Das war ein ziemlich tiefer Griff in die kulturpolitische Mottenkiste der FPÖ. "Betreff: Österreichhass, Fäkalkunst und Pornografie: Ist das Kunst- und Kulturverständnis des ÖVP-Landeshauptmanns der Steiermark (noch) würdig?", stellten die Freiheitlichen am Dienstag in der Landtagssitzung eine dringliche Anfrage an den Landeschef und Kulturreferenten Christopher Drexler.

Anlass für die Erregung der blauen Partei: das Bruseum, ein eigener Trakt im Universalmuseum, das dem erst jüngst verstorbenen, renommierten österreichischen Aktionskünstler, Maler und Schriftsteller Günter Brus gewidmet ist. Die im Bruseum ausgestellten Werke seien eine "Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole". Und auch die Kirche werde verunglimpft, wetterten blaue Redner im Landesparlament.

Günter Brus mit einem Buch in der Hand
Anfang Februar ist der Aktionskünstler, Maler und Dichter Günter Brus gestorben. Die FPÖ eröffnete nun einen Feldzug gegen sein Schaffenswerk. Hier im Bild: Günter Brus bei seiner Ausstellung "Unruhe nach dem Sturm" im Belvedere 21, 2018 in Wien.
APA/HANS PUNZ

"Wir haben die Pflicht, die Bürger da draußen zu informieren, was hier in Graz in diesem Museum zu sehen ist", sagte FPÖ-Abgeordneter Marco Tiller und fügte hinzu: "Wir sind für die Freiheit der Kunst, sie darf aber nicht alles." Es sei jedem Künstler "unbenommen, privat und auf eigene Kosten derartige Machwerke zu produzieren". Und zu Hause ausstellen.

In ihrer Anfrage an Drexler forderten die FPÖ-Politiker, keine Steuergelder mehr "für diese fragwürdige 'Kunst"' genehmigen. Fazit: Die Freiheitlichen stellten den Antrag – womit sie in der Minderheit blieben –, das Bruseum zu schließen, alle Werke von Brus zu verkaufen und mit den Geldern einen "Ankaufsfonds für heimische Künstler" einzurichten.

Vorgeschmack auf den Wahlkampf

In seiner Reaktion wies ein empörter Landeshauptmann Drexler auf die Einzigartigkeit dieses österreichischen Künstlers, auf seine historische Bedeutung in der heimischen Kunstgeschichte hin. Und auch darauf, dass dessen Werke in den weltweit renommiertesten Museen ausgestellt werden.

Und er formulierte schließlich einen Verdacht: "Ihnen geht es ja gar nicht um eine Kunstdebatte um Günter Brus." Die FPÖ wolle lediglich provozieren und die Sache g'schmackig für ihre sozialen Medien aufbereiten. Er sei jedenfalls vorgewarnt. Die "dringliche" Brus-Anfrage sei ein blauer Vorgeschmack auf den kommenden Wahlkampf. Die Steiermark wählt im Spätherbst. (Walter Müller, 15.03.2024)