Junge Frau im Blazer steht in einem leeren Konferenzraum und blickt Richtung Kamera
Die Lohnungleichheit ist für viele ein zentrales Thema: Weltweit fühlen sich nur 39 Prozent der Frauen angemessen für ihre Arbeit bezahlt.
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Der Weg bis zur Geschlechterparität am Arbeitsplatz ist noch lang. Geht es im aktuellen Tempo weiter, wird es noch mehr als 50 Jahre dauern, um die durchschnittliche Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in allen OECD-Ländern zu schließen. Das geht unter anderem aus dem aktuellen "Women in Work Index" der Unternehmensberatung PwC hervor. Im internationalen Vergleich belegt Österreich Platz 26 von 33 Ländern – und erzielt das gleiche Ergebnis wie im Vorjahr. Damit zählt die Alpenrepublik nach wie vor zu den Schlusslichtern.

Die Liste führen hingegen Luxemburg, Island und Slowenien mit einem Score um die 80 von 100 Punkten an. Für den Index wird ein gewichteter Durchschnitt aus fünf Indikatoren kalkuliert, darunter die Erwerbsquote von Frauen, der Anteil der Vollzeitbeschäftigten, die Arbeitslosenquote und die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. Für die Berechnung werden jährlich Daten aus dem vorletzten Jahr genutzt – in diesem Fall von 2022.

Große Gehaltslücke

Die Beteiligung von Frauen am heimischen Arbeitsmarkt liegt bei 73 Prozent – im Vergleich dazu macht der Anteil bei Männern 82 Prozent aus. Der Gender-Pay-Gap hingegen verharrt in Österreich weiterhin bei rund 19 Prozent. Europäische Vorreiter in dieser Hinsicht sind die nordischen Länder Finnland, Norwegen, Dänemark, Schweden sowie Island – diese zählen laut Index zu den Top elf. Führend im OECD-Vergleich ist Luxemburg mit einem negativen Gender-Pay-Gap von -0,2 Prozent. Das bedeutet, dass das durchschnittliche Lohnniveau dort für Frauen sogar höher ist als jenes für Männer.

"Der nach wie vor gleiche Platz im Ranking ist für Österreich natürlich nicht erfreulich. Dennoch ist es wichtig anzuerkennen, dass die Position im Index nicht unbedingt darauf zurückzuführen ist, dass wir uns nicht verbessern, sondern dass andere Länder Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz schneller und effizienter vorantreiben", sagt Agatha Kalandra, Vorstandsmitglied und Markets Lead bei PwC Österreich. Die Ergebnisse würden ihrer Einschätzung nach dennoch verdeutlichen, dass der Fortschritt hierzulande unzureichend sei.

Mehr Väterbeteiligung

Die Kinderbetreuung wird nach wie vor hauptsächlich von Frauen übernommen, was einen wesentlichen Faktor für den Gender-Pay-Gap darstellt. Mütter tragen bei der Kinderbetreuung eine unverhältnismäßig große Last und werden durch die "Motherhood Penalty" am Arbeitsplatz benachteiligt. Dadurch ergeben sich für Frauen beispielsweise verlangsamte Karrierechancen sowie ein niedrigeres Einkommen. Diese Situation wird dadurch verstärkt, dass Männer häufiger in Berufen arbeiten, die unvorhersehbare und längere Arbeitszeiten erfordern und tendenziell besser entlohnt werden.

In Österreich sind derzeit – wie auch im Vorjahr – rund 65 Prozent der Frauen in Vollzeit beschäftigt, während dieser Wert im Jahr 2000 noch bei 76 Prozent lag. Im Vergleich dazu beträgt die Quote bei Männern 92 Prozent. "Trotz zunehmender männlicher Vorbilder führt die Väterkarenz weiterhin ein Schattendasein", sagt Kalandra. Die Analyse verdeutliche, dass Arbeitgeber mehr Faktoren berücksichtigen müssen, die zu Lohnunterschieden beitragen. Arbeitende Eltern müssten angemessen unterstützt werden – unter anderem durch flexible und hybride Arbeitsmodelle. Von einer geschlechtergerechten Zukunft der Arbeit profitieren dabei nicht nur Frauen, sondern auch Männer, Kinder, Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt.

Transparenz als Schlüssel

Die Lohnungleichheit ist für viele ein zentrales Thema. Weltweit fühlen sich nur 39 Prozent der Frauen angemessen für ihre Arbeit bezahlt. In Österreich wurden dazu auch Männer befragt: So sind insgesamt zwei Drittel der heimischen Bevölkerung der Ansicht, dass Männer und Frauen für gleichwertige Arbeit nicht gleichwertig bezahlt werden. Doch mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz fällt das Empfinden deutlich positiver aus. Lediglich 24 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass bei ihren Arbeitgebern eine unfaire Entlohnung erfolgt.

Ein besserer Einblick in ungleiche Bezahlung könnte demnächst durch die neue EU-Richtlinie zur Gehaltstransparenz möglich sein. Denn nur wenn Entgeltdiskriminierung in den Unternehmen sichtbar wird, können Betroffene sich faktenbasiert wehren und Unternehmen stärker zu aktivem Handeln aufgefordert werden, sagen Expertinnen und Experten. Neben einem leichteren Zugang zu den durchschnittlichen Gehältern für Beschäftigte droht Firmen bei Verstößen sogar eine Wiedergutmachung durch Schadenersatz. Diese Maßnahme könnte künftig deutlichere Wirkung im Kampf gegen ungleiche Bezahlung zeigen. (dang, 7.3.2024)