Sofia Vergara in
Sofia Vergara in "Griselda" von Netflix.
Netflix

Sexarbeiterinnen aus Kolumbien bringen die Ware in ihren BHs. Damit wird die Mittelschicht in Miami Ende der 70er angekokst. Es klappt. Das Drogenkartell der Frauen unter der "madrina" Griselda Blanco räumt Widersacher, männliche Narcos, gnadenlos aus dem Weg und wird groß, hunderte Millionen schwer. "Schlampe, Hausfrau" – das kommt nun nicht mehr aus den Mündern. Bis die Chefin überzieht – mit dem eigenen Drogenkonsum und den Mordaufträgen. 1985 wird sie verhaftet, nach 26 Jahren nach Kolumbien abgeschoben, 2012 mit 69 Jahren erschossen.

Netflix hat Narco-Geschichten, mehr oder minder stark angelehnt an reale Massenmörder im Drogengeschäft, zu einem eigenen Subgenre aufgebaut. Von der Queen of the South, über Escobar, El Chapo, Narcos Mexiko bis zu aktuell Griselda.

Für diese frische Miniserie gibt es allerdings nicht viel Lob. "Fragwürdige Girl-Boss-Fantasie", hieß es etwa in der Zeit online. Hauptdarstellerin Sophia Vergara wird auch nicht gerade gefeiert. Stimmt, sie ist keine Kate del Castillo (La Reina del Sur). Stimmt, die emanzipatorische Frauengeschichte der einstigen Sexarbeiterin, die nun anderen Entrechteten hilft, klappt irgendwie nicht in Kombination mit unbeschreiblicher Grausamkeit. Man kommt dieser Person in keinem Aspekt wirklich nahe. Die ­Episoden sind oft überausgestattet, zu schnell, zu rituell in der Vorführung der tödlichen Gewalt, oft auch sprunghaft – es ist ein hastiger Ritt auf vielen scha­blonierten Oberflächen rund um eine scheints ewige Partywelt in Florida.

Aber trotzdem: Totalverrisse dürfen ignoriert werden – wer Narco-Geschichten mag, muss Griselda gesehen haben. (Karin Bauer, 8.2.2024)