100-Euro-Banknoten in Stapeln
Die größten Vermögensbrocken entfallen in Österreich nach Daten der Nationalbank nicht auf Unternehmensvermögen.
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Die enorm ungleiche Vermögensverteilung sowie die im internationalen Vergleich ausgesprochen geringe Besteuerung von Vermögen in Österreich sind hinlänglich belegt. Das Hauptargument gegen die Vermögenssteuer ist die Gefährdung von Betriebskapital. Wir denken deshalb bei der Vermögenssteuer immer an eine Gruppe, die unternehmerisch tätig und reich ist. Bei einem Vertreter der Industriellenvereinigung wird das auch der Fall sein. Doch selbst Industrielle haben neben ihrem Unternehmensvermögen, das zum Beispiel in einer GmbH steckt, ein Privatvermögen. Das kann ein Penthouse sein, eine Eigenjagd, ein Girokonto oder Aktiendepot. Womöglich haben sie dieses Vermögen sogar in eine Privatstiftung eingebracht. Bei wohlhabenden Unternehmerinnen und Unternehmern kommen also zwei Sphären zusammen: Betriebs- und Privatvermögen.

Es ist keineswegs so, dass alle, die unternehmerisch tätig sind, auch vermögend sind. Von den 350.000 Klein- und Mittelbetrieben in Österreich verfügen weniger als fünf Prozent über ein Eigenkapital von mehr als einer Million Euro. Aber lassen wir die große Gruppe der nicht reichen Unternehmerinnen einmal außen vor, wenden wir uns lieber dem betuchten Nichtunternehmer zu.

Große Vermögensbrocken

Wer ist damit gemeint? Vorstandsmitglieder von großen Konzernen sind beispielsweise Dienstnehmerinnen. Sie verdienen Millionen, sind aber eben keine Unternehmerinnen. Sie besitzen im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit null Unternehmensvermögen und tragen kein unternehmerisches Risiko. Das Gleiche gilt für Top-Bankerinnen, Spitzenärzte oder Menschen, die erfolgreich an der Börse spekulieren. Ganz besonders trifft es auf jene zu, die große Vermögen erben, aber einen Durchschnittsjob haben oder gar nicht arbeiten. Alle diese Gruppen haben Immobilien, Aktien und Geld auf dem Konto – also Privatvermögen, aber kein Unternehmensvermögen. Aber wie viel macht das Privatvermögen, das nicht in Unternehmen steckt, insgesamt aus?

Laut Nationalbank (OeNB) entfallen nur rund 17 Prozent des Gesamtvermögens auf Unternehmensvermögen. Das liegt dann vor, wenn die Eigentümerin auch im Betrieb aktiv ist. Bei einem Familienbetrieb würde zum Beispiel die Unternehmerin in ihrer Funktion als Eigentümerin Vermögenssteuer zahlen und nicht die Firma. Auf Finanzvermögen entfallen 14 Prozent. Das können Staatsanleihen oder Aktien sein. Der Unterschied ist wichtig: Auch die OMV würde als Aktiengesellschaft keine Vermögenssteuer zahlen. Aber da es bei einer Aktiengesellschaft keinen Unternehmer gibt, sondern nur Eigentümer – die Aktionärinnen und Aktionäre –, würden diese als Individuen die Vermögenssteuer zahlen.

"Unternehmer und Reiche sind nicht das Gleiche!"

Der größte verbleibende Brocken entfällt auf Immobilien. Auf diese Vermögensklasse – von der Zweizimmerwohnung bis zum ganze Täler umfassenden Waldbesitz – entfallen 63 Prozent. Es ist auffällig, dass es neben dem Unternehmensvermögen – selbst wenn es deutlich unterschätzt wird, wovon auszugehen ist – noch andere große Vermögensbrocken gibt. Und auch bei Immobilien ist die Vermögenskonzentration erheblich. Das unterstreicht die Vermutung: Unternehmer und Reiche sind nicht das Gleiche! Beim Thema Vermögenssteuer wird das Argument, sie träfe Unternehmen, bloß vorgeschoben, um Reiche zu schützen.

Lohnnebenkosten senken

Das bedeutet aber auch: Eine kluge Steuerreform kann die Reichen treffen, ohne Unternehmen zu belasten. Nehmen wir an, wir hätten eine Vermögenssteuer ab einer Million Euro Nettovermögen. Für Unternehmensvermögen nach Nationalbankdefinition, also dort, wo unternehmerische Tätigkeit und Eigentum zusammenfallen, gäbe es einen reduzierten Steuersatz, um die wirtschaftliche Tätigkeit des Unternehmens wenig zu beeinflussen. Im Gegenzug zur Vermögenssteuer käme es zu einer Entlastung des Faktors Arbeit. Diese könnte zwischen den Unternehmen und den Beschäftigten aufgeteilt werden. Die Unternehmen erhielten so eine Entlastung von beispielsweise zwei Milliarden Euro, müssten aber bei weitem nicht die Hälfte der Vermögenssteuer zahlen. Denn das Gros der Steuer zahlen ja nicht Unternehmerinnen, sondern die Reichen, da Immobilien- und Finanzvermögen laut OeNB ja rund 80 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen und der Steuersatz für Unternehmensvermögen reduziert wäre.

So hätte unterm Strich ein Industrieller in seiner "Funktion" als "Reicher" nicht nur den Arbeitnehmerinnen, sondern auch seinem eigenen Unternehmen die Abgabenentlastung finanziert. Und nicht-unternehmerische Reiche wie zum Beispiel Top-Managerinnen, Erben großer Vermögen sowie Spekulanten wären nach diesem Modell der Vermögenssteuer die hauptsächlichen Steuerträger. Durch dieses Modell der Vermögenssteuer würde volkswirtschaftlich wenig produktives Vermögen angezapft, ohne unternehmerische Tätigkeit zu beeinträchtigen. (Nikolaus Kowall, 14.5.2024)