Im Jänner 2024 hatte ich eine Buchpräsentationsreise in Malaysia, die heftige islamistische Reaktionen und Schikanen durch die Polizei hervorrief. Ich war dort, um die malaiische Übersetzung meines Buches Islam, Authoritarianism, and Underdevelopment vorzustellen, einer wissenschaftlichen Analyse der politischen und sozioökonomischen Krisen, mit denen viele muslimische Gesellschaften heute konfrontiert sind (die Thesen dieses Buches wurden in diesem Blog schon einmal vorgestellt, siehe "Die unselige Allianz zwischen Staat und Religion in der islamischen Welt"). Einige malaiische Aktivisten organisierten eine Social-Media-Kampagne gegen meinen Besuch. Daraufhin wurde meine Hauptveranstaltung zur Buchpräsentation abgesagt. Aufgrund weiterer Schwierigkeiten, die sich mit Behörden ergeben haben, habe ich schließlich die anschließend geplante Buchreise nach Pakistan nicht angetreten und bin in die Vereinigten Staaten zurückgereist.

Als vergleichender Religions- und Politikwissenschafter sehe ich meine Erlebnisse nicht als isoliertes Beispiel religiöser Intoleranz in Ländern mit muslimischer Mehrheit. Stattdessen erschließt es etwas Größeres. Meine Forschung zeigt, dass es weltweit einen zunehmenden Trend gegen abweichende und religiöse Minderheitenansichten gibt. Die Analyse dieses Trends ist von entscheidender Bedeutung, um zu verstehen, warum populistische Führer mittlerweile so verschiedene Länder wie die Türkei, Russland und Indien regieren und wie sie an anderen Orten, einschließlich den Vereinigten Staaten, an die Macht kommen könnten. Alle diese Länder haben in letzter Zeit die Kombination dreier Bewegungen erlebt: religiöser Konservatismus, Nationalismus und Populismus.

Malaiische Nationale Moschee (Masjid Negara Malaysia) in Kuala Lumpur, Malaysia.
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Religion und Nationalismus: Alte Feinde, neue Verbündete

Sowohl in der christlichen als auch in der muslimischen Geschichte entstand der Nationalismus als Reaktion auf das religiöse Establishment. Nationalismusforscher wie Benedict Anderson erklären seine Ursprünge in Europa nach dem 16. Jahrhundert mit der Ausbreitung von Volkssprachen, Nationalkirchen und Nationalstaaten gegenüber der lateinischen Sprache, dem Vatikan und göttlich legitimierten Herrscherdynastien. Auch in vielen mehrheitlich muslimischen Ländern kam es zu Spannungen zwischen Islamisten und Nationalisten. Die Islamisten drängten auf traditionellen Religionsunterricht und islamisches Recht und betonten die globale islamische Identität. Nationalisten modernisierten jedoch die Schulen, führten säkulare Gesetze ein und betonten die nationale Identität. Diese Spannung hielt im gesamten 20. Jahrhundert in der Türkei an, wo Nationalisten unter der Führung von Mustafa Kemal Atatürk in den 1920er-Jahren eine säkulare Republik gründeten. In Ägypten gab es einen ähnlichen Kampf zwischen der islamistischen Muslimbruderschaft und den nationalistischen Militäroffizieren, die in den 1950er-Jahren unter der Führung des Säkularisten Jamal Abdel Nasser die Republik aufbauten.

Heutzutage sind religiöse und nationalistische Kräfte jedoch häufig politische Verbündete. Seit einem Jahrzehnt besteht in Russland ein solches Bündnis zwischen dem orthodoxen Patriarchen Kirill und Präsident Wladimir Putin. Die Gesetze zur Bestrafung von Beleidigungen religiöser Gefühle wurden ausgeweitet, und orthodoxe christliche Werte kehrten in die Lehrpläne der Schulen zurück. Analysten definieren Kirills starke Unterstützung für Putins Invasion in der Ukraine als Ausdruck der nationalistischen Ideologie, die sie teilen.

In der Türkei ist Diyanet die wichtigste religiöse Autorität, eine Regierungsbehörde, die Moscheen kontrolliert und die Gehälter der Imame zahlt. Obwohl Diyanet von Atatürk gegründet wurde, um einer säkularen nationalistischen Politik zu dienen, ist es zu einer wichtigen Säule der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan geworden, der Islamismus mit Nationalismus vermischt. Während Erdoğans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung den Islamismus vertritt, verfolgt ihr Koalitionspartner, die Nationalistische Aktionspartei, seit einem Jahrzehnt eine ausdrücklich nationalistische Agenda.

In der arabischen Welt kam es in den 1950er- und 1960er-Jahren zu Auseinandersetzungen zwischen Nassers säkular-nationalistischem Ägypten und dem islamischen Königreich Saudi-Arabien. Das hat sich nun geändert: Ägypten, das seit 1980 eine Verfassung hat, die sich auf die Scharia als Rechtsquelle bezieht, und Saudi-Arabien, das durch die Reformen von Kronprinz Mohammed bin Salman in letzter Zeit weniger konservativ islamisch und nationalistischer geworden ist, sind nun regionale Verbündete.

