Polarlichter
Polarlichter leuchten in der Nacht auf Samstag über Klosterneuburg und Korneuburg.
APA/MAX SLOVENCIK

Ein außergewöhnliches Spektakel am Nachthimmel war in der Nacht auf Samstag in weiten Teilen Österreichs zu beobachten. Aufgrund der derzeit erhöhten Sonnenaktivität und der geringen Bewölkung waren vielerorts beeindruckende Polarlichter zu sehen. Auch Christian Möstl, Leiter des österreichische Weltraumwetterbüros der Geosphere Austria, betont gegenüber dem STANDARD, dass optimale Bedingungen gegeben waren: "Das perfekte Timing mit der Ankunft der ersten Stoßwelle mit 18:37 Uhr MESZ, die Geschwindigkeit und Stärke der Stürme, deren Wechselwirkung, und dass es auch noch in Österreich in weiten Teilen wolkenfrei war, da hat alles zusammengespielt. Das war wirklich fantastisch!"

Polarlichter Fusch
Auch über Fusch an der Großglockner Hochalpenstraße waren farbenfrohe Polarlichter zu sehen.
APA/EXPA/JFK

Laut dem Weltraumwetterprognosezentrum der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOAA) erlebt die Erde derzeit den ersten "extremen" Sonnensturm seit 2003. Der Sonnensturm der Stufe fünf auf der fünfstufigen Skala sei am Freitagabend (Ortszeit) beobachtet worden, erklärte die NOAA. Auch Möstl betont, dass die Magnitude des geomagnetischen Sturms nach wie vor auf dem höchsten Level seit November 2003 ist. "Fast hätte der Sturm sogar das noch geknackt, dann wäre es das stärkste Event sogar seit 1989 gewesen. Beziehungsweise gibt es sogar noch bis morgen die Möglichkeit, dass das auch noch übertroffen wird", sagt Möstl.

Nordlichter
Der Experte für Weltraumwetter Christian Möstl hat die Nordlichter gestern Nacht im Südburgenland beobachtet.
Foto: Christian Möstl

Der Sonnensturm werde voraussichtlich über das Wochenende anhalten. Neben den beeindruckenden Polarlichtern wurde jedoch auch vor Störungen gewarnt. GPS, Stromnetze, Raumschiffe, Satellitennavigation und andere Technologien könnten beeinträchtigt werden, teilte die NOAA mit. Die Behörden informierten Betreiber von Satelliten und Stromnetzen sowie Fluggesellschaften, um Vorsichtsmaßnahmen für mögliche Störungen zu ergreifen. Zuletzt war die als "extrem" eingestufte Kategorie fünf nach NOAA-Angaben im Oktober 2003 bei den sogenannten Halloween-Stürmen erreicht worden. Damals kam es demnach in Schweden zu Stromausfällen, in Südafrika seien Transformatoren beschädigt worden.

Beeindruckende Polarlichter

Die zweifellos positivste Auswirkung der Sonnenstürme auf der Erde sind beeindruckende Polarlichter. Beim aktuellen Event konnten diese sogar deutlich weiter südlich gesichtet werden als in den Regionen, in denen sie normalerweise zu sehen sind. Polarlichter entstehen in der Atmosphäre in einer Höhe von 70 bis 800 Kilometern: Die elektrisch geladenen Teilchen des Sonnenwindes treffen auf die Moleküle der Atmosphäre und regen diese an, wodurch Licht emittiert wird. Je nach Molekül und Höhe kommt es zu unterschiedlichen Farben: Grüne Polarlichter entstehen beispielsweise durch angeregte Sauerstoffatome in rund 120 Kilometer Höhe, rote durch Sauerstoffatome in etwa 200 Kilometer Höhe. Stickstoff wiederum erzeugt violette bis blaue Polarlichter.

Polarlichter
Ein einmaliger Anblick: Polarlichter über Wien.
APA/MAX SLOVENCIK

"Die meisten Beobachter haben in Österreich noch nie vorher so spektakuläre Nordlichter gesehen", sagte Michael Jäger, Obmann des Astronomischen Zentrums Martinsberg in Niederösterreich. Bis weit nach Mitternacht habe der Sonnensturm für einen farbenfrohen Nachthimmel gesorgt.

"Die Polarlichtaktivität dauerte mit Schwankungen in der Intensität die gesamte Nacht an", berichtete auch Erwin Filimon, der Obmann Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut von der Sternwarte Gahberg. "Neben den zumeist in unseren Breiten sichtbaren roten Polarlichtstreifen konnten auch die seltener zu sehenden grünen Polarlichterscheinungen beobachtet werden."

Plarlichter
Hellgrün und violett-rötlich leuchteten Polarlichter am Nachthimmel in Deutschland.
APA/dpa/Patrick Pleul

Nächste Chance Samstagnacht

Laut Geosphere Austria sind gute Beobachtungsbedingungen für Polarlichter in Österreich auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu erwarten. Wer sein Glück bei der Beobachtung von Polarlichtern versuchen will, erhält also laut Möstl definitiv eine zweite Chance.

Möstl geht davon aus, dass in der Nacht auf Samstag bis zu drei Sonnenstürme, die klar Richtung Erde gerichtet waren, angekommen sein dürften. "Es gab noch zwei bis drei weitere, die auch die Erde streifen können, daher würde ich auf jeden Fall heute nochmal versuchen, die Nordlichter zu sehen, wenn man interessiert ist", sagt Möstl. Für die Beobachtung hat der Wissenschafter noch einen praktischen Tipp: "Schon mit Handy-Kamera sind die Farben viel besser zu sehen, aber "Schleier" und "Vorhänge" hat man gestern auch wunderbar mit freiem Auge gesehen." Garantie für eine farbenprächtige Beobachtung gibt es leider nicht, denn die genaue Vorhersage von Sonnenstürmen ist nach wie vor ein ungelöstes Problem. "Aber die Chance ist sicher da!" (Tanja Traxler, APA, red, 11.5.2024)

Polarlichter Hessen
Auch über dem Taunus in Hessen war der Himmel in der Nacht auf Samstag in eine bunte Mischung von rot, rosa und orange gehüllt.
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