Eine Frau sitzt auf einem Holzsessel auf dem Balkon und hat ihre Beine auf der Brüstung abgelegt. Neben ihr auf einem Tisch steht eine Tasse. Die Frau hat die Augen geschlossen und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Im Hintergrund hängen bunte Blumenampeln.
In der Theorie klingt ein Balkon toll: Ein paar Schritte, schon ist man im Freien.
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Pro

Wohnen ist sehr teuer geworden – das liegt nicht nur an Grundstückspreisen, Zinsen und der Nachfrage. Es liegt auch an den gestiegenen Standards, die Immobilienentwickler im Neubau einhalten müssen und die mitunter über das Ziel hinausschießen. Letztendlich liegt es aber auch an den hohen Ansprüchen der Wohnungssuchenden, die spätestens seit den Lockdowns nicht mehr auf einen eigenen Balkon verzichten möchten.

Darauf reagiert der Markt: Neue Wohnhäuser ganz ohne Balkon gibt es so gut wie nicht mehr – selbst wenn der Balkon noch so klein, einsichtig und ungünstig gelegen ist. Kein Wunder, so eine Freifläche zahlt sich für die Entwickler voll aus: In der Errichtung sind die Balkone nicht wahnsinnig teuer, dafür kann bei diesen Wohnungen gleich noch einmal eine ordentliche Summe draufgeschlagen werden.

Wenn man dann aber seinen – streng subjektiven – Blick durch die Innenhöfe des Landes schweifen lässt, sieht man häufig, dass die teuer erkauften Balkone am Ende kaum genutzt werden. Auf vielen weisen nur verdorrte Pflanzen, verstaubte Sonnenstühle und die Schilfmatte am Balkongeländer darauf hin, dass hier jemand wohnt. Andere Freiflächen werden überhaupt gleich als Lager oder Radabstellraum genutzt und mit Holzverschlägen verbaut. Menschen, die gemeinsam essen oder ein Glas Wein trinken, sind die Ausnahme – auch weil dank der Akustik in den Innenhöfen die Nachbarschaft jedes Wort mithören kann.

Um Mieten und Immobilienpreise zu senken, sollte dringend hinterfragt werden, ob wirklich jede neue Wohnung eine Freifläche braucht. Oder ob für die paar verdorrten Kräuter und die paar Stunden Sonnentanken nicht eine schöne Dachterrasse für das ganze Haus reicht. Und für den Wohnraum dafür wieder fairere Preise verlangt werden können. (Franziska Zoidl, 18.5.2024)

Contra

Viele würden wohl zustimmen: Wenn man keinen Balkon hat, stellt man sich unentwegt vor, wie schön es wäre, einen zu haben. Was man dort alles machen könnte! Yoga am Morgen, gemeinsame Abendessen mit Freunden oder einfach am Wochenende in der Sonne liegen.

Die Realität sieht oft anders aus – und dennoch macht die Gewissheit, einen Balkon zu haben, die Gedanken irgendwie frei. Dass man frische Luft schnappen kann, ohne die eigene Wohnung zu verlassen, auch wenn es nur ein kurzer Moment am Morgen oder vor dem Schlafengehen ist, was für ein herrliches Gefühl!

Dazu kommen die vielen praktischen Vorteile: Der Biomülleimer steht draußen, ebenso die dreckigen Wanderschuhe, oder man hängt Textilien auf, die mal auslüften müssen. Und sobald es draußen nicht mehr eisig ist, kommt natürlich auch die Wäsche zum Trocknen raus.

Der Balkon ist viel mehr als nur ein Ort, um sich zu entspannen oder die Freizeit zu genießen. Er ist die Schmutzschleuse, die Wirtschaftsküche, eben all das, was Menschen sich im Einfamilienhaus einbauen, wofür in Wohnungen aber kein Platz ist.

Und selbst wenn man nicht jeden Abend im Sommer draußen verbringt, sondern dann doch lieber auf der Couch sitzt: Auf den meisten Balkonen sprießt zumindest ein Pflänzchen, das von seiner Besitzerin oder seinem Besitzer liebevoll gepflegt wird.

All das – das Garteln, die praktische Nutzbarkeit und letztlich einfach die frische Luft – ist nachweislich gesund und sorgt letztlich für das Mehr an Lebensqualität, das ein Balkon mit sich bringt. Und dafür sind wohl die meisten bereit, auch etwas tiefer in die Taschen zu greifen. (Bernadette Redl, 18.5.2024)