Das Zeitalter der populistischen Führer

Was erklärt diesen Wandel im Verhältnis von Religion und Nationalismus? Ich meine, dass Populismus der Kitt ist, der sie zusammenbringt. Populisten behaupten oft, dass sie "das Volk" sowohl gegen Eliten als auch gegen Minderheiten, insbesondere Einwanderer, verteidigen. In jüngster Zeit haben populistische nationalistische Führer religiöse Symbole genutzt, um ihre Anhänger zu mobilisieren. Beispielsweise errichtete Putin 2016 in Paris am Ufer der Seine, in der Nähe des Eiffelturms, eine orthodoxe Kathedrale. Und im Jahr 2020 erklärte Erdoğan die Hagia Sophia erneut zur Moschee – sie war über ein Jahrtausend lang bis zur Eroberung Istanbuls durch die Osmanen im Jahr 1453 eine Kirche und etwa 500 Jahre lang eine Moschee, bis Atatürk sie zu einem Museum machte. Am 22. Jänner 2024 weihte der indische Premierminister Narendra Modi einen Hindu-Tempel in Ayodhya ein, an der Stelle einer Moschee, die 1528 erbaut, aber 1992 nach einem Jahrhundert voller Kontroversen um das Land gewaltsam zerstört worden war. Und obwohl der frühere US-Präsident Donald Trump keine Kathedrale errichtete, machte er in einem entscheidenden Moment – während der Black-Lives-Matter-Proteste im Juni 2020 – ein Foto, bei dem er eine Bibel hochhielt, als Zeichen seiner religiösen Politik gegen die Demonstranten. Mit solchen Taten zielen populistische Führer darauf ab, Religion und Nationalismus zu integrieren, um ihrer politischen Agenda zu dienen. Für religiöse Minderheiten könnte diese Symbolik jedoch bedeuten, dass sie zweitrangige Bürger sind.

Die Zukunft religiöser Minderheiten

In mehreren Ländern haben die Allianzen zwischen religiösen Kräften und populistischen Nationalisten die Rechte von Minderheiten bedroht. Ein solcher Fall ist Malaysia, ein ethnisch und religiös vielfältiges Land, in dem muslimische Malaien die Mehrheit stellen, während buddhistische, christliche und hinduistische Gemeinschaften ein Drittel der Gesellschaft ausmachen. Wie ich bei meinem jüngsten Besuch erfahren habe, steht der Islam im Mittelpunkt der politischen Debatten über den Nationalismus in Malaysia. So sagte etwa Mahathir Mohamad, der einst mächtige ehemalige Premierminister, im Jänner 2024, dass die ethnisch chinesischen und indischen Bürger Malaysias nicht völlig "dem Land gegenüber loyal" seien, und bot Assimilation als Lösung an.

Die Assimilation ethnischer Minderheiten an die Mehrheit darf nicht durch Sprache und Kultur eingeschränkt werden, denn die Verfassung des Landes verbindet den Islam und die malaiische Identität und besagt: "Malaiisch bedeutet eine Person, die sich zur Religion des Islam bekennt, gewöhnlich die malaiische Sprache spricht und sich dem Malaiischen anpasst." Für Malaysier und Konvertiten ist ein offizieller Austritt aus dem Islam keine Option – sowohl Zivilgerichte als auch Scharia-Gerichte haben dies in verschiedenen Fällen abgelehnt. Die starke Verbindung zwischen Religion und malaiischem Nationalismus hat dazu beigetragen, dass islamische Autoritäten wie Scharia-Gerichte und Scharia-Polizei ihren Einfluss ausbauen konnten. Die zunehmende Islamisierung der malaysischen Regierung bereitet jedoch nichtmuslimischen Minderheiten Sorgen. Unterdessen sind muslimische Minderheiten in mehreren nichtmuslimischen Ländern, die von populistischen Nationalisten regiert werden, um ihre Rechte besorgt.

Buddhistischer Kek-Lok-Si-Tempel, George Town, Penang, Malaysia.
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Laut dem Demokratiewächter Freedom House hat Modis Regierung in Indien eine diskriminierende Politik gegenüber der muslimischen Minderheit von etwa 200 Millionen Menschen verfolgt. Diese Politik umfasste die Zerstörung muslimischen Eigentums in einem Ausmaß, dass Bulldozer in Indien zu "hindunationalistischen" und "antimuslimischen" Symbolen wurden. In den Vereinigten Staaten umfasste Trumps einwanderungsfeindliche Politik den sogenannten "Muslim ban" – eine Exekutivverordnung, die Staatsangehörigen bestimmter Länder mit muslimischer Mehrheit die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagte.

Im Wahlkampf für die bevorstehenden Wahlen 2024 versprach Trump, das Verbot in erweitertem Umfang wieder einzuführen. Wie die Erfahrung vieler Länder auf der ganzen Welt zeigt, schränkt der Trend zur Förderung einer religiös-nationalistischen Agenda die Stimmen von Minderheiten ein. Dieser Trend stellt eine große Herausforderung für die Ideale der Demokratie und der Gleichheit der Bürger weltweit dar. Diese Bedenken sind für mich auch persönlich: Als muslimischer Amerikaner möchte ich sowohl weiterhin die gleiche Staatsbürgerschaft in den Vereinigten Staaten genießen als auch in Ländern mit muslimischer Mehrheit Vorträge über den Islam halten, ohne von der Polizei schikaniert zu werden. (Ahmet T. Kuru, 21.5.2024)