Managerin mit Mitarbeitenden im Büro
Vor allem Führungskräfte im mittleren Management müssen den Draht zu ihren Mitarbeitenden gut aufrecht erhalten.
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Die Anforderungen an das Management werden immer gewichtiger: Führungskräfte sollen lange nicht mehr nur ihre Organisationsaufgaben erledigen und die Personalverantwortung tragen, sondern am besten enorme ökonomische Transformationen leiten, Mitarbeitende motiviert halten, einfühlsam sein sowie die Wünsche und Vorstellungen der Belegschaft ernst nehmen und mitbedenken.

Der Balanceakt zwischen der emotionalen Arbeit mit den Menschen in den eigenen Teams und dem Wandel im Unternehmen ist nicht immer leicht und setzt meist voraus, dass sich Führungskräfte auch selbst gut verstehen und an sich arbeiten. Michaela Kreitmayer ist Leiterin des Hernstein-Instituts für Weiterbildungen für Führungskräfte und selbst Coach. Im Interview erklärt sie, wie Leitungspositionen sich künftig verändern werden und warum auch das Setzen von Grenzen zu guter Führung gehört.

STANDARD: Führungskräfte sollen heute gewaltfrei kommunizieren, Wertschätzung zeigen, Flexibilität gewährleisten. Musste eine gute Chefin das nicht schon immer können?

Kreitmayer: Diese Ideale sind nicht ganz neu, haben aber in der heutigen Arbeitswelt besondere Bedeutung – vor allem für die jungen Generationen. Wertschätzende Kommunikation fördert ein positives Arbeitsumfeld. Wer sich wertgeschätzt fühlt, ist auch eher motiviert und bleibt im Unternehmen. Baut eine Chefin auch Hierarchien ab, können sich Mitarbeitende aktiver mit Ideen einbringen, was auch wieder die Zusammenarbeit und Ergebnisse verbessert.

STANDARD: Immer wieder heißt es, für die Gegebenheiten muss eine Führungskraft sich selbst gut kennen.

Kreitmayer: Ja, dabei hilft vor allem Reflexion. Außerdem sollten Vorgesetzte lernen, aktiv zuzuhören und ihr Team um Feedback zu bitten. In Weiterbildungen kann man die eigenen Verhaltensmuster und die eigene Haltung verbessern.

STANDARD: Wie genau bekommen Chefinnen und Chefs den Spagat vom Mensch im Mittelpunkt zu guten Unternehmensergebnissen hin?

Kreitmayer: Gerade wenn auf Augenhöhe geführt wird und Kooperation, Empowerment und Teamwork zentral sind, schlägt sich das auch in guten Unternehmensergebnissen nieder.

STANDARD: Das sind viele Punkte, die sicher nicht jeder Chef gleich gut beherrschen kann.

Kreitmayer: Wichtig ist zu wissen, was nicht die Aufgabe einer Führungskraft ist: Mikromanagement und Therapeut für die Mitarbeitenden zu sein. Man ist nicht für alle Probleme und Befindlichkeiten verantwortlich. Bei psychischen Problemen beispielsweise braucht es professionelle Hilfe.

STANDARD: Welche Rolle wird die empathische Führung in Zukunft einnehmen?

Kreitmayer: Das Konzept ist wichtig, um die Mitarbeitenden zu verstehen. Zuhören, Feedback geben und annehmen, lösungsorientiert aufeinander zugehen und bestmöglich mit gutem Vorbild voranzuschreiten sind wichtige Puzzlesteine der empathischen Führung. Kurz: klar in der Sache, empathisch in der Haltung.

STANDARD: Besonders das Mittelmanagement ist in dieser Sache gefordert. Wie sieht es hier künftig aus?

Kreitmayer: Jede Managementebene hat ihre Berechtigung. Die Verantwortung wandert über die Jahre tendenziell nach unten. "Sandwichmanager" sind gut beraten, immer wieder eine aktive Rollenklärung zu machen, wo sie stehen und welche Themen gerade hohe Priorität haben. Denn sie haben einen entscheidenden Vorteil durch ihre Stellung im Unternehmen. Die Nähe zu den Mitarbeitenden hilft, die Firmenkultur gut mitzuentwickeln und von den Jungen zu lernen, zum Beispiel bei Digitalisierungsprozessen. Immer wichtiger wird die Kompetenz, Veränderungsprozesse gut zu begleiten, denn das Tempo dieser steigt rasch an. (Melanie Raidl, 14.5.2024)