Ein unglaublich klingender Spionageskandal, der seit Jahren ruchbar ist und von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl sowie seinen ÖVP-Nachfolgern Karl Nehammer und Gerhard Karner bisher verlässlich nicht aufgeklärt wurde.

Die ÖVP verstrickt das Land derweil in eine überflüssige Leitkulturdebatte nach durchsichtigem Vorbild der rechtsextremen AfD. Die Volkspartei möchte glauben machen, das sei jetzt das drängendste Problem der "Mitte". Dabei ist das nicht mehr als ein hilfloser Schrei nach Zuneigung in Sachen Wählergunst.

Gearbeitet wird verlässlich nach dem Shitstorm-Prinzip, das hierzulande die FPÖ aus Social Media ins echte Leben gebracht hat: Es geht nur darum, das schnelle "Ich will mich aufregen"-Bedürfnis zu befriedigen. Das versucht nun eben auch die ÖVP: intellektuelles Fastfood von der Kanzlerpartei, die SPÖ sieht taumelnd zu.

Eine Woche soll das Land über eine erfundene Bargeldabschaffung diskutieren, dann über die offenbar grundlegend christlich-soziale Fragestellung der Leit- und Neidkultur. Alles, was von tatsächlichen Fragen ablenkt, ist hochwillkommen. Von unangenehmen Fragen, etwa wieso diese Regierung kein Klimaschutzgesetz zusammengebracht hat. Oder weshalb wir so superneutral zu Russland sind, dass dessen Spione nicht nur unbehelligt in Österreich werken können, sondern auch über genügend politische Schutzengel in dieser gasabhängigen Republik verfügen.

Gerold Riedmann ist der neue STANDARD-Chefredakteur.
Gerold Riedmann, der neue STANDARD-Chefredakteur.
Bill Ozturk

Wo sind die zukunftsfreundlichen Programme, die großen Pläne – jenseits von Angstmache, Neid und Missgunst? Wo ist die Zuversicht? Ja, es ist eine unübersichtliche Weltlage, doch die Zuversicht ist nicht tot.

Kritischer Journalismus

Es tut not, das Konstruktive vom Destruktiven klar zu unterscheiden: die FPÖ als Brandstifterpartei, die klar gegen den gesellschaftlichen Zusammenhalt arbeitet, zu benennen. Ihre vermeintlich einfachen Lösungen sind Mogelpackungen.

Die liberale Demokratie ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, sie ist eine Errungenschaft. Es geht längst auch in Österreich um die Rolle des Qualitätsjournalismus und vorrangig um ein stabiles, digitales Fundament in einem durchaus feindseligen Umfeld.

Nachrichtenmedien müssen sich neu erfinden. Das hat DER STANDARD seit seiner Gründung als "Zeitung für Wirtschaft, Politik und Kultur" stets getan. "Nachrichten in Echtzeit" brachte diese Zeitung in den Neunzigern als Erste ins Internet. Heute hat DER STANDARD mit je knapp 60.000 Digital- wie Print-Abonnentinnen und -Abonnenten eine sehr gute Ausgangsposition, um weiterhin auf unabhängigen, kritischen Journalismus zu setzen. Durch die lebendige Community möchten wir dem Anspruch eines Infrastrukturanbieters für Demokratie gerecht werden. Verlässliche Verbindungen zwischen verifizierten Informationen und echten Menschen. In einer Zeit, in der nix fix ist und Fake so viel schneller zirkuliert als Fakten.

Die Neugierde ist eine der Grundtugenden des journalistischen Berufsstands. Von den technischen Möglichkeiten, die uns heute neugierig auf mehr machen, war bis vor kurzem nicht zu träumen. Wir werden verlässlich daran arbeiten, tagtäglich Ihre Neugierde zu wecken. Persönlich freue ich mich als neuer Chefredakteur auf den gemeinsamen Weg und bin nun vor allem neugierig, Sie kennenzulernen: riedmann@derStandard.at (Gerold Riedmann, Chefredakteur DER STANDARD, 2.4.2024)