Martha Argerich
Martha Argerich bestritt ein Programm ohne Durchschnaufstück.
Markus Aubrecht

Man musste am Donnerstagabend kein Tennisfan sein, um sich im Wiener Konzerthaus doch ein wenig an den britischen Ballsport erinnert zu fühlen. Nicht nur, dass Martha Argerich und Lilya Zilberstein einander vis-à-vis an zwei Klavieren zu körperlichen Höchstleistungen anstachelten und dabei regelmäßig die Seite wechselten. Als nach der Pause auch noch zwei Herren hinzutraten (Zilbersteins Pianistensöhne Anton und Daniel Gerzenberg), erinnerte die Konstellation auffallend an ein gemischtes Doppel. Dazu passte die Gangart des folgenden Werks: Smetanas Sonatensatz in e-Moll, für acht Hände verfasst, setzt anfangs einen flinken Schlagabtausch zwischen den beiden Tastenteams in Gang.

Ohne Pathosschlacken

In der Hauptsache bestritten jedoch die Ikonen Argerich und Zilberstein den Abend, und das in athletischer Manier: kein einziges Durchschnaufstück auf dem Programm, dafür ein Faible für atemlose Tempi. Ob Mozarts f-Moll-Fantasie (Busoni-Fassung) mit ihrem polyphonen Gewimmel, die Schmetterlingsnotenschwärme in Schumanns Andante und Variationen op. 46 oder Darius Milhauds sambafreudiger Scaramouche: All das wurde mit Verve, doch ohne Pathosschlacken dargereicht.

Das galt auch für Rachmaninows Symphonische Tänze, diesen Lebensrückblick mit harschen Akkordkaskaden und Harmoniefolgen, so kratzig und kraus wie Stacheldraht. Chapeau: Zilberstein und Argerich wuchteten das Stück gebührlich schroff in den Klangraum, setzten in den lyrischen Momenten dafür das dunkel-lockende Charisma einer Séance frei. Ein grandioser Abend mit Zugaben und stehenden Ovationen. (Christoph Irrgeher, 2.3.2024)