Elon Musk will geschasste Mitarbeiter zurückholen. Nicht zum ersten Mal rudert der Tesla-CEO zurück.
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Der Elektroautohersteller Tesla hat Ende April überraschend einen personellen Kahlschlag durchgeführt. CEO Elon Musk kündigte damals an, rund zehn Prozent der Belegschaft zu kündigen, tatsächlich dürften aber rund 20 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor die Tür gesetzt worden sein. Das führte zu Kopfschütteln in der Fachwelt, vor allem weil Musk ausgerechnet jenes Team feuerte, das für den Ausbau des Supercharger-Netzwerks verantwortlich war – einer der wenigen Sparten, in denen Tesla noch ein Wachstum verzeichnen konnte.

Nun scheint auch Musk den Fehler eingesehen zu haben und rudert mit voller Kraft zurück. Einem Bericht von Bloomberg zufolge bemüht sich Tesla nun, einige ehemalige Mitglieder des Teams wieder zurückzuholen.

Allen voran steht Max de Zegher, der Leiter der Abteilung Charging für Nordamerika. De Zegher war einer der Topmanager unter der Teamleiterin Rebecca Tinucci, die ebenfalls vor drei Wochen gehen musste, genauso wie ihre 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie viele Angestellte der Supercharger-Abteilung zurückgeholt werden, ist noch nicht klar. Weder Musk noch de Zegher haben sich bislang zu den Vorgängen bei Tesla geäußert.

Die Auflösung des Teams durch Musk hat die gesamte Elektrofahrzeugbranche überrascht, da die Supercharger wohl das ausgefeilteste Produkt von Tesla waren. Im vergangenen Jahr überzeugte das Unternehmen viele Konkurrenten davon, die Tesla-Steckdosen als Industriestandard zu übernehmen, und ging Vereinbarungen mit vielen der weltweit größten Hersteller ein. Das Ziel: das Supercharger-Netzwerk für die Kunden anderer Elektroautohersteller zu öffnen. Die Ladeinfrastruktur umfasst mittlerweile 6200 Stationen mit 57.000 Anschlüssen.

Musks Schlingerkurs

Die Kündigung des gesamten Teams brachte Musk enorm laute Kritik, auch von Investoren, ein. Der Milliardär betonte mehrfach via X, vormals Twitter, dass die Entwicklung des Supercharger-Netzwerks weitergehe, aber nicht mehr in dem bisherigen Tempo. Außerdem werde man sich mehr auf den Ausbau bestehender Standorte konzentrieren. Auch das beruhigte die Anleger nicht. Musk reagierte daraufhin in der Vorwoche mit der Ankündigung, noch in diesem Jahr "weit über" 500 Millionen Dollar in den Ausbau des Tesla-Ladenetzes zu investieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Musk impulsiv Sparmaßnahmen ansetzt, nur um später zurückzurudern. Im Jahr 2019 kündigte er an, dass Tesla die meisten seiner Stores schließen und den Verkauf online abwickeln werde. Das Verkaufsteam war überrumpelt, und die Vermieter weigerten sich, Tesla vorzeitig aus den Verträgen zu entlassen. Der CEO musste zehn Tage später den Retourgang einlegen und die Ankündigung zurücknehmen. Musk erhöhte stattdessen die Fahrzeugpreise. Ähnliches spielte sich Ende 2022 bei Twitter ab: Kurz nachdem Musk etwa die Hälfte der Belegschaft entlassen hatte, wurden dutzende Mitarbeiter gebeten zurückzukehren.

Geleakte Kündigungsmail

Musk hat die Kündigungen immer wieder als völlig normal darzustellen versucht. Die Sparmaßnahmen würden es dem Unternehmen ermöglichen, "agil" zu bleiben. Außerdem seien derartige Restrukturierungen in der Geschichte des US-Elektroautobauers immer wieder erfolgt.

Unterdessen sorgt eine geleakte Kündigungsmail von Tesla für Aufsehen. Einer der rund 14.000 gekündigten Mitarbeiter hat seine Benachrichtigung mit dem gefürchteten Betreff "Employment Status" erhalten und veröffentlicht. Der Ton wirkt extrem kühl, wie The Verge berichtet. Hier die Übersetzung:

"Ich wende mich an Sie, um Ihnen mitzuteilen, dass nach einer sorgfältigen Prüfung Ihrer dauerhaften Arbeitseinschränkungen und Ihrer Rolle festgestellt wurde, dass es keine angemessenen Vorkehrungen gibt, die es Ihnen ermöglichen würden, die wesentlichen Funktionen Ihrer Position in Ihrer Rolle auszuführen. Der nächste Schritt im interaktiven Prozess ist die alternative Stellensuche (AJS-Prozess), die darin besteht, die interne und externe Stellenbörse von Tesla zu überprüfen, um potenzielle Stellen zu ermitteln. Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass wir keine offenen Stellen gefunden haben, für die Sie qualifiziert erscheinen. In Anbetracht der jüngsten Veränderungen im Unternehmen gehen wir derzeit auch nicht davon aus, dass in nächster Zeit solche Stellen zu besetzen sind. Daher teilen wir Ihnen mit, dass wir beabsichtigen, das AJS-Verfahren zum jetzigen Zeitpunkt zu beenden. Da wir keine andere verfügbare Stelle gefunden haben, werden wir mit der Bearbeitung Ihres Ausscheidens aus dem Arbeitsverhältnis mit Tesla beginnen, das am 3. Mai 2024 endet." (pez, 14.5.2024)