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Claude begrüßt Europa.
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Am 14. Mai hat das von Alphabet und Amazon unterstützte Unternehmen Anthropic seinen ChatGPT-Konkurrenten Claude auch in Europa offiziell zugänglich gemacht, der STANDARD konnte sich in einem ersten Versuch bereits einloggen und mit dem KI-Bot chatten. Neben der Webversion gibt es auch eine App für iOS, jedoch nicht für Android.

Mit Interesse wird dieser Schritt auch verfolgt, weil Open AI – das Unternehmen hinter ChatGPT – vom Google-Konkurrenten Microsoft unterstützt wird. Google wiederum hat mit Gemini zusätzlich ein eigenes Large Language Model (LLM), welches hierzulande ebenfalls verfügbar ist. Laut einem Bericht von Reuters könnte so ein Konkurrenzverhältnis zwischen Anthropic und einem seiner Geldgeber, der Google-Mutter Alphabet, entstehen. Eine weitere Verbindung zwischen Anthropic und Open AI ist, dass Anthropic von den Geschwistern Dario und Daniela Amodei gegründet wurde, die zuvor für Open AI gearbeitet hatten.

Im März hatte Anthropic sein jüngstes Modell, Claude 3, veröffentlicht, welches Medienberichten zufolge in manchen Tests die Leistung von Open AIs GPT-4 übertraf. Open AI wiederum hatte am Tag vor Claudes Europa-Start GPT-4o vorgestellt, welches unter anderem durch Spracherkennung und realistischere Stimmerzeugung punkten soll. Ebenso wird erwartet, dass Google neue KI-Funktionen auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O vorstellen wird, die ebenfalls am Dienstag beginnt.

Preismodelle

Neben der kostenlosen Version können Geschäftskunden auch auf das "Claude Team"-Preismodell zugreifen, welches 28 Euro (exkl. USt) pro Monat und User kostet. Das "Pro"-Preismodell kommt preislich auf 18 Euro (exkl. USt).

Das kostenlose Modell bietet eine begrenzte Anzahl an Nachrichten mit dem Modell "Claude 3 Sonnet". Das Pro-Modell bietet das fortschrittlichste Claude-Modell, Claude 3 Opus, sowie priorisierten Zugang bei starker Nachfrage und früheren Zugang zu neuen Funktionen. Im Team-Modell sind höhere Nutzungsraten, zentrale Abrechnung und Administration sowie früherer Zugang zu neuen Collaboration-Features integriert.

Was Claude kann – und was nicht

Im ersten Kurztest scheiterte Claude wie viele andere KI-Bots daran, Echtzeitinformationen – wie etwa das aktuelle Wetter in Wien – aus dem Web abzurufen. Betont wird seitens Anthropic aber, dass Claude besonders gut im Zusammenfassen langer Texte sei: Das könnte das LLM für Anwendungen in der Forschung oder im Rechtsbereich attraktiv machen. Auch behauptet man, dass Claude deutlich weniger "Halluzinationen" – also Falschinformationen – ausspucke als die KI-Bots der Konkurrenz.

Im Test war es leider nicht möglich, ein 52 Seiten langes Positionspapier hochzuladen und interpretieren zu lassen, mit einer kurzen Presseaussendung im PDF-Format klappte es jedoch auf Anhieb. Auch handgeschriebene Notizen kann Claude angeblich interpretieren. Doch auch das funktionierte nicht fehlerfrei: Aus "Wie nehmen wir den Menschen die Angst vor dem technologischen Wandel und begreifen ihn als große Chance?" machte der Bot das nicht nur inhaltlich, sondern auch grammatikalisch ausbaufähige "Wie nehmen wir den Menschen die Angst vor der technologischen Wandel und begrenzen ihr als große Chance?".

Mit Claude ist es nicht möglich, Bilder zu erstellen oder zu bearbeiten, allerdings kann das LLM Bilder erkennen und interpretieren. Im Kurztest erkannte das Modell – auch an der Aufschrift des Autos – einen selbstfahrenden Bus von VW, nicht aber, dass es sich dabei um eine Variante des bekannten ID-Buzz handelte. (stm, 14.5.2024)