Flammen lodern aus einem Schornstein in Westeuropas größter Flüssigerdgasanlage Hammerfest
Fossile Energie hat weltweit nach wie vor einen großen Anteil im Energiemix. Banken unterstützen die fossile Expansion noch immer mit Milliarden Dollar.
REUTERS/Lisi Niesner

Wien – Europa ist zweifelsohne in der Energiewende angekommen. Der Ausbau erneuerbarer Energieträger schreitet voran. Ausbau und Umrüstung kosten viel Geld. Geld, das auch die Finanzindustrie zur Verfügung stellt. Denn auch die Transformation gehört finanziert. So lautet immer auch ein Argument großer Banken oder Fondshäuser als Begründung für ihre teils noch immer hohen Investments in fossile Energieträger, DER STANDARD hat berichtet.

Der aktuell erschienene Report "Banking on Climate Chaos" zeigt jedoch ein etwas anderes Bild. Demnach haben Banken allein im Vorjahr Finanzierungen von 705 Milliarden Dollar für fossile Industrien vergeben. Knapp die Hälfte davon floss aber in Unternehmen, die fossil expandieren. Erstellt hat den Report die US-Organisation Rainforest Action Network (RAN) gemeinsam mit der deutschen NGO Urgewald und sechs weiteren internationalen Plattformen. Laut Aussendung von Urgewald ist dieser Report die umfassendste Analyse zu den Finanzgeschäften der 60 größten internationalen Banken mit sämtlichen fossilen Industrien. Der Report offenbart, in welchem Umfang diese Banken mehr als 4200 Unternehmen aus den Sektoren Kohle, Öl und Gas seit 2016 mit Krediten und Wertpapiergeschäften ("Underwriting") unterstützt haben.

Grüne Transformation quo vadis?

In den acht Jahren nach Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens (2016–2023), bei dem sich 2015 die Staatengemeinschaft erstmals völkerrechtlich verbindlich darauf geeinigt hat, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, haben die 60 größten Privatbanken der Welt fossile Brennstoffe mit 6,9 Billionen US-Dollar finanziert. Fast die Hälfte davon (3,3 Bio. USD) flossen in den Ausbau fossiler Brennstoffe.

Die US-Bank JPMorgan Chase ist weltweit die Nummer eins bei der Finanzierung fossiler Brennstoffe und hat allein im vergangenen Jahr 40,8 Milliarden US-Dollar an Unternehmen aus fossilen Industrien zugesagt, 2022 waren es 38 Milliarden Dollar. JPMorgan Chase führt gleichzeitig das Feld an bei der Finanzierung für die Expansion fossiler Brennstoffe im Jahr 2023. Die japanische Bank Mizuho rückte im diesjährigen Bericht sowohl bei der Finanzierung fossiler Brennstoffe insgesamt (37 Mrd. USD) als auch bei der Finanzierung der Expansion fossiler Brennstoffe (18,8 Mrd. USD) auf den zweiten Platz international vor. Doch der größte Geldgeber für den Ausbau fossiler Brennstoffe seit Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens ist die Citibank aus den USA, die seit 2016 insgesamt 204 Milliarden US-Dollar für solche Unternehmen bereitgestellt hat.

Deutsche Bank groß im Geschäft

Österreichische Banken kommen in der Erhebung nicht vor. Institute aus Deutschland hingegen schon. Vor allem die Deutsche Bank ist bei Finanzierungen von Fossilen groß im Geschäft. Sie hat 2023 knapp 13,4 Milliarden Dollar für Unternehmen im fossilen Sektor vergeben, rund 9,2 Milliarden über Kredite und 4,1 Milliarden über Wertpapiergeschäfte. Die DZ Bank hat im Jahr 2023 insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar an fossile Industrien vergeben. Im internationalen Vergleich liegt die Deutsche Bank über den kompletten Untersuchungszeitraum (2016–2023) hinweg mit 132,4 Milliarden US-Dollar auf Rang 22 der wichtigsten Banken der fossilen Industrien.

Die DZ Bank liegt mit 12,4 Milliarden US-Dollar auf Platz 57. Bei der Deutschen Bank lässt sich im Zeitraum 2021 bis 2023 kein klarer Trend erkennen: Im Jahr 2021 versorgte sie Unternehmen aus dem fossilen Sektor mit rund 13 Milliarden US-Dollar, im Jahr 2022 sank dieser Wert auf zehn Milliarden US-Dollar, um im Jahr 2023 wieder deutlich anzusteigen auf 13,4 Milliarden US-Dollar – das gleiche Niveau wie bereits im Jahr 2020. Innerhalb Europas lag die Deutsche Bank im Jahr 2023, nach Barclays (24,2 Mrd. USD) und Santander (14,5 Mrd. USD) auf Platz drei der größten Banken für fossile Industrien.

Gute und schlechte Vorbilder

"Die größte Sorge der Wall Street ist ihr Profit, unsere Hauptsorge gilt dem Klima und den Menschenrechten", sagt April Merleaux, Research und Policy Manager bei Rainforest Action Network und Mitverfasserin des Reports. "Während die Banken, die vom Klimachaos profitieren, jedes Jahr neue Greenwashing-Märchen erfinden, zeigen unsere Daten, wie viel Geld sie tatsächlich in fossile Brennstoffe stecken", sagt Merleaux. Die Daten zeigten, dass die Finanzierung fossiler Brennstoffe durch Banken nicht annähernd schnell genug zurückgeht.

"Während die Welt dringend aus der Kohle aussteigen muss, haben nur fünf Prozent der globalen Kohleunternehmen Ausstiegstermine für ihr Kerngeschäft angekündigt", ergänzt Katrin Ganswindt, Leiterin der Finanzrecherche bei Urgewald und Co-Autorin des Reports. Die in Betrieb befindlichen Öl- und Gasquellen seien laut Ganswindt mehr als genug, "um uns noch bis 2050 mit Energie zu versorgen, dennoch erschließen 96 Prozent der Öl- und Gasproduzenten weiterhin neue fossile Anlagen". Doch es gebe auch Banken, die hier Vorreiter sind, nicht nur solche, die diese fossile Ignoranz finanzieren und mitschuldig an der Zerstörung unseres Klimas sind. Vorreiter wie Crédit Mutuel oder La Banque postale mit starken Klimarichtlinien "weisen den Weg zu einer klimafreundlichen Finanzindustrie", fasst Ganswindt zusammen. (Bettina Pfluger, 14.5.2024)