In der ersten Runde Probewohnen im Südburgenland ist am vergangenen Wochenende schon einmal alles gutgegangen. "Wir sind zufrieden, die Gemeinde Deutsch Kaltenbrunn ist zufrieden, und die Familie, die bei uns war, ist es auch", fasst es Roland Deutsch zusammen. Er ist Projektmanager von Südburgenland plus, einer lokalen Aktionsgruppe, die als Verein organisiert ist und der 115 private Mitglieder und 71 Gemeinden des Südburgenlands angehören. Mit "Mein Südburgenland" versucht man, aktiv dem Bevölkerungsrückgang in der Region gegenzusteuern. Das aktuell aufsehenerregendste Projekt sind die "Schnuppertage im Südburgenland".

Ein Postkasten, der von einer Thujenhecke fast schon zugewachsen ist.
Im Südburgenland, wie hier in Eberau, geht die Post ab. Wer mehr vom Südburgenland sehen will als meterhohe Thujenhecken, konnte am Gewinnspiel fürs Probewohnen im Südburgenland teilnehmen. Die ersten Gewinner waren schon da.
Wolf-Dieter Grabner

Dabei geht es darum, drei Familien für je ein Wochenende zum Probewohnen ins Südburgenland einzuladen. Rund 3700 Anmeldungen gab es bei dem Gewinnspiel. Gewonnen haben drei Familien, wovon die erste bereits in Deutsch Kaltenbrunn war, über Pfingsten wird eine Familie nach Bernstein reisen, und Anfang Juni wird eine weitere Familie in Eberau empfangen.

"Wir haben das ganz normal unter allen Einsendungen ausgelost", erklärt Deutsch. "Wir haben uns mit der Ausschreibung explizit an Familien gerichtet, und rund 90 Prozent der Einsendungen kamen auch von Familien." Damit war die Wahrscheinlichkeit anscheinend ausreichend hoch, eine Familie und keine Rockerbande zu ziehen, dass man auf eine Vorauswahl der Gewinner verzichtete.

Kellerstöckl statt Thermenhotel

"Wir haben schon darauf hingewiesen, dass das Probewohnen im Südburgenland kein Kurzurlaub ist", sagt Deutsch. "Wir wollen unsere Gäste bewusst nicht in ein Thermenhotel einladen, sondern es geht darum, in die Region hineinzuschnuppern." Untergebracht werden die Familien einmal in einem Biohofgut, das andere Mal in einem für das Südburgenland so typischen Kellerstöckl und einmal im Madonnenschlössel in Bernstein. Das klingt jetzt zwar dann doch mehr nach Urlaub als nach ödem Alltag, aber nur Entspannen geht beim Probewohnen nicht.

Denn die Familien erwartet ein ordentliches Programm. Schon in Deutsch Kaltenbrunn hat sich Bürgermeisterin Andrea Reichl (SPÖ) Zeit für die Probewohner genommen, und in Eberau hat Bürgermeister Johann Weber (ÖVP) gar einen halben Tag eingeplant, den er mit seinen Gästen verbringen wird. Die Ortsvorsteher präsentieren die Gemeinde und schauen, dass die Besucher was vom echten Leben im Südburgenland mitbekommen.

In Eberau wird bereits die Wassererlebniswelt offen haben, wenn die Gäste kommen, die man vermutlich stolz präsentieren wird. Aber auch Konzerte und ein Kirtag sollen für Kurzweil sorgen. Dazwischen sind Termine bei einzelnen Firmen in der Region geplant, die sich als mögliche künftige Arbeitgeber präsentieren. Denn natürlich sollen sich die neuen Südburgenländerinnen und Südburgenländer nicht nur in der Gemeinde einbringen, sondern, wenn möglich, auch am Arbeitsmarkt und eben nicht auspendeln.

Mobilität und Arbeit

Das Thema Mobilität wird beim Probewohnen also nicht ausgespart. Man wirbt bei der Gelegenheit etwa für das BAST, das burgenländische Anrufsammeltaxi, das im Südburgenland bereits installiert ist und mit dem die Besucher gratis fahren können. Bedingt halt, denn die Bedienzeiten vom BAST sind nur wochentags von 3.30 bis 20.30 Uhr – das kann man besser nutzen, wenn man länger als nur für ein Wochenende ins Südburgenland zieht.

Die drei Gemeinden, in denen man diesmal Probe wohnen kann, unterstützen das Projekt. Sie kommen etwa auch für die Kosten der Unterbringung und der Verpflegung auf.

Die Aktion Probewohnen im Südburgenland ist nur ein Teil der Arbeit, mit der man Menschen für den Umzug ins Südburgenland begeistern will. Mein Südburgenland ist viel mehr eine Plattform, die schon mit ihrem Online-Auftritt helfen soll, sich das Leben in der Region vorzustellen. "Wir zeigen dort, wie wohnen, leben und arbeiten funktionieren kann, welche Immobilien es gibt, welche Kinderbetreuung, Bildungseinrichtungen, welches Freizeit- und Kulturangebot, wie die medizinische Versorgung aussieht", erklärt Deutsch. "Wir sind sogar mit dem AMS verlinkt, um zeigen zu können, welche Jobmöglichkeiten es in der Region gibt." (Guido Gluschitsch, 16.5.2024)