Frauenspezifische Gesundheitsthemen wurden lange vernachlässigt. Ein Beispiel dafür ist die Menopause. Dem Thema widmeten sich Constanze Griessler und Franziska Mayr-Keber in einer 3sat-Doku.
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Der Wechsel, über den spricht man lieber nicht. Jede Frau macht ihn durch, irgendwann zwischen 45 und 60, er dauert meist mehrere Jahre. Trotzdem ist diese Phase ein riesiges Tabu – mit weitreichenden Folgen.

In der medizinischen Ausbildung wird die Perimenopause, so der Fachbegriff, nicht oder nur am Rande erwähnt. Es gibt viel zu wenig Forschung in dem Bereich. Studiengeprüfte, wechselspezifische Medikamente gegen die oft massiven Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Herzrasen, Depressionen oder Scheidentrockenheit sind Mangelware.

Das Thema ist beispielhaft für die skandalöse Vernachlässigung frauenspezifischer Gesundheitsthemen. Die Liste lässt sich lange fortsetzen. Bis heute dauert es etwa bei Frauen länger als bei Männern, bis ein Herzinfarkt diagnostiziert wird. Über Jahrzehnte wurden Medikamente in Studien nur an Männern getestet – weil der Hormonzyklus der Frau die Wirkung beeinflusse. Ja, tut er. Genau deshalb ist es umso wichtiger, Frauen in Zulassungsstudien einzuschließen.

Angesichts dieser Tatsachen darf man sich nicht wundern, wenn sich Frauen von der evidenzbasierten Medizin abwenden und Hilfe bei komplementären oder alternativen Heilmethoden suchen. Man fühlt sich ohnehin schlecht und bekommt dann oft noch zu hören, das bilde man sich nur ein.

Doch statt endlich die Forschung anzukurbeln und nach neuen Wirkstoffen zu suchen, prangern so manche lieber das Geschäft mit Gesundheitsprodukten an und werfen Frauen vor, sie ließen sich abzocken.

Statt das zu verurteilen, sollte man dafür sorgen, dass professionelle Hilfe und ärztliche Empathie besser werden. Politik, Pharmaindustrie, Ausbildungsinstitutionen und Forschung müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen. (Pia Kruckenhauser, 10.2.2024)