Camila Giorgi
Camila Giorgi feierte 2018 in Linz einen ihrer vier Titel auf der WTA-Tour.
IMAGO/David Kirouac

Rom – Das Verschwinden von Camila Giorgi sorgt nicht nur in ihrer italienischen Heimat für Rätselraten. Die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin ist abgetaucht und hat am vergangenen Wochenende sehr plötzlich ihr Karriereende erklärt. Ihren "lieben Fans" teilte sie am Sonntag via Instagram mit: "Ich bin glücklich, offiziell meinen Rücktritt vom Tennissport zu verkünden." Sie sei "dankbar für die wunderbare Liebe über so viele Jahre". Zuvor war über ihr plötzliches Karriereende spekuliert worden, weil die International Tennis Integrity Agency (ITIA) auf ihrer Homepage Giorgi als "im Ruhestand" listete.

Der Aufenthaltsort der 32-Jährigen aus Macerata ist nicht bekannt, an möglichen Gründen für ihre Flucht aus der Öffentlichkeit mangelt es nicht. Giorgi hat Probleme mit den Steuerbehörden und der Justiz Italiens. Laut Gazzetta dello Sport hat die Siegerin von vier WTA-Turnieren, darunter Linz 2018, Steuerschulden in Höhe von fast einer halben Million Euro, das Finanzamt fahnde nun nach der Familie, könne sie aber nicht aufspüren. Über die gesamte Karriere verdienste Giorgi knapp sechs Millionen Euro an Preisgeldern.

Zudem wird Giorgi verdächtigt, 2022 ungeimpft und mit gefälschtem Impfpass zu den Australian Open gereist zu sein. Damals war eine Impfung für die Einreise verpflichtend, Novak Djokovic wurde deshalb des Landes verwiesen. Giorgi bestritt die Vorwürfe bisher, am 16. Juli soll sie sich in Verona vor Gericht verantworten.

Neuorganisation

Einst war Giorgi die Nummer 26 der Welt, noch immer wird sie von der WTA auf Position 116 geführt. Ihr letztes Spiel bestritt sie im März in Miami, ein 1:6, 1:6 gegen die polnische Weltranglistenerste Iga Swiatek. Auch jetzt, so wird vermutet, dürfte Giorgi sich in den USA aufhalten. Die WTA soll versucht haben, Kontakt zu Giorgi aufzunehmen, aber laut italienischen Medien waren weder sie, noch ihre Eltern telefonisch erreichbar.

Mittlerweile haben sich die rechtlichen Vertreter der Familie Giorgi öffentlich geäußert. Die Tennisspielerin habe Italien verlassen, "sie hat sich eine Ruhepause genommen und will entscheiden, wie sie ihr Leben nach Ende der Sportkarriere organisiert", werden die Anwälte Federico Marini und Cristian Carmelo Nicotra in der Gazzetta zitiert. Diese "Pause" habe weder mit dem Fiskus noch mit den juristischen Problemen Giorgis zu tun. Sie werde "bald" nach Italien zurückkehren und ihre Position klären. (red, sid, 14.5.2024)