Der Algorithmus durchsucht innerhalb weniger Sekunden das Bankkonto der Wohnungssuchenden – und fällt sein Urteil, ob diese sich die Wohnung leisten kann oder nicht. Was futuristisch klingt, ist am Wiener Wohnungsmarkt bereits angekommen.

Der Weg zum Wohnungsschlüssel ist für viele sehr weit geworden.
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Aber nicht nur das Einkommen ist bei der Wohnungssuche großes Thema, auch nach Haustieren, Lebensgewohnheiten und der Herkunft wird gefragt. Dem kann man sich zwar auch verweigern, "aber dann bekommt man die Wohnung nicht", sagt der Ethnologe Georg Wolfmayr. Er ist Co-Autor einer im Journal "Housing Studies" publizierten Studie der Universität Wien, für die Wohnungssuchende, Makler und Vermieter interviewt wurden. Ein Ergebnis: Das Machtgefälle bei der Suche nach einer leistbaren Wohnung wird größer.

Der ideale Mieter

Das heißt: Selbst wenn der erwähnte Algorithmus grünes Licht gibt und man sich als haustierlose Nichtraucherin geoutet hat, reicht das noch nicht. "Es geht nicht mehr darum, ein guter Mieter zu sein", sagt die Sozialwissenschafterin Susanna Azevedo, Co-Autorin der Studie. "Es geht darum, ein idealer Mieter zu sein." Was genau das bedeutet, lässt sich in der Regel aber nur erahnen.

Laut Azevedo brezeln sich viele für die Besichtigung daher auf und kehren im Smalltalk bei der Wohnungsbesichtigung ihr Interesse für Kultur und Natur hervor. "Die Mieter machen teilweise ihre Privilegien sichtbar und reproduzieren bürgerliche Werte", sagt Azevedo. Besonders schwer haben es laut Studie Nicht-EU-Bürger und People of Colour: "Viele versuchen dann, so wenig ausländisch wie möglich rüberzukommen", etwa, indem österreichische Freunde zum Termin mitgenommen werden.

Mehr Wohnungen

Am Ende geben Vermieterinnen und Makler häufig an, dass ihr "Bauchgefühl" eine wichtige Rolle spielt. "Das ist die schwierigste Kategorie", sagt Azevedo, "denn je näher einem ein Mensch soziokulturell ist, desto mehr wird man ein gutes Bauchgefühl haben."

Was laut den Studienautoren helfen würde: standardisierte Verfahren bei der Wohnungssuche – und mehr leistbare Wohnungen. (zof, 15.5.2024)