37 Prozent der Menschen in Österreich verfügen nicht über digitale Grundkenntnisse, etwa wie man ein Smartphone bedient.
REUTERS/Mascarenhas

Eigentlich steht Österreich nicht so schlecht da, zumindest wenn man den EU-Vergleich heranzieht. 63 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben einigermaßen solide digitale Skills. Damit liegt Österreich deutlich über dem EU-Schnitt von 57 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass 37 Prozent der Bürgerinnen und Bürger im Alter von 16 bis 74 Jahren keinerlei Grundkenntnisse im Bereich Internet, Smartphones und Co haben.

Wenig überraschend sind Alter und Bildung die entscheidenden Faktoren, ob sich jemand in der digitalen Welt zurechtfindet. So haben 79 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in Österreich zumindest digitale Grundkenntnisse, während es bei den 65- bis 74-Jährigen nur 35 Prozent sind. Einen noch größeren Effekt hat aber der Bildungsgrad: Unter den Menschen mit Universitätsabschluss sind 86 Prozent mit digitalen Themen vertraut, während es bei Pflichtschulabgängern nur 40 Prozent sind. Das geht aus Daten der Statistik Austria für den Digital Skills Indicator der Europäischen Union hervor.

Aber: Wer die Chancen der Digitalisierung nützen möchte, braucht eben auch Kompetenzen, vor allem gelte es die Lücke von 37 Prozent zu schließen, so der Staatssekretär für Digitalisierung, Florian Tursky, am Donnerstag. Deshalb wird die Digitale Kompetenzoffensive aus dem Vorjahr in den Regelbetrieb übernommen. In der Pilotphase gab es bereits 800 kostenlose Workshops in den Gemeinden. Jetzt kommen Anfang März noch einmal 4.500 Kurse dazu. Eine Werbekampagne dafür wird im Juni starten. "Wir wollen in jeder Gemeinde mindestens einen Workshop anbieten", erklärt Tursky das Ziel. Das Motto: "Digital Überall".

Größter Wunsch: In Kontakt bleiben können

Das Workshopprogramm wird vom OeAD, Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung, umgesetzt. Interessierte können ab sofort Workshops kostenlos besuchen. Die Informationen sind hier zu finden. Ab Sommer kann zusätzlich jede Gemeinde Workshops buchen und damit ihre Bürgerinnen und Bürger digital fit machen. Die Schwerpunkte reichen dabei von der Bedienung digitaler Geräte über Cybersicherheit bis hin zum Umgang mit künstlicher Intelligenz. Das Angebot wird in Kooperation mit den Bundesländern und dem Städte- und Gemeindebund ausgerollt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der bisherigen 800 durchgeführten Pilotworkshops des vergangenen Jahres zu digitaler Bildung von Seniorinnen und Senioren, E-Government und zum sicheren Umgang mit digitalen Medien bestätigen den Nutzen der Digitalen Kompetenzoffensive. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich mit den Workshops überaus zufrieden, weshalb das Programm nun breiter ausgerollt wird. Die Motivation der Teilnehmenden reichte von Neugier bis zum Wunsch, mit der Familie online in Kontakt zu bleiben. Das Ziel der Workshops könnte man als Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnen. Die Teilnehmenden lernen, wo Hilfe zu finden ist und wie man neue Anwendungen nutzen kann. 8.500 Menschen haben das Angebot bereits genutzt. In 200 Gemeinden gab es bislang Kursangebote.

Graduate School gegen Fachkräftemangel

Aufbauend auf das "Digital Überall"-Programm richten sich die weiterführenden modularen "Digital Überall Plus"-Workshops an jene, die ihre digitalen Kompetenzen weiter ausbauen möchten. Hier wird es gezielte österreichweite Förderaktionen über Erwachsenenbildungseinrichtungen geben. Ein weiterer Schwerpunkt von "Digital Überall Plus" liegt auf der Weiterbildung der Trainerinnen und Trainer.

Österreich braucht darüber hinaus mehr Experten in der Informationstechnologie. Nach Modellrechnungen des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) wird bis 2030 ein zusätzlicher Bedarf an Fachkräften in der Informations- und Kommunikationstechnologie von 35.400 bis 38.600 Personen entstehen. Tursky will diesem Fachkräftemangel unter anderem mit einem Fördercall für "IT-Experts" und einer Graduate School zur Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden im Bereich Digital Innovation begegnen.

"Für die Umsetzung der digitalen Kompetenzoffensive nehmen wir 30 Millionen Euro in die Hand. Das ist sinnvoll investiertes Geld, das Menschen in ganz Österreich für bessere digitale Kompetenzen zugutekommt, denn jeder investierte Euro in die digitale Bildung ist eine Investition in unsere Zukunft und Wirtschaftsfähigkeit", so Tursky. (red, 29.2.2024)