Buchbinderin Ira Laber
Ira Laber ist Buchbinderin. Vor ihr liegend sind eine Fadenbindung (links) und eine Klebebindung (rechts) zu sehen.
DER STANDARD/Christina Rebhahn-Roither

Ira Labers wichtigstes Werkzeug sind ihre Hände. Dicht gefolgt von Presse und Deckelschere. Wer nun an eine herkömmliche Haushaltsschere denkt, liegt ziemlich falsch. "Die hat ein wirklich riesiges Messer. Schaut ein bisschen aus wie eine Guillotine", sagt die Buchbinderin und erklärt, dass damit etwa Karton zurechtgeschnitten wird. Eine zunächst eher grobe Angelegenheit, die in ihrem Beruf jedoch mit Feinmotorik und Millimeterarbeit gepaart wird. In ihrer Sortimentbuchbinderei im 23. Wiener Gemeindebezirk stellt Laber in niedrigen Stückzahlen "alles her, was zwischen zwei Deckel passt": Bücher, Fotoalben, Schachteln und Karteikästen. Darüber hinaus kümmert sie sich auch um Reparaturen.

Deckelschere
Mit der Deckelschere wird unter anderem Karton zugeschnitten.
DER STANDARD/Christina Rebhahn-Roither

Bei einem Besuch in ihrer Werkstatt erklärt Laber, wie aus einzelnen Seiten ein Buch entsteht: Zuerst werden die Seiten entweder zusammengeklebt oder genäht, danach wird dieser sogenannte Buchkern geschnitten. Mit der großen Deckelschere schneidet Laber Karton, Leinen und Überzugspapier zurecht. Für die Buchdecke werden die einzelnen Kartonteile mit Leinen verbunden und mit Überzugspapier bezogen. Wenn gewünscht, kann Laber noch eine Prägung anbringen. Dann wird die Buchdecke mit Leim mit den Seiten verbunden. Kurz wird das Ganze gepresst und dann über Nacht beschwert liegen gelassen – dafür nutzt die Buchbinderin alte Bügeleisen oder auch manchmal Straßenbahnschienen.

Schritte beim Buchbinden
Fertig gebundene Bücher beschwert Laber unter anderem mit alten Bügeleisen.
DER STANDARD/Christina Rebhahn-Roither

Am Ende hält Laber dann fertige Bücher in den Händen – aber weiß sie dann auch über deren Inhalte Bescheid? "Ein bisschen liest man immer hinein", sagt die Buchbinderin und ergänzt, dass Gelesenes natürlich vertraulich behandelt wird.

Wenig Zeit bleibt Laber für Reparaturen an eigenen Büchern. "Für alle anderen mach' ich es – wie das oft ist bei Handwerkern." Was sich Laien von ihrer Arbeit abschauen können, verrät die Buchbinderin anhand drei praktischer Tipps:

1. Gerissene Seiten

"Bei Kinderbüchern passiert es wirklich oft, dass etwas einreißt. Beim Umblättern reißt zum Beispiel eine Seite, und dann denkt man sich, ich klebe das schnell mit einem Tixo. Wenn man das Kinderbuch aber aufheben möchte und dann seinen Kindern vielleicht für die Enkelkinder weitergeben will, ist dieses Tixo eine Katastrophe, weil das nicht mehr runtergeht. Es klebt über der Schrift, und wenn man es abzieht, reißt man die ganze Schrift mit. Irgendwann ist das Tixo dann auch weg, weil es nicht mehr klebt, aber der Klebstoff hat sich ins Papier gefressen.

Deswegen: entweder säurefreies Tixo verwenden oder eines, das man wieder abziehen kann, das ist auch ganz super. Oder wirklich gar nichts machen, warten, bis das Buch nicht mehr gelesen wird und zum Buchbinder bringen. Ich als Buchbinderin habe säurefreies Klebeband, aber auch eine Art Gewebe, das aufgebügelt und ganz durchsichtig wird. Das sind Papierfasern auf einer ganz dünnen Folie, die beim Schmelzen verschwindet. Diese Fasern verbinden sich dann mit dem Papier. Dann ist der Riss zu, und man kann wieder schön blättern."

2. Einfache Blockleimung für Zeichnungen und Rezepte

"Man kann auch selber eine Blockleimung machen. Für Kinderzeichnungen finde ich es keine schlechte Idee, oder für Kochrezepte kann ich es natürlich auch verwenden, wenn ich mir die ausdrucke. Dafür stapelt man das Papier schön, schiebt es etwas über die Tischkante und beschwert das wirklich gut. Ich würde den Stapel nicht dicker machen als einen Zentimeter, damit er nicht auseinanderbricht.

Dann streicht man mit einem Pinsel Leim drauf. Ein, zwei Stunden trocknen, und dann hat man schon ein kleines blockgeleimtes Buch. Man kann Bastelkleber verwenden, Holzleim geht auch zur Not. Nur keinen Uhu oder so, also nichts Durchsichtiges, weil das zu wenig elastisch ist. Das wird so trocken und steif, dass alles aufbricht."

Mit einem Pinsel wird Leim aufgetragen
Die Buchbinderin zeigt, wie man mehrere Seiten A4-Kopierpapier einfach selber binden kann. Der Stoß ragt ein bisschen über die Tischkante, dann wird Leim aufgetragen.
DER STANDARD/Christina Rebhahn-Roither

3. Bücher nicht schräg ins Regal stellen

"Es ist prinzipiell nicht gut, wenn Bücher in Regalen stehen. Eigentlich sollten sie liegen, aber dann ist es blöd zum Rausnehmen. Deswegen stehen sie natürlich, weil es einfach am platzsparendsten ist – und das funktioniert auch einige Jahre oder Jahrzehnte. Aber ich habe schon manchmal Bücher bekommen, die komplett verbogen sind, einfach nur durch dieses Stehen.

Wenn sie schon stehen, dann am besten ganz eng. Nicht so, dass man eines ein bisschen schräg stellt, damit die anderen nicht umfallen. Das ist schlecht, zumindest für das Buch, das alle anderen stützt. Buchstützen sind super, wenn das Regal nicht genau voll ist. Einen schweren Stein hinlegen reicht aber auch." (Christina Rebhahn-Roither, 20.5.2024)