Menschen im Büro
Während der Covid-19-Pandemie haben sich viele Menschen daran gewöhnt, auch zu Hause produktiv zu arbeiten. Die Rückkehr ins Büro kann nun die Motivation schmälern.
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Eine Verpflichtung zur Rückkehr ins Büro kann zu einem verstärkten Abgang von erfahrenen Fachkräften führen, die ihre im Laufe des Berufslebens und auch in ihrer Firma erlernten Fähigkeiten anschließend zum Teil bei der direkten Konkurrenz einsetzen. Das ist das Ergebnis einer Studie, über die unter anderem die Washington Post und Ars Technica berichten.

Für die Studie wurden die Lebensläufe von Menschen analysiert, die für Apple, Microsoft und Space X gearbeitet hatten. Zwar ist die Analyse somit auf drei große Unternehmen limitiert. Allerdings betonen die Studienautoren, dass diese Unternehmen 30 Prozent des Umsatzes und zwei Prozent der Arbeitskräfte in der Tech-Branche repräsentieren. Zudem gelten die drei Unternehmen als richtungsweisend, wenn es um die Verpflichtung zur Rückkehr ins Büro geht. Dementsprechend könnten die Ergebnisse auch breiter angelegt werden.

Signifikante Kosten

Bei Apple, wo das Personal zeitweise zu Hause arbeiten kann, ist der Anteil an erfahrenen Senior-Level-Mitarbeitern etwa um fünf Prozentpunkte gesunken. Ebenfalls um fünf Prozentpunkte fiel der Anteil bei Microsoft, wo ebenfalls ein hybrider Ansatz verfolgt wird und komplett zu Hause gearbeitet werden kann, sofern dies vom Vorgesetzten genehmigt wird. Bei Space X, wo eine hundertprozentige Anwesenheitspflicht im Büro gefordert wird, fiel der Anteil der Senior-Level-Fachkräfte der Studie zufolge gar um 15 Prozent.

"Zusammengefasst implizieren unsere Forschungsergebnisse, dass die Verpflichtung zur Rückkehr ins Büro signifikante Humankapitalkosten in puncto Output, Produktivität, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit verursachen kann", heißt es in der Studie. Erfahrene Fachkräfte würden die Unternehmen eher verlassen, womit auch vergangene Investitionen in ihre Aus- und Weiterbildung verlorengehen, betont Austin Wright, einer der Studienautoren gegenüber der Washington Post. Christopher Myers, Professor an der Johns Hopkins University, ergänzt gegenüber dem Medium, dass eine mögliche Korrelation zu gesunkener Motivation innerhalb eines Teams bestehen könne: "Es ist einfacher, ein Team zu führen, das glücklich ist."

"Inakkurate Schlussfolgerungen"

Microsoft lehnte die Möglichkeit zu einer Stellungnahme ab, Space X antwortete nicht auf die Anfragen der US-Medien. Seitens Apple heißt es gegenüber der Washington Post hingegen, dass die Studie "inakkurate Schlussfolgerungen" beinhalte und dass die Erkenntnisse nicht die Realität widerspiegelten. Tatsächlich sei die Fluktuation bei Apple "auf einem historisch niedrigen Niveau". (red, 15.5.2024)