Es sind die Zukunftsfelder E-Mobilität, Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, auf die der Grazer Anlagenbauer Andritz setzt. Neben den angestammten Geschäftsfeldern wie Kraftwerksbau, Biomassekessel, Papierindustrie ist es die Wende Richtung grüneres Wirtschaften, die dem Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekorde bei Umsatz und Gewinn bescherte. Die größte Sparte "Pulp & Paper" steuerte 4,1 Milliarden Euro (plus 17 Prozent), also fast die Hälfte, zum Umsatz bei. Dieser wuchs gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 14 Prozent auf 742 Millionen, unterm Strich blieb ein Konzerngewinn von 504,3 Millionen Euro. Den Aktionären soll bei der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende von zuletzt 2,10 Euro auf 2,50 Euro je Aktie vorgeschlagen werden.

Ein überfüllter Container für Altkleider
Altkleider dürfen künftig nicht mehr verbrannt werden. Es ist ein Geschäftsfeld, in dem auch Maschinenbauer ihre Chancen sehen.
IMAGO/Gottfried Czepluch

Auch die Auftragsbücher seien mit einem Stand von knapp zehn Milliarden Euro fast so gut gefüllt wie im Jahr davor, sagt Konzernchef Joachim Schönbeck anlässlich der Präsentation der Zahlen in Wien. Eigentlich, so Schönbeck, wäre es kein Schaden, wenn nun einmal ein Jahr ohne Krise käme. Gerüstet sei man aber für alle Fälle. Auch für das heurige Jahr erwartet er mehr Umsatz und höhere Rentabilität. Das trotz der höheren Personalkosten – die Metaller schlossen bei den KV-Verhandlungen ja mit einem Lohn- und Gehaltsplus von zehn Prozent ab. Zu glauben, diese Lohnsteigerung sei durch entsprechende Produktivitätssteigerung abzufedern, sei illusorisch, sagt Schönbeck. "Das kann man nur durch Innovation versuchen."

Grüne Transformation

Die Arbeitsplätze in Hochlohnländern wie Österreich (hier beschäftigt der Konzern 3.700 Mitarbeiter, weltweit sind es 30.000) "sind sicher". Mit ein Grund: Der Bedarf an grüner Transformation erzeugt jetzt eine Menge Möglichkeiten für Innovation. Als Beispiel nennt Schönbeck das bevorstehende Verbot in der EU, Textilabfälle zu verbrennen. Andritz hat für den türkischen Textilproduzenten Sanko in Frankreich eine automatisierte Pilotanlage zur Sortierung von Alttextilien gebaut. Dort würden die Altkleider automatisiert "sortenrein" getrennt. Die Garne sind dann auch tauglich für neue Kleidung.

Schönbeck geht davon aus, dass sich im Textilrecycling "das wiederholen wird, was wir in den 1970er-Jahren im Papierrecycling gesehen haben". Die Voraussetzungen für eine komplette Kreislaufwirtschaft seien in diesem Segment zumindest technologisch gegeben. Auch in Sachen Batterietechnologie und Wasserstoff sind die Grazer nicht untätig. 2023 zogen sie etwa den ersten Auftrag für eine Großanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff an Land und den ersten Auftrag für eine vollautomatisierte Zellformierungsanlage zur Produktion von Batteriezellen für Elektrofahrzeuge. Schönbeck spricht bei Letzterem von einer "kleinen Massenfertigung" und beim Auftragswert von einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. (Regina Bruckner, 29.2.2024)