispielsweise Deutschland – ihre Subventionen aufgrund von Sparmaßnahmen."

Weiteres Wachstum, sinkende Preise

Ein Wachstum in Österreich - nicht zuletzt aufgrund der Förderungen - beobachtete gegenüber dem STANDARD zuletzt auch Helena Wisbert, Direktorin des Center Automotive Research (CAR). Und auch in Österreich werde es weiterhin zweistellige Wachstumsraten geben, so die Expertin. In Deutschland hingegen werde der Absatz an rein elektrischen Autos hingegen einbrechen.

Getrieben wird dieses Wachstum aber nicht nur durch die Förderungen, sondern auch durch die Konkurrenzsituation: vor allem das verstärkte Auftreten chinesischer Hersteller sorgt für einen Preiskampf, dem sich auch Anbieter aus Europa und den USA stellen müssen. Laut Schneider müssen sich die Hersteller nun auf wettbewerbsfähigere Modelle im Bereich zwischen 20.000 und 30.000 Euro konzentrieren. "Eine Preisschlacht ist die Folge," sagt der Experte.

Gebrauchte E-Autos gewinnen an Bedeutung

Doch nicht nur Neuwägen, auch gebrauchte E-Fahrzeuge sollten von den Käuferinnen und Käufern zunehmend ins Auge gefasst werden, so die Experten. Das zeige ein Blick nach Deutschland, wo BEVs drei Jahre nach Erstkauf im Schnitt um 10 Prozent günstiger angeboten als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Da allein in Österreich inzwischen rund 155.500 BEVs (Stand: Dezember 2023) im Verkehr sind, dürfte auch das Angebot gebrauchter BEVs steigen.

"Gebrauchte BEVs sind angesichts der bisweilen langen Lieferzeiten viel schneller verfügbar als Verbrenner", sagt dazu Günther Reiter von PWC Österreich. Ein Sorgenkind beim Kauf eines gebrauchten E-Autos sei für viele Kundinnen und Kunden die Batterie, für welche viele Hersteller inzwischen aber acht Jahre Garantie geben, führt Reiter weiter aus: "Für die kommenden Jahre erwarten wir daher europaweit ein starkes Wachstum im Gebrauchtwagenmarkt."

Das schaffe unter anderem auch neue Möglichkeiten im Bereich des Recyclings. "Wenn jetzt ausreichend und an den richtigen Stellen investiert wird, kann Europa in der Batteriezellenproduktion bereits 2035 ein knappes Drittel seines Bedarfs an Lithium, Nickel und Kobalt mit recyceltem Material decken, bis 2040 sogar mehr als zwei Drittel", so Reiter. Das stärke die wirtschaftliche Souveränität und lohne sich auch für Unternehmen, die mit dem Recycling von Akkus ein gutes Geschäft machen wollen.

Das beliebteste E-Auto der Welt ist...

Doch nicht nur österreichische und europäische, sondern auch globale Entwicklungen werden von der Studie erfasst. Dazu gehört auch die Erkenntnis, welches E-Auto sich 2023 weltweit am meisten verkaufte: das Model Y von Tesla. Davon wurden in Europa (Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien) rund 98.000, in den USA rund 394.000 und in China rund 456.000 Exemplare verkauft. Zu den Top 3 der beliebtesten BEVs am europäischen Markt zählen weiters das Tesla Model 3 mit rund 54.000 Fahrzeugen sowie der FIAT 500 Electric mit knapp 52.000 Exemplaren.

Tesla Model Y
Das Tesla Model Y ist das beliebteste E-Auto der Welt.
Tesla

In Österreich wird das Model Y derzeit ab einem Preis von knapp 43.000 Euro verkauft. Dabei handelt es sich um das Modell mit Hinterradantrieb, das auch eine Reichweite von 455 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h kommt sowie in 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt. Die teureren Modelle mit Allradantrieb sollen mehr Leistung bieten, darunter eine Reichweite über 500 Kilometer. Das Tesla Model 3 kostet in Österreich 44.000 Euro aufwärts, der Fiat 500 Electric wird ab 24.100 Euro angeboten.

Wachstum schwächt ab

China und die USA verzeichnen wiederum Marktzahlen, die jene von Österreich regelrecht zwergenhaft erscheinen lassen. So überstiegen in China allein im vierten Quartal 2023 die Verkäufe batteriebetriebener Fahrzeuge erstmals die Zwei-Millionen-Marke, in den USA kletterten die BEV-Absatzzahlen im gesamten Jahr 2023 erstmals auf über 1 Million.

Trotz dieser Erfolge zeigt jedoch auch die aktuelle Studie, dass das Wachstum des E-Auto-Makts nachlässt: 2023 war der globale Absatz um 28 Prozent gestiegen, nach 60 Prozent im Jahr 2022. Schneider sieht auch die Möglichkeit, dass "geringere staatliche Subventionen, Lieferkettenprobleme aufgrund geopolitischer Konflikte und Unsicherheiten hinsichtlich des Engagements zukünftiger Regierungen beispielsweise in den USA, was die Elektrifizierung von Fahrzeugen betrifft" den Erfolg der E-Mobilität bremsen könnten. (stm, 4.2.2024)