Die Wartezeiten auf MRTs im niedergelassenen Bereich sorgen derzeit wieder für viel Kritik. Vertreter bildgebender Institute fordern mehr Geräte, um Kassenpatientinnen und -patienten zu durchleuchten. Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) sieht diese kritisch: Es gebe andere Schrauben, an denen man drehen sollte, meint der IHS-Forscher im STANDARD-Gespräch. Wenngleich die Nachfrage gestiegen ist: aufgrund des Bevölkerungswachstums und weil es immer mehr ältere Menschen gibt. Der Trend zu mehr bildgebenden Verfahren zeigt sich auch international seit Jahren.

MRT Hirnscan Krankenhaus Magnetresonanztomographie
Die Magnetresonanztomografie (MRT) macht mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen Körperinneres Schicht für Schicht sichtbar.
Heribert Corn

Nach IHS-Forschungen gibt es in Österreich allerdings "sehr große Unterschiede im Überweisungsverhalten" von Ärztinnen und Ärzten. Wenn man die Daten nach Bezirken vergleiche, seien 70 Prozent der Unterschiede zwischen den Bezirken nicht durch Faktoren wie Altersstruktur oder Gerätedichte erklärbar, sagt Czypionka. Außerdem würden Zuweiser oft auch zu wenige Informationen an die bildgebenden Institute liefern, wodurch Untersuchungen immer wieder wiederholt werden müssten. Was ebenfalls auffalle, ist, dass zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, die ein MRT machen ließen, danach keinen weiteren Arztkontakt hätten. Und es würden "reihenweise MRTs gemacht, die keine klinische Relevanz haben", sagt Czypionka. Das blockiere MRT-Geräte für dringende Fälle.

Es komme oft zu Bagatelldiagnosen, die kein MRT bräuchten, pflichtet ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer im STANDARD-Gespräch dem IHS-Forscher bei. Mehr Aufklärungsarbeit und Informationen für Ärztinnen und Ärzte seien da notwendig. Im niedergelassenen Bereich seien die Geräte derzeit jedenfalls "sehr stark in Anspruch genommen". Nach seinem Eindruck würden Spitäler Untersuchungen "massiv nach draußen verlagern", sagt Wurzer. Die Kliniken seien aber dazu verpflichtet, bildgebende Verfahren, die es zur OP-Vorbereitung brauche, selbst zu machen. Die Patientinnen und Patienten dafür in den niedergelassenen Bereich zu schicken, sei ein "No-Go", so der ÖGK-Generaldirektor. Ein Ausbau der Kooperationen zwischen Spitälern und niedergelassenem Bereich, die es auch bereits gebe, sei denkbar.

Spitäler halten Slots frei

Im Spital müsse man rund um die Uhr Untersuchungsslots für Akutpatientinnen und -patienten bereithalten, daher könnten Geräte nicht wie im niedergelassenen Bereich permanent belegt sein, heißt es beim Wiener Gesundheitsverbunds (Wigev). Die bildgebenden Verfahren im Vorfeld von OPs mache man aber ohnehin in den Kliniken, sagt ein Sprecher.

Aktuell verfügt der Wigev nach Eigenangaben in seinen Häusern (exklusive AKH) über zehn MRT-Geräte, voriges Jahr seien rund 36.500 Untersuchungen gemacht worden (zum Vergleich: in Vertragsinstituten im niedergelassenen Bereich wurden mit der ÖGK mehr als 827.000 Untersuchungen abgerechnet). Da die Radiologie zu den Mangelfächern gehöre, sei die Konzentration auf den definierten Versorgungsauftrag im Akutbereich essenziell, heißt es aus dem Pressebüro des Wigev. Bei den Wiener Ordensspitälern gibt es drei MRTs, ein weiteres befindet sich in Bau. Grundsätzlich stehe in den Krankenanstalten "weniger die Frage der Auslastung im Vordergrund", heißt es weiters, da es "notwendig werden kann, dass stationäre Patientinnen und Patienten eine akute Diagnostik benötigen". Ein begrenzender Faktor sei aber auch "der hohe Bedarf an zusätzlichem Fachpersonal".

Österreicherinnen und Österreicher legen sich oft in die Röhre: Im internationalen Vergleich mit 33 anderen OECD-Staaten in der Studie "Health at a Glance" ist das Land mit 160 MRTs pro 1000 Einwohner Spitzenreiter. Wobei laut Czypionka die Vergleichbarkeit der Zahlen nur eingeschränkt gegeben sei. Klar ersichtlich ist daraus aber, dass mehr als zwei Drittel davon im extramuralen Bereich, also außerhalb der Spitäler, gemacht werden.

Bis zu 62 Tage Warten in Wien

Fakt ist: Derzeit wartet man lange auf ein MRT. Die drei Institute mit den längsten Wartelisten in Wien weisen auf der Website der Sozialversicherung 40 bis 62 Tage Wartezeit aus. Dabei müssten Patienten für MRT-Untersuchungen maximal binnen 20 Arbeitstagen einen Termin bekommen, in dringenden Fällen schneller. Diese Vorgabe gilt seit 2017. Auch einzelne Institute in Vorarlberg und Oberösterreich haben ähnlich lange Wartezeiten.

Die Zahl der Zuweisungen soll sich jedenfalls stark erhöht haben: jährlich um fünf Prozent, heißt es von Vertretern der bildgebenden Institute aus der Fachgruppe Gesundheit der Wirtschaftskammer Wien. Geräte gebe es seit 2009 aber nur um eines mehr. Die Zahl der MRT-Geräte mit auf Kasse abrechenbaren Untersuchungen wird vom Großgeräteplan des Österreichischen Strukturplans Gesundheit (ÖSG) vorgegeben. Der ÖSG wird wohl Ende Juni bei der Sitzung der Bundeszielsteuerungskommission, in der Vertreter der Bundesländer, der Sozialversicherung und des Bundes sitzen, ein Thema sein. (Gudrun Springer, 14.5.2024)