Die ruhigen Tage des Erdtrabanten sind definitiv vorbei. Umfangreiche Mondpläne großer Weltraumnationen und etlicher Raumfahrtunternehmen sorgen seit Monaten für einen nie dagewesenen Mondverkehr. Nach einer gescheiterten und einer erfolgreichen Mondlandung im Jänner steht in der Nacht auf Freitag bereits der nächste Versuch bevor: Die US-Firma Intuitive Machines will mit ihrem Lander Odysseus in der Südpolregion des Mondes aufsetzen. Die Landung ist für 23.49 Uhr (MEZ) in der Nähe des Malapert-Kraters geplant. Die Nasa wird das Manöver in einem Livestream übertragen.

Intuitive Machines Odysseus Mondmission
In der Nacht auf Freitag soll der Lander Odysseus auf dem Mond ankommen.
Illustr.: Intuitive Machines

Es ist die erste Mondmission des in Houston, Texas, ansässigen US-amerikanischen Unternehmens Intuitive Machines. Die Firma fliegt primär im Auftrag der Nasa, die mit dem sogenannten Commercial Lunar Payload Services Program (CLPS) auf private Anbieter setzt, um den Aufbau einer dauerhaften lunaren Infrastruktur zu ermöglichen. Die Mondsonde hat aber auch Fracht kleinerer Kunden an Bord. Der Lander vom Typ Nova-C, der den Namen Odysseus erhielt, ist am 15. Februar mit einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens Space X ins All gestartet und soll rund 130 Kilogramm Nutzlast, darunter wissenschaftliche Instrumente und eine Skulptur des Künstlers Jeff Koons, auf den Mond befördern.

Kniffliges Manöver

Eine sanfte Landung wäre ein Meilenstein. Noch nie ist eine kommerzielle Mission heil auf dem Mond angekommen. Die dünne Atmosphäre, der allgegenwärtige Staub und die vergleichsweise geringe Schwerkraft machen Landemanöver herausfordernd, zwei private Sonden sind bereits auf dem Mond zerschellt: der israelische Lander Beresheet (2019) und der japanische "Mondhase" Jakuto-R (April 2023). Erst vor wenigen Wochen ist auch die US-Firma Astrobotic bei ihrem Erstversuch gescheitert, sie schaffte es gar nicht erst zum Erdtrabanten. Durch ein Treibstoffleck kurz nach dem Start verfehlte die Sonde die vorgesehene Flugbahn und verglühte am 19. Jänner in der Erdatmosphäre.

Tags darauf gelang Japan mit der Mission Slim (Smart Lander for Investigating Moon) wiederum seine erste unbeschadete Mondlandung. Ganz reibungslos verlief dieses Manöver zwar auch nicht, Probleme mit der Energieversorgung aufgrund einer falschen Positionierung konnten aber behoben werden. Japan ist nach der ehemaligen Sowjetunion, den USA, China und Indien das fünfte Land, dem eine sanfte Landung auf dem Erdtrabanten gelungen ist. Im vergangenen August ist die staatliche russische Sonde Luna-25 abgestürzt.

Vielfältige Fracht

Sollte Intuitive Machines' Mission Erfolg beschieden sein, wäre es auch die erste weiche amerikanische Landung seit dem Ende der Apollo-Missionen 1972. Zu Odysseus' Fracht zählen sechs wissenschaftliche Geräte der Nasa, darunter ein Laserreflektor zur exakten Positionsbestimmung, ein Messgerät zur Untersuchung niederfrequenter Radiowellen und ein Kamerasystem. Außerdem soll der Prototyp eines Mondnavigationssystems getestet und mit einem speziellen Messinstrument der exakte Treibstoffverbrauch bei der Landung gemessen werden.

Intuitive Machines Odysseus
Selfie samt Erde: DieserRückblick entstand am 16. Februar kurz nach der Trennung von der zweiten Raketenstufe.
AFP/Intuitive Machines/HANDOUT

Die Fracht weiterer Kunden umfasst neben dem Mondkunstwerk von Jeff Koons unter anderem auch ein Kleinteleskop. Spannende Aufnahmen von der Landung soll eine Entwicklung der Embry-Riddle University in Florida liefern: Ihre Eagle Cam soll während des Abstiegs zur Mondoberfläche abgeworfen werden und die Landung der Sonde vom Boden aus festhalten.

Unabhängig vom Ausgang des aktuellen Landeversuchs geht es auf dem Mond betriebsam weiter. Im Laufe des Jahres sind noch weitere kommerzielle und staatliche Landungen vorgesehen, im Mai soll etwa die chinesische Sonde Chang'e 6 starten und Proben von der Rückseite des Monds zur Erde holen. Der Mond ist wissenschaftlich durchaus reizvoll, der aktuelle Andrang hat aber vor allem auch strategische und wirtschaftliche Gründe: Der Mond ist nicht nur eine gute Zwischenstation für weitere astronautische Flüge, sondern auch ein günstiges Testgelände für neue Technologien und den Abbau von Ressourcen im All. (David Rennert, 22.2.2024)