Älterer Mann beim Tischlern
Viele können sich vorstellen, auch über 65 noch zu arbeiten, zeigt die Xing-Umfrage.
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Arbeiten bis 65 und dann endlich in die wohlverdiente ­Pension: Manche können es kaum erwarten, anderen Menschen mittleren Alters ist das offenbar gar nicht so wichtig. Nicht nur die steigende Lebenserwartung ist ein Grund dafür, dass viele Arbeitnehmende über 60 noch lange fit genug sind, um in der Erwerbstätigkeit zu bleiben, sondern für andere auch die immer höheren Kosten für die Lebenshaltung. Für den Arbeits- und Fachkräftemangel ist das ebenfalls eine von vielen möglichen Lösungen.

Die Jobplattform Xing veröffentlichte kürzlich den Silver-Workers-Report, durchgeführt von dem Marktforschungsinstitut Marktagent, bei dem die Stimmungslage von Österreicherinnen und Österreichern in der Altersgruppe 50 plus und ihre Motivation fürs Arbeiten im Pensionsalter analysiert wurden. Befragt wurden im März 2024 insgesamt 520 Personen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren.

Rund vier von zehn Befragten über 50 können sich demnach vorstellen, auch im Pensionsalter zu arbeiten. Etwa zwei Drittel glauben, körperlich fit genug zu sein, um auch über das 65. Lebensjahr hinaus einer Tätigkeit nachzugehen. Trotzdem ist der Anteil jener Personen, die ihren Ruhestand schon bald antreten wollen, am höchsten.

Spaß an der Arbeit

41 Prozent der Befragten gaben an, beim Erreichen des Pensionsalters ihren Ruhestand wirklich antreten zu wollen, 37 Prozent hingegen wollen sogar früher mit dem Arbeiten aufhören – tendenziell eher Männer als Frauen. Jede und jeder Zehnte will später als zum regulären Pensionsalter mit ihren Tätigkeiten aufhören.

Jene, die freiwillig verbleiben wollen oder eine Rückkehr ins Arbeitsleben über die gesetzliche Altersgrenze hinaus planen, gaben vor allem den Spaß an der Arbeit als Grund dafür an (54 Prozent). Mehr als die Hälfte schätzt außerdem den Kontakt zu den Mitmenschen durch den Job. Rund 38 Prozent wollen "weiterhin mitten im Leben stehen", und mehr als jede und jeder Dritte findet es gut, eine sinnvolle bzw. erfüllende Aufgabe zu haben.

Aber auch die finanzielle Lage ist für manche ein ausschlaggebender Punkt: Rund 35 Prozent wollen durch die längere Berufstätigkeit weiterhin Geld verdienen – auch dann, wenn sie nicht darauf angewiesen sind. Diesen Grund nannten vorwiegend Männer (43 Prozent versus 27 Prozent der Frauen). 30 Prozent würden zudem weiterarbeiten, wenn es für sie des Geldes wegen notwendig wäre.

Möglichkeiten schaffen

Allerdings möchte fast niemand der Befragten mehr als 30 Stunden die Woche arbeiten, nur neun Prozent nannten die Stundenanzahl als vorstellbar. Das populärste Arbeitszeitmodell in dieser Befragung ist die 20-Stunden-Woche, gefolgt von der geringfügigen Beschäftigung mit bis zu zehn Stunden pro Woche. Damit ältere Personen, die nach Pensionsantritt weiterarbeiten wollen, es auch können, müssen sie allerdings die Gelegenheit bekommen – vor allem dann, wenn sie nicht bei ihrem früheren Arbeitgeber bleiben können.

Denn eine Studie des AMS aus dem Vorjahr zeigt, dass etwa neben langzeitarbeitslosen vor allem Ältere bei Bewerbungen diskriminiert werden. Untersucht wurden dabei der Lebensmitteleinzelhandel und Elektroinstallation – und damit zwei Bereiche mit ausgeprägtem Personalmangel. Bei zwölf Prozent kam es demnach zu einer Schlechterstellung im Bewerbungsprozess. Petra Draxl, Vorstandsmitglied beim AMS, rief deshalb zu einem Umdenken bei den Firmen auf. Immerhin werden vor allem ältere Personen immer mehr: Seit 1990 hat sich die Anzahl der Erwerbstätigen über 50 verdreifacht. (mera, 13.5.2024)