Die Badewanne des Linzer Szenografen und Kurators Gerald Priewasser-Höller war schon oft mit Eiswürfeln gefüllt. Und manchmal wird die Wohnung auch von Filmteams und hungrigen Soko-Schauspielern belagert.

"Gelbe Socken, gelbes T-Shirt, gelbe Decke auf der Couch, und dann auch noch die gelben Flecken an der Wand: Man glaubt es kaum, aber ich bilde mir ein, dass das alles Zufall ist. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Wand früher mal weiß und hellblau getupft war, so richtig omamamäßig. Ich habe sie im Schweiße meines Angesichts selbst geputzt, habe die alten Farbschichten mit Wasser besprüht, mit einem Spatel und Borstenpinsel abgekratzt und die restlichen Verunreinigungen dann tagelang mit einem Beserl und einem Schwamm entfernt. Eine Drecksarbeit! Und wahrscheinlich kann niemand nachvollziehen, warum man sich so eine Sisyphusarbeit antut, aber ich finde, es hat sich voll ausgezahlt. Ab und zu blitzen noch die Palmen und floralen Muster des allerersten Leimfarbanstrichs durch.

Gerald Priewasser-Höller lebt seit 27 Jahren im selben Haus, nur die Wohnung hat er öfter gewechselt.
Dietmar Tollerian

Den Fußboden haben wir neu gegossen, sämtliche Installationen liegen versteckt, insgesamt haben wir über 300 Laufmeter Rohre und Schläuche verlegt. Ich mag keine Lichtschalter, daher habe ich die Dimmer in den Küchenschubladen verborgen, auch die Arbeitsfläche ist ausziehbar, darunter versteckt sich dann der Herd und so weiter. Wenn man für sich selbst baut, natürlich mit vielen, vielen Helferleins aus dem Freundeskreis, dann verliert man irgendwann den Zugang zur Angemessenheit. Insgesamt hat der Umbau – genau deshalb – beinahe zwei Jahre gedauert. Ich glaube, heute würde ich mir den Wahnsinn nicht mehr antun.

Das Wohnhaus von Gerald Priewasser-Höller befindet sich im Stockhofviertel in der Nähe des Linzer Hauptbahnhofs.
Dietmar Tollerian

Ich hatte die Baustelle natürlich stark unterschätzt, ein klassisches Hinterholz 8-Phänomen, hatte aber auch das große Glück, genau in dieser Zeit meine Lebensgefährtin Barbara kennenzulernen. Und wie das so ist, haben sich damit auch die Anforderungen verändert. Dazu gehörte beispielsweise der Wunsch, stundenlang ein Bad zu nehmen. Und so wanderte kurzerhand noch eine Badewanne ins Wohnzimmer, womit dieses zu einer Wohnbadküche mutierte – mit Blick auf die alte Blutbuche oder auf den Fernseher. Im unbenützten Zustand kann man die Wanne zuklappen, dann wird sie zu einem Teil der Küche, beim Baden klappt man den Deckel auf und zieht die Vorhänge zu, schon hat man – fast – ein eigenes Badezimmer.

Von der Badewanne im Wohnzimmer aus lässt es sich gut fernsehen, zugeklappt ist sie andererseits ein Teil der Küche.
Dietmar Tollerian

Doch das Beste ist, dass die Badewanne nicht nur zum Baden taugt. Ich glaube, unsere Partys und Einweihungsfestln sind mittlerweile fixer Bestandteil im Kalender unserer Freunde und Bekannten. Ich kann kaum noch zählen, wie oft die Wanne schon mit Eiswürfeln und Bier- und Wodkaflaschen gefüllt war. Legendäre Momente, kann ich nur sagen! Es heißt, die Küche sei immer der kommunikativste Ort der Wohnung. Ha, hier wurde schon viel kommuniziert!

Überhaupt hat das Gebäude als WG-Haus mit vielen Bewohnerwechseln eine gewisse stadtbekannte Berühmtheit. Es befindet sich im Stockhofviertel in Linz, in der Nähe vom Bahnhof, und war einst vollgestopft mit Künstlerinnen- und Studenten-WGs. Ich selbst bin in das Haus vor 27 Jahren eingezogen und war hier schon auf fast allen Etagen daheim, habe mich also sukzessive von unten nach oben gewohnt. Mit der Zeit wurden einzelne Wohnungen veräußert, und dann stand auch noch ein Baukran vor der Tür. Diese 97 Quadratmeter große Wohnung war noch frei, also habe ich beschlossen, zuzuschlagen.

Ab und zu wird die Wohnung für Filmaufnahmen vermietet.
Dietmar Tollerian

Bekannt ist die Wohnung auch unter Location-Scouts im Film. Ab und zu vermieten wir die Wohnung für Werbeaufnahmen oder TV-Dreharbeiten. Zum Beispiel für eine bekannte Linzer Krimiserie, deren Kommissar Ben Halberg hier mal gewohnt hat. Es ist schon sehr lustig, wenn gerade eine Bettszene gedreht wird oder wenn man am Abend auf der Couch sitzt und einen Schinken-Käse-Toast mit Ketchup isst und fernschaut – und plötzlich sieht, wie der Schauspieler Daniel Gawlowski auf genau deinem Sofa sitzt und herzhaft in einen Schinken-Käse-Toast mit Ketchup hineinbeißt. Manchmal ist das Leben schon ein bissl surreal." (PROTOKOLL: Wojciech Czaja, 13.5.2024)