Sam Altman ist beliebter Interviewgast geworden, auch weil ihm gesellschaftspolitische Themen am Herzen liegen.
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Wenn der Chef von OpenAI etwas zum Thema Künstliche Intelligenz sagt, dann hört man besser zu. Mit ChatGPT hat er KI vor über einem Jahr auch im Mainstream zu einem Thema gemacht und wird nun gern und oft zu den unterschiedlichsten Themen befragt.

In der neuesten Ausgabe des US-amerikanischen "All-In Podcast" wurde das universelle Grundeinkommen zum Gesprächsthema, und auch dafür will Altman eine Antwort haben. Wie zu erwarten, hat sie mit seinem Steckenpferd zu tun: Künstlicher Intelligenz. Wie in Star Trek sollen vor allem Roboter unendlichen Wohlstand produzieren, den die Menschen nur noch unter sich aufzuteilen brauchen. Der Druck von monatlichen Rechnungen, die man nicht bezahlen kann, soll laut dem CEO endgültig der Vergangenheit angehören.

Regelmäßige Geldzahlungen

Um jenen zu helfen, die finanziell unter Druck geraten sind, will Altman jedem und jeder Zugang zu einem künftigen GPT-7 geben – also einer Weiterentwicklung aktueller Sprachmodelle, die derzeit etwa in Microsofts "Copilot" zu finden sind, die der US-Konzern derzeit stark bewirbt und in die er sehr viele Millionen Dollar investiert, damit die Weiterentwicklung nicht aufhört.

Altman geht davon aus, dass die genutzte Künstliche Intelligenz in seinen Sprachmodellen immer fortschrittlicher wird und in sämtlichen Lebensbereichen eine Rolle spielen wird. Wichtig sei deshalb, dass Menschen Zugang zu diesen Möglichkeiten haben. "Sie können es für sich nutzen, weiterverkaufen oder jemandem spenden, der es für die Krebsforschung verwenden kann", erklärt Altman seine Idee. Würde man einen Teil dieser KI besitzen, sei das "mehr wert als Geld". Man besäße "einen Teil der Produktivität". Somit wäre sein Large Language Model (LLM) eine Form des universellen Grundeinkommens, das jeder individuell nutzen und im Idealfall vergrößern könnte.

Schon oft hat sich der OpenAI-Chef für ein universelles Grundeinkommen ausgesprochen, bisher aber immer in Form regelmäßiger Geldzahlungen. Nie soll es laut Altman damit verbundene Verpflichtungen geben, und sie sollen an jeden Erwachsenen unabhängig von Status und aktuellem Arbeitsverhältnis ausgezahlt werden. Wie viele andere in der Tech-Branche sieht auch Altman solch ein Netz als Absicherung speziell für jene Leute, deren Jobs durch KI in den nächsten Jahren abgeschafft werden könnten.

Selbstversuch

Bereits 2016 machte Altman ein eigenes Experiment in diesem Bereich. Business Insider titelte damals: "Die Geschichte eines Mannes, der allen Amerikanern Geld bedingunglos schenken möchte". Das damals ins Leben gerufene Programm sah über einen Zeitraum von drei Jahren monatliche Auszahlungen in Höhe von 50 bis 1000 Dollar für etwa 3000 Menschen vor. Derzeit befinden sich die Ergebnisse dieser Studie in Ausarbeitung, Ende des Jahres sollen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Auch in Europa gab es schon vergleichbare Programme, etwa in Finnland oder den Niederlanden. Den großen Durchbruch hat die Idee allerdings noch nicht geschafft. Kritiker sehen das Modell ausschließlich für Menschen geeignet, die nicht arbeiten gehen wollen. Passend dazu hat hat der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaats Texas kürzlich ein Programm in der Region Houston blockiert. Dort hätten Menschen mit geringem Einkommen ebenfalls bedingungslos 500 Dollar pro Monat erhalten sollen, um besser über die Runden zu kommen.

Die Antwort, wie er seine neue Idee wirklich umsetzen will, blieb Altman in diesem Podcast schuldig. Dennoch scheint ihn die Idee weiter zu verfolgen. Vielleicht auch deshalb, weil seine KI für den einen oder anderen Stellenabbau in den nächsten Jahren verantwortlich sein könnte. (aam, 13.5.2024)