Bursche mit Smartphone auf dem Sofa
Bei der Servicepauschale werden pauschal Kosten für Dienstleistungen abgegolten, unabhängig davon, ob diese genutzt wurden oder nicht.
APA/dpa/Tobias Hase

Die "Servicepauschale" ist das Entgelt, das Unternehmen ihren Kundinnen und Kunden einmal jährlich pauschal für diverse "Dienstleistungen" verrechnen – unabhängig davon, ob diese in Anspruch genommen wurden oder nicht. Die regelmäßigen Zusatzkosten sind bei der Kundschaft naturgemäß nicht sonderlich beliebt, im Lauf der vergangenen Monate haben diverse Mobilfunkanbieter diese Pauschalen nun gestrichen – und im selben Atemzug die monatlichen Kosten für die Handy- und Internettarife erhöht, wie der STANDARD Ende Februar 2024 berichtete.

Gesamtkosten in vielen Fällen gesunken

Nun liegt eine Auswertung des Tarifvergleichsportals tarife.at vor, welche die Auswirkungen dieser Umschichtung auf die Gesamtkosten der Tarife zeigt – mit dem Ergebnis, dass diese nicht bei allen Anbietern gestiegen sind, der Wegfall der Servicepauschale für die Kundinnen und Kunden also sehr wohl positive Auswirkungen haben kann.

Für die Untersuchung hat tarife.at die durchschnittlichen Gesamtpreise aller entsprechenden Tarife der Netzbetreiber bestehend aus der Summe der Grundgebühr und der aliquoten monatlichen Servicepauschale analysiert. In die Berechnung wurden nur monatlich abgerechnete Vertragshandytarife mit einer Grundgebühr zwischen zehn und 70 Euro einbezogen.

Magenta und Red Bull Mobile werden teurer

Die Auswertung ergibt, dass die aliquote monatliche Gesamtbelastung bei Magenta und bei Red Bull Mobile gestiegen ist, bei A1, "3" und Bob sind die Gesamtkosten in Summe hingegen gefallen.

Demnach reduzierten sich die monatlichen Gesamtkosten bei "3" im Schnitt um 1,43 Euro, bei A1 durchschnittlich um 2,84 Euro, bei Bob gar um 3,42 Euro pro Monat. Bei Magenta und Red Bull Mobile stiegen die monatlichen Gesamtkosten hingegen um 1,70 Euro beziehungsweise 1,29 Euro.

Kostenvergleich Servicepauschale
Bei Magenta und Red Bull Mobile sind die Gesamtkosten gestiegen.
tarife.at

Der Wegfall der Servicepauschale habe somit mehrheitlich zu Preisvorteilen für Konsumentinnen und Konsumenten geführt, und zwar im Ausmaß zwischen 17 und 41 Euro pro Jahr, sagt Maximilian Schirmer, Geschäftsführer von tarife.at: "Die Mobilfunktarife sind ohne Servicepauschale nun transparenter gestaltet und in der preislichen Betrachtung des Gesamtmarktes günstiger als zuvor."

Zu beachten ist allerdings auch, dass nun in manchen Fällen eben Kosten für jene Services verrechnet werden, die zuvor durch die besagte Pauschale abgegolten waren. So kostet beim Anbieter "3" der Tausch einer SIM-Karte nun zehn Euro, die Herstellung einer Festnetzleitung über 100 Euro. Diese unvorhersehbaren Zusatzkosten fließen in die Auswertung von tarife.at nicht mit ein.

Klagen gegen Servicepauschalen

Zuletzt hatten sechs Kunden gegen die Servicepauschalen von A1 und Magenta geklagt und Mitte Mai 2024 vor Gericht gewonnen. Die Anbieter müssen die Servicepauschale rückerstatten. Ein Urteil ist bereits rechtskräftig, in den anderen Fällen läuft laut Berichten von Kurier und Tiroler Tageszeitung noch die Berufungsfrist. Ausstehend sind außerdem unter anderem die Urteile zu einer Verbandsklage der Arbeiterkammer gegen die Servicepauschalen.

Die Tarifäderungen der vergangenen Monate sollen auch dazu dienen, künftige Klagen gegen die Servicepauschalen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Eingeführt wurde die Servicepauschale von den Mobilfunkanbietern im Jahr 2021. Als der Oberste Gerichtshof vor rund eineinhalb Jahren eine ähnliche Abgabe bei Fitnesscenter kippte, wurden auch die Abgaben im Mobilfunk erneut infrage gestellt. (stm, 15.5.2024)