Chişinău – Ab September kommenden Jahres sollen 250 bis 300 Schülerinnen und Schüler in Chişinău zu Elektrotechnikerinnen, Digitaltechnikern oder Hardware-Entwicklerinnen ausgebildet werden. Die Höhere Technische Lehranstalt (HTL) ist die insgesamt neunte österreichische Auslandsschule und Teil der "gesamtstaatlichen Auslandsschulstrategie" von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP). Über die Gesamtkosten des Projekts gab das Bildungsministerium am Donnerstag vorerst keine Auskunft. Anlässlich des Spatenstichs zum Bau des Schulgebäudes reiste Polaschek am Dienstag in die moldawische Hauptstadt.

Bildungsminister Polaschek beim Spatenstich des Schulgebäudes
Beim Spatenstich dabei: Dan Perciun (Minister für Bildung und Forschung in Moldau), Bildungsminister Martin Polaschek, Carmen Goby (Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich) und Peter Koren (Vizegeneralsekretär der Industriellenvereinigung).
Ramin Mazur / OeAD

Dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Polaschek verweist darauf, dass die österreichischen Auslandsschulen Know-how für junge Menschen zur Verfügung stellen, die bereit seien, Deutsch zu lernen, und die ihre Verbindung sowohl zu Österreich als auch zur österreichischen Wirtschaft stärken möchten. Weiter seien die Auslandsschulen ein Weg, dem internationalen Fachkräftemangel zu begegnen. "Eine qualitativ hochwertige berufliche Aus- und Weiterbildung ist von großer Bedeutung für die Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte und zur Förderung von Wirtschaftswachstum, Wohlstand und sozialer Integration", sagte Polaschek. Abschließen werden die Schülerinnen und Schüler die HTL mit einem österreichischen Reifeprüfungszeugnis, das ihnen ermöglichen soll, sowohl in der EU als auch in Moldau zu studieren oder zu arbeiten. Die Matura werde gleichzeitig und nach österreichischen Auflagen abgehalten.

Peter Koren, Vizegeneralsekretär der Industriellenvereinigung (IV), hebt die europaweite Einzigartigkeit der HTL hervor. Sie stelle eine hochwertige technische Ausbildung zur Verfügung und bilde hochqualifizierte Fachkräfte für lokale Niederlassungen österreichischer Unternehmen sowie für moldawische Unternehmen aus. "So schaffen wir Win-win-Situationen und stärken die Beziehung zwischen Moldawien und Österreich", betont Koren. Laut ÖVP-Parlamentsklub seien Fachkräfte für österreichische Firmen auch im Ausland von großem Nutzen. In der Republik Moldau seien etwa 30 österreichische Firmen aktiv, darunter Versicherungen, Banken und die Leichtindustrie.

Unterrichtssprache Deutsch

Unterrichtet werden sollen die Schülerinnen und Schüler nach adaptiertem österreichischem Lehrplan auf Deutsch. Die Kosten für die Schulleitung und das österreichische Lehrpersonal trägt das Bildungsministerium. Wie hoch diese sind, konnte das Ministerium auf Anfrage noch nicht sagen. Zusätzlich werden moldauische Lehrkräfte an der Schule unterrichten. Im September dieses Jahres starten Deutschkurse zur Unterrichtsvorbereitung an der österreichischen Auslandsschule für die moldawischen Schülerinnen und Schüler. Benannt wird die Schule nach dem ehemaligen ÖVP-Vizekanzler und Bildungsminister Erhard Busek.

Bei Polascheks Besuch in Moldau wurde das sogenannte Memorandum of Understanding zwischen den Bildungsressorts beider Länder erneuert. Diese Vereinbarung bilde den Rahmen für die Fortsetzung der über zwanzigjährigen Bildungskooperation zwischen Österreich und der Republik Moldau. Derzeit gibt es acht österreichische Auslandsschulen, in denen rund 3.500 Schülerinnen unterrichtet werden. Die erste Auslandsschule wurde bereits 1892 in Istanbul eröffnet. Weitere Standorte liegen beispielsweise in Ungarn, Guatemala, Albanien oder Liechtenstein. (Antonia Wagner, 7.3.2024